Stichwortsuche

Als "Scouts im Digitalisierungs-Dschungel" wollen die Azubis bei Qtrado, hier mit Ausbildungsleiter Thorsten Wolff, ihr Unternehmen beim digitalen Wandel unterstützen. Foto: Nadine Preiß
Service

Scouts im Digitalisierungs-Dschungel

Viele Unternehmen haben beim Thema digitaler Wandel Nachholbedarf, ihre Auszubildenden hingegen wünschen sich neue Technologien und Arbeitsformen. Das Projekt „Digiscouts“ bringt beide Interessen zusammen.

Text: Katharina Hamacher, Foto: Nadine Preiß

Digitale Post statt ausgedruckter Papierberge, elektronische Lieferscheine und ein kundenfreundlicheres Erfassungssystem für Bestellungen: Die Auszubildenden des Pressegroßhändlers Qtrado haben auf Anhieb eine Menge Ideen, um Abläufe im Unternehmen einfacher und kostensparender zu gestalten. Eileen Kießig, Damla Bozkurt, Aylin Newiadomsky und Paul Dotterer sitzen im Konferenzraum des Hauptsitzes in Leverkusen und sprechen mit ihrem Ausbildungsleiter Thorsten Wolff über ein neues Projekt: Als Pfadfinder 4.0 möchten sie ihre Vorge­setzten und Kollegen durch den Digitalisierungs-Dschungel führen.

Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen

„Digiscouts“ nennt sich das bundesweite und kostenlose Angebot des Kompetenzzentrums Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V. (RKW). Zum Jahresanfang startete die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlich geförderten Impuls- und Ratgeber für den deutschen Mittelstand und der IHK Köln. Die Partnerschaft ermöglicht Unternehmen in der Region, die digitale Umstellung mit Hilfe eigener Experten voranzutreiben. Die Idee hinter „Digiscouts“ ist ebenso simpel wie effektiv: Während gerade kleine und mittelständische Betriebe durch die fortschreitende Digitalisierung vor großen Herausforderungen stehen, ist für ihre Nachwuchskräfte „offline“ zu leben und arbeiten unvorstellbar. Als „Digital Natives“ können sie das Unternehmen mit neuen Impulsen bereichern. Im Gegenzug stellen moderne Technologien und Arbeitsformen einen großen Anreiz für junge Auszubildende dar.

„Das Projekt bietet kleinen und mittelständischen Unternehmen eine große Chance, ihre Ausbildung attraktiver zu gestalten“, sagt Danuta Fuchs, Geschäftsführerin der Gesellschaft für berufliche Förderung in der Wirtschaft e.V. (GBFW). Der Verein der IHK Köln führt Projekte zur Förderung der Berufsbildung durch und koordiniert den Ablauf des Angebots „Digiscouts“ zwischen dem RKW und den teilnehmenden Unternehmen. Für die Digitalisierungsexpertin Danuta Fuchs liegt ein Schwerpunkt auf dem besonderen Lerneffekt: „Die Jugendlichen bekommen die Möglichkeit, ihre Stärken einzubringen und so Abläufe zu beeinflussen und zu optimieren. Sie dürfen Verantwortung übernehmen und arbeiten in Teams zusammen. Das kann nicht nur ihre fachliche Kompetenz stärken, sondern auch ihre Persönlichkeit.“ Zudem erhalten die Auszubildenden umfassende Einblicke in das gesamte Unternehmen, da sie als Projektverantwortliche alle Abteilungen auf Digitalisierungspotenziale untersuchen.

Wie die einzelnen Projektschritte ablaufen, erfahren interessierte Unternehmen bei der großen Infoveranstaltung am 31. März in der IHK Köln. Ausbildungsleiter Thorsten Wolff blickt dem Programm mit Spannung entgegen: „Wir arbeiten in einer analogen Branche, aber es gibt sicherlich viele Prozesse im Unternehmen, die überarbeitet und optimiert werden können“, sagt der Marketingexperte. Als Bindeglied zwischen Verlagen und Einzelhändlern steht das Unternehmen Qtrado, das rund 6.000 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften an mehr als 11.000 Verkaufsstellen ausliefert, täglich vor enormen logistischen Herausforderungen. Verbesserungswürdige Prozesse gibt es viele, die den insgesamt 16 Azubis im Arbeitsalltag auffallen. Die angehenden Fachkräfte freuen sich besonders auf den jahrgangsübergreifenden Austausch untereinander und mit den Kollegen aller Abteilungen. „Verschiedene Köpfe haben verschiedene Ideen“, sagt Fachinformatik-Azubi Paul Dotterer. „Ich als IT-ler habe zum Beispiel sicher noch mal eine andere Sicht auf viele Dinge und weiß, an welchen informationstechnischen Stellschrauben man drehen kann, um allgemeine Prozesse zu optimieren.“ Ausbildungsleiter Thorsten Wolff erhofft sich neben einer verstärkten Teambildung auch einen wirtschaftlichen Nutzen für das Unternehmen: „Ich sehe die Azubis als Wegbereiter, die neue Blickwinkel und Ideen für unseren digitalen Wandel einbringen.“

„Fit in Ausbildung“

Regionalpartner des Kompetenzzentrums RKW ist das Projekt „Fit in Ausbildung“ der Gesellschaft für berufliche Förderung in der Wirtschaft e.V. (GBFW), die das Programm „Digiscouts“ als Verein der IHK Köln koordiniert. Die GBFW führt Projekte zur Förderung der Berufsbildung durch. Zu den berufsbildenden Projekten der GBFW gehört „Fit in Ausbildung; Perspektive 4.0!“, das als JOBSTARTER plus-Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds gefördert wird. www.ausbildung40.koeln

„Digiscouts“: Wo und wie Unternehmen mitmachen können

Startschuss für das kostenlose Projekt, bei dem bis zu zehn Unternehmen mit mindestens zwei Auszubildenden mitmachen können, ist der 31. März. An diesem Tag wird in einer unverbindlichen Informationsveranstaltung in der IHK Köln der Projektablauf vorgestellt. Im Anschluss erfolgt die Auswahl der Unternehmen durch die Reihenfolge der Anmeldungen. Bei der Auftaktveranstaltung am 6. Mai erarbeitet das Kompetenzzentrum RKW mit allen Teilnehmenden einen individuellen Projektplan. Anschließend ermitteln die Auszubildenden in ihren Betrieben digitale Verbesserungsbedarfe und schlagen der Geschäftsführung ihre Ideen vor. Die Vorgesetzten entscheiden sich für ein Thema und beginnen mit der gemeinsamen Umsetzung. Im Herbst stellen alle Teams ihre Ergebnisse bei der Abschluss-Veranstaltung in der IHK vor. Das Gewinnerteam erhält einen Preis.
Eine Anmeldung für die Info-Veranstaltung ist erforderlich, die finale Anmeldung ist erst im Anschluss möglich.

WEITERE THEMEN