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Erfolgreiche Unternehmer in Leverkusen: Die vier AGU-Geschäftsführer (v.l.) Dieter Hemsen, Klaus Bruch, Ihsan Sari und Harry Voges. Foto: Aliki Monika Panousi
Porträt

Silicon Valley in Leverkusen: AGU

Den Leverkusener Unternehmerpreis hat die AGU Planungsgesellschaft nicht ohne Grund bekommen. Sie verbindet Innovation und Internationalität mit lokaler Verwurzelung und Verpflichtung. Industrie 4.0 ganz praktisch.

Text: Werner Grosch

Die AGU Planungsgesellschaft GmbH in Leverkusen ist ein Ingenieurdienstleister, der 2017 sein 25-jähriges Bestehen gefeiert hat. Ein Unternehmen, das mit den ganz Großen auf dem Weltmarkt spielt. Industrie 4.0, ganz praktisch. Wie und warum, ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen.

Ein altes Gebäude gleich gegenüber vom S-Bahnhof Leverkusen-Küppersteg, am Rande eines Mischgebietes mit Wohnhäusern und Gewerbe. Drinnen moderne Büros, Schreibtische, Menschen an Computern und Testsystemen. Das Besondere an diesem Unternehmen steckt in den Köpfen
der Menschen an den Computern. Das sind In­genieure, Techniker, Software-Entwickler, die gemeinsam dafür sorgen, dass AGU die 20 größten Pharmaunternehmen der Welt zu seinen Kunden zählen darf, und nicht nur die.

Anlagenbau für die Industrie 4.0

Was AGU so speziell macht, ist die Kombination verschiedener Kompetenzen. Die Planung industrieller Anlagen, etwa für die Produktion von Medikamenten, und ihr sicherer Betrieb sind zwei Bausteine. Der dritte ist die Entwicklung von Soft­wareprodukten für die Digitalisierung von Abläufen, die heute immer noch mit Papier durchgeführt werden. Zusammen ergibt das die konkrete Um­setzung des arg strapazierten Schlagwortes von der Industrie 4.0.

Ein Beispiel dafür: In der Pharmaindustrie werden naturgemäß viele Analysegeräte eingesetzt. Bisher aber gab es weltweit kein Tool, in dem die ganzen Ergebnisse aus den unterschiedlichsten Analysen erfasst und zusammengeführt werden konnten. Jetzt gibt es eins, von AGU.

Verwurzelt in Leverkusen

Drei Jahre nach der Gründung im Jahr 1992 kam dieser Bereich namens „Industrial IT“ dazu, und damit hob sich AGU von Mitbewerbern ab. Seither leiten die vier Geschäftsführer Harry Voges, Ihsan Sari, Klaus Bruch und Dieter Hemsen gemeinsam das Unternehmen. Drei von ihnen sind gebürtige Leverkusener, das Unternehmen ist und bleibt hier verwurzelt, auch wenn eine Tochter­­gesellschaft inzwischen in Dormagen sitzt.

Das Thema der Betriebs- und Anlagensicherheit, weiterer Bestandteil der AGU-Softwareprodukte und -Dienstleistungen, wird ebenfalls immer wichtiger. Die Anforderungen steigen hier ständig, sagt Voges. Das führt derzeit dazu, dass Betriebe tausende Seiten Prüfprotokolle für wiederkehrende Prüfungen produzieren. Unmengen Papier also. Und das bis heute? „Ja, das ist heute noch so“, sagt Voges. Mit der AGU-Software „PEC“ (Plant Engineering Center) lässt sich diese Papierflut vermeiden. „Wenn dann zum Beispiel eine Umweltprüfung stattfindet, kann sich der Betreiber die Daten per Knopfdruck auf den Schirm holen, anstatt in dicken Ordnern zu suchen.“

Es ist ein unendlich schönes Gefühl, wenn Sie merken, dass Ihre Strate­gie aufgeht und Ihr Produkt am Markt gefragt ist.

Harry Voges, AGU-Geschäftsführer

Insgesamt hat AGU heute 75 Mitarbeiter. Wenn man Harry Voges nach dem Erfolg des Unter­nehmens fragt, dann spricht er eigentlich nur von ihnen, den Mitarbeitern. Sein Credo bei der Gewinnung und der Qualifikation von Fachkräften beinhaltet auch einen Blick auf die Bildungssituation in Deutschland: „Wir brauchen keine besseren PISA-Noten, wir brauchen mehr Kreativität. Gebt den jungen Leuten Zeit für die Ausbildung und Reife!“

AGU gewinnt seine Mitarbeiter immer wieder auch aus ganz anderen Bereichen, schult sie intensiv. Auch solche, die gerade einen Bruch in der beruflichen Entwicklung haben. Viele davon seien heute sehr wertvolle Mitarbeiter. Und so sei es eben auch möglich, hochwertige Ingenieur-
Dienstleistung in Deutschland zu etablieren.

Unternehmerpreis für AGU

Im November 2017 hat AGU den Leverkusener Unternehmerpreis bekommen, mit dem seit 2002 verdiente Unternehmerinnen und Unternehmer ausgezeichnet werden, darunter auch Natalie Kühn von SK-Elektronik im Jahr 2015. AGU erhielt nun den Preis, weil das Unternehmen auf den Standort setzt, sich hier engagiert und zugleich innovativ ist. Nicht zuletzt schafft AGU Arbeitsplätze: Allein in diesem Jahr sollen 30 neue Mitarbeiter eingestellt werden.

Voges genießt den Erfolg, spricht vom „Silicon Valley in Leverkusen“. Überheblich klingt das gar nicht, sondern begeistert: „Es ist ein unendlich schönes Gefühl, wenn Sie merken, dass Ihre Strate­gie aufgeht und Ihr Produkt am Markt gefragt ist.“

Die Nachfolge ist schon geregelt

Hinter den alten Mauern verbirgt sich also ein hochmodernes Unternehmen. Die vier Geschäftsführer, teils Freunde seit Kindertagen, sind heute in den 50ern und „alle schon Opa“, wie Voges sagt. Für jeden von ihnen ist schon jetzt ein Mitarbeiter ausgeguckt, der systematisch und über Jahre auf die Übernahme der Verantwortung vorbereitet wird. Die Nachfolge ist also so langfristig geregelt wie selten im Mittelstand.

Das klingt alles schon unglaublich vorbildlich. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass die drei Gründer vor 25 Jahren vor allem ein Motiv hatten: Sie wollten zeigen, dass Unternehmensführung auch anders geht, als sie es selbst erlebt hatten. Anders vor allem mit Blick auf die Wertschätzung für die Mitarbeiter und den Umgang mit Kunden. „Es geht auch fair!“, sagt der Unternehmer, und das auch gegenüber der Konkurrenz. Zum Unternehmerpreis haben sogar Mitbewerber gratuliert. Ist nicht wahr? Doch.