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IHK-Vizepräsident Dr. Wilhelm von Moers überreichte Holger Ohme die Bestellungsurkunde. Foto: Ulrich Kaifer
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Schutz vor Legionellen: Neue Sachverständige

Holger Ohme ist einer der ersten überhaupt. Am 11. September wurde der Ingenieur in der IHK Köln vereidigt und darf sich nun „öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider“ nennen.

Hinter dem sperrigen Titel steckt eine wichtige Neuerung, denn die Betreiber von mehr als 30.000
Anlagen dieser Art in Deutschland müssen seit Inkrafttreten der so genannten Legionellenverordnung (offiziell: 42. Bundesimmissionsschutzverordnung) im August 2017 verschärfte Prüfpflichten beachten. Dazu gehört, dass die Anlagen alle fünf Jahre von einer akkreditierten Inspektionsstelle oder einem öffentlich bestellten Sachverständigen überprüft werden müssen. Ohme ist damit nun im deutschlandweiten Sachverständigenverzeichnis der IHKs eingetragen.

Für eine öffentliche Bestellung von Sachverständigen durch eine IHK gelten immer strenge Voraussetzungen der Sachkunde, so auch hier. Ohme musste nicht nur eine entsprechende
Ausbildung und mindestens dreijährige praktische Tätigkeit nachweisen, sondern auch Kenntnisse einschlägiger rechtlicher Vorschriften und technischer Normen.

Wie wichtig diese Qualifikation der Sachverständigen ist, zeigt ein Blick auf die Hintergründe der neuen Verordnung. Der Gesetzgeber wurde aktiv, nachdem es in Deutschland mehrere Legionellenausbrüche mit vielen Erkrankten und sogar einigen Todesfällen gegeben hatte. Legionellen sind eine Bakterienart, die beim Menschen eine Lungenentzündung hervorrufen
kann. Sie kommen vielfach in Trinkwasser vor, stellen aber beim Trinken in der Regel keine
Gefahr dar. Erst durch das Einatmen von feinen Wassertröpfchen (nicht nur Trinkwasser) kann
es zur Infektion kommen. Die Verordnung betrifft deshalb alle Anlagen, in denen Wasser verregnet oder versprüht wird oder in denen es auf andere Weise mit der Atmosphäre außerhalb der Anlage in Kontakt kommen kann. Solche technischen Einrichtungen gibt es nicht nur in der Industrie oder bei Energieversorgern, sondern zum Beispiel auch in Hotel- und Bürogebäuden.

Anzeige beim Kataster notwendig

Weitere neue Pflichten für die Anlagenbetreiber sind eine Anzeigepflicht beim Kataster zur Erfassung von Verdunstungskühlanlagen (42. BImSchV) und ein Link zu dessen Internet-Portal,
regelmäßige betriebsinterne Überprüfungen und Laboruntersuchungen, Dokumentation im Betriebstagebuch und Maßnahmen für den hygienisch einwandfreien Betrieb der Anlagen. Neben den Verdunstungskühlanlagen betrifft die Verordnung auch Kühltürme, wie sie etwa in Kraftwerken zu finden sind, und Nassabscheider, die zur Abluftreinigung dienen. Die verschärften
Prüfpflichten sollen also dafür sorgen, dass keine Legionellen in die Umgebungsluft gelangen
können.

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