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Schwierige Zeiten auf dem Weltmarkt

Die DIHK-Umfrage „Going International“ zeigt für ganz Deutschland und auch für Köln und die Region, dass auslandsaktive Unternehmen derzeit mit großen Problemen zu kämpfen haben – und das nicht nur wegen des Brexits und der Corona-Pandemie.

Text: Werner Grosch

Das internationale Geschäft ist für sehr viele Unternehmen in unserer Region enorm wichtig.
Allein die Industriebetriebe in NRW erzielen fast die Hälfte ihres Umsatzes seit Jahren im
Ausland. Entsprechend hoch angesiedelt ist die Außenwirtschaftsförderung bei der IHK Köln –
und entsprechend besorgt blickt die Kammer derzeit auf bremsende Faktoren, die nicht nur
„Brexit“ oder „Corona“ heißen. Die IHK Köln hat sich wie jedes Jahr an der DIHK-Umfrage „Going
International“ beteiligt. Deren Ergebnisse sind eindeutig.

54 Prozent der befragten Unternehmen aus Köln, Leverkusen, dem Rhein-Erft-Kreis, dem Rheinisch-Bergischen und dem Oberbergischen Kreis nannten ihre Situation im Geschäft mit Großbritannien nach dem Brexit schlecht. Das ist noch kein Wunder. Aber 48 Prozent beschrieben
auch die Lage in den Geschäftsbeziehungen zu den USA und noch knapp ein Viertel auch die
innerhalb der Eurozone als schlecht. Viele Unternehmen berichten außerdem von einer Zunahme
an Handelshemmnissen im vergangenen Jahr ganz unabhängig von den Corona-bedingten
Einschränkungen: In der Region beantworteten diese Frage 53 Prozent der Unternehmen mit Ja.
Zu den hauptsächlichen Erschwernissen gehören demnach verstärkte Sicherheits- und Zertifizierungsanforderungen sowie gestiegene Zölle.

Negative Grundstimmung

Insgesamt zeigt die Untersuchung eine verbreitet negative Stimmung: Nur 17 Prozent der auslandsaktiven deutschen Unternehmen erwarten in diesem Jahr bessere Auslandsgeschäfte, eine
relative Mehrheit von 27 Prozent sogar noch schlechtere als im Jahr 2020. Mehr als drei Viertel
der Unternehmen sind von Reiseeinschränkungen betroffen, 69 Prozent leiden unter abgesagten Messen und Veranstaltungen. Fast die Hälfte muss wegen der Corona-Pandemie Investitionen streichen oder verschieben, 44 Prozent verzeichnen weniger Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen.

Konkret lässt sich die aktuelle Situation besonders gut am Beispiel Lieferketten illustrieren.
40 Prozent der auslandsaktiven Unternehmen berichteten in der Umfrage von dadurch entstandenenProblemen in ihren Lieferketten. Und von diesen Unternehmen planen rund zwei
Drittel erhebliche Maßnahmen zur Anpassung: Knapp die Hälfte sucht neue oder zusätzliche
Lieferanten, 41 Prozent erhöhen ihre Lagerhaltung, mehr als jedes fünfte Unternehmen verteilt seine Zulieferer nunmehr auf mehrere Länder. Immerhin gut jedes zehnte Unternehmen
holt als Konsequenz aus den Pandemiefolgen Teile der Produktion in den eigenen Betrieb.

IHK gibt Tipps zur Lieferketten-Gestaltung

Diese Anpassungsmaßnahmen bedeuten hohen Aufwand und teils auch erhebliche Kosten. Die
IHK Köln unterstützt ihre Mitgliedsunternehmen deshalb gezielt. So enthält beispielsweise das
Lieferkettenportal auf www.ihk-koeln.de (siehe Info-Kasten) konkrete Tipps zur Neugestaltung
der Lieferketten. „Im täglichen Kontakt mit den Unternehmen und in Beratungsgesprächen
erfahren wir, wo die wichtigsten Probleme der Unternehmen liegen. Darauf reagieren wir
schnellstmöglich mit unseren Informationsangeboten und auch mit Veranstaltungen“, sagt Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung der IHK Köln.

Trübe sieht die Lage aber auch nicht auf allen Märkten aus. So erwartet fast ein Drittel der
deutschen Unternehmen in näherer Zukunft spürbar bessere Geschäfte mit China, auch wenn
aktuell noch pandemiebedingte Lieferkettenprobleme auch hier zu erkennen sind. „Gerade
zu China können wir besonders kompetent beraten und informieren, weil es innerhalb der
Arbeitsteilung der NRW-IHKs eines unserer Schwerpunktländer ist, neben der Türkei und anderen“, sagt Hoeckle. Zu diesen Schwerpunktländern der IHK Köln gehört übrigens auch
Vietnam, das noch bei relativ wenigen Unternehmen unserer Region auf dem Schirm ist, das
aber viele Chancen bietet. Das Land zählt zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften
der Welt.


Lieferkettenportal der IHK Köln

Im Lieferkettenportal der IHK Köln finden Sie unter anderem Tipps zur Neugestaltung
der Lieferketten. Außerdem enthält das Portal Infos zu den geplanten gesetzlichen Regelungen und eine Übersicht der Ansprechpartner*innen der IHK Köln zu den Themen
Länder und Märkte, Nachhaltigkeit und CSR sowie zum Engagement in Schwellen- und Entwicklungsländern.

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