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Mit einem Hygiene-System für die Handläufe an Rolltreppen sind sie auf der Erfolgsspur: Katharina Obladen (l.) und Tanja Nickel. Foto: Aliki Monika Panousi
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Schon im Studium die eigene Chefin werden

Jedes zehnte Unternehmen in Köln wird von Studierenden gegründet. Das liegt auch an der inzwischen sehr systematischen Förderung. Was dabei herauskommen kann, zeigt das Beispiel zweier junger Frauen. Sie stehen mit ihrem Unternehmen inzwischen kurz vor Kooperationen mit großen Industrieunternehmen.

Text: Werner Grosch

Der im Sommer erstmals erschienene Gründer­report von IHK NRW hat gezeigt, dass immerhin 6,5 Prozent aller neuen Unternehmen im Land von Studierenden gegründet werden. In Köln sind es sogar 10 Prozent, hat eine Sonderaus­wertung für die IHK Köln ergeben. Und die Zahl steigt – das ist zwar nicht belegt, weil es noch keine Vergleichszahlen gibt, aber doch ziemlich eindeutig.

Marc Kley, der seit sechs Jahren im GATEWAY, dem Gründungsservice der Universität zu Köln, als Berater arbeitet, ist überzeugt: „Das hat sicher damit zu tun, dass die Kölner Hochschulen solche Gründungen inzwischen sehr systematisch fördern. Hinzu kommt, dass TV­-Formate wie ,Die Höhle der Löwen’ die Sache populärer machen“, sagt Kley, der auch Geschäftsführer vom hoch­schulgründernetz Cologne (hgnc) ist, zu dem sich 21 Institutionen (darunter die IHK Köln und neun Kölner Hochschulen) zusammengeschlossen haben, um Gründungen aus Hochschulen heraus ganz praktisch zu unterstützen (siehe Kasten). Das hgnc kümmert sich seit 2011 zwar nicht nur um Studierende und junge Absolventen, aber sie stellen doch etwa 80 Prozent derer, die in die Gründungsberatung kommen, berichtet Kley. Rund 100 Erstberatungen für Gründungsinteressierte pro Jahr habe man in den vergangenen Jahren durchgeführt, und allein aus dem Inkubator der Universität seien seit 2014 insgesamt 14 Start­-ups hervorgegangen. Kley hat in den vergangenen Jahren bei seiner Klientel eine deutliche Verände­rung beobachtet: „Die Studierenden setzen sich heute viel früher mit dem Thema Unternehmens­gründung auseinander. Das ist auch gut so, weil man einige Vorlaufzeit braucht und ja zum Beispiel auch eine Masterarbeit zu seiner Gründungsidee machen kann.“

Viele der Gründer sind mit ihrem Studium schon weit gediehen, die allermeisten schließen es auch trotz Unternehmensstart noch ab. Ein bisschen mehr Vielfalt könnte es vielleicht noch bei den Ideen geben, denn etwa drei Viertel kommen allein aus dem Bereich IT/Medien.

Aus Schüleridee wurde Unternehmen

Ein markantes Gegenbeispiel sind indes Katharina Obladen und Tanja Nickel, die die Idee für ein neuartiges System zur Reinigung von Handläufen an Rolltreppen hatten, und das schon als Schüle­rinnen. Ihre Firma UVIS UV-­Innovative Solutions GmbH arbeitet dabei mit UV-­Licht, das Pilze, Viren und Bakterien abtötet. Katharina Obladen hat heute einen Bachelor in Betriebswirtschaft, Tanja Nickel ist Juristin. Noch während des Studiums an der Kölner Universität begannen sie mit den Vor­bereitungen für ihr Unternehmen, nutzten in der Vorgründungsphase Räume im GATEWAY und sitzen mit ihrer 2016 offiziell gegründeten Firma inzwischen im Kölner Westen.

Der Clou der Erfindung namens „Escalite“: Per Bestrahlung mit UV­C-­Licht sollen 99,99 Prozent der Keime auf den Handläufen in Sekundenschnelle unschädlich gemacht werden, und das ohne Einsatz von Che­mikalien. Für die Nutzer bedeute das ein deutlich reduziertes Infektionsrisiko und auch weniger Sturzgefahr, weil die Scheu vor dem Anfassen abnimmt. Für den Betreiber wiederum ist das Sys­tem imagefördernd, weil es kundenfreundlich und nebenwirkungsfrei ist.

Gespräche mit großen Herstellern laufen

Kein Wunder also, dass „Escalite“ auf großes In­teresse bei potenziellen Abnehmern stößt. „Wir sind in tiefen Gesprächen mit großen Fahrtreppenherstellern und in der konkreten Anbahnung von gemeinsamen Kooperationen. Daneben stehen einige Einbauprojekte im Handel und im Verkehrs­bereich an, zum Teil auch schon im außerdeut­schen Raum“, berichtet Co-­Geschäftsführerin Tanja Nickel. Dass sie innerhalb weniger Jahre so weit gekommen sind, führt sie auch auf die Unterstützung vieler Partner zurück: „Das Gateway hat mit kostenlosem Büroraum und der entspre­chenden Infrastruktur sicherlich einen ganz entscheidenden Teil zur erfolgreichen Gründung beigetragen. Bei Fragen hatten wir dort auch immer einen Ansprechpartner und Berater an der Seite.“

Eine Juristin, eine Betriebswirtin – für eine Grün­dung sicher keine schlechte Kombination. Anderen jungen Gründern raten die beiden vor allem dazu, auch Kritik zuzulassen und ständig den Kunden­nutzen im Auge zu behalten.

Beispiele für erfolgreiche Gründungen

Kundennutzen – das ist auch für Kley ein wichtiges Stichwort. „Manche, die eine gute Idee haben, müssen in der Beratung auch erst mal geerdet werden. Da ist es wichtig, frühzeitig die Frage aufzuwerfen: Was hat ein potenzieller Käufer davon?“

Wenn diese Frage positiv beantwortet werden kann, ist ein wichtiger Schritt getan. In den vergan­genen Jahren ist aus der Kölner Hochschul­-Gründerszene jedenfalls eine Reihe vielversprechender und zum Teil schon am Markt erfolgreicher Unternehmen hervorgegangen. Über einige davon hat auch „IHKplus“ bereits ausführlich berichtet, zum Beispiel über Swarm Protein (Hersteller eines Insektenriegels)Tagxter (Entwickler einer Navigations-­App für (Privat­-)Gelände) oder über Next Kraftwerke (Energieversorger der neuen Art).

Informationen für Gründer

Das Hochschulgründernetz Cologne (hgnc) bietet regelmäßig Vorträge und Workshops zu Fragen von Gründung und Selbstständigkeit an. Außerdem richtet der Verein jedes Jahr einen Ideenwettbewerb für die Start­-up-­Idee aus den hgnc-­Hochschulen aus, bei dem  Geld­ und Sachpreise zu gewinnen sind. Am 8. Juni 2018 gibt es außerdem wieder den alljährlichen Campus Start­-up Day mit Workshops, Vorträgen und Möglichkeiten zum Netzwerken. 

Die IHK Köln bietet ebenfalls zahlreiche Services für Gründer und Gründungswillige. Speziell für junge Start­-ups gibt es die Start-­up Unit, deren Experten zum Beispiel zu den Themen Recht, Steuern und Finanzierung beraten. Außerdem werden regelmäßig Veranstaltungen zu Gründerthemen ange­boten, unter anderem findet am 9. März 2018 in der IHK Köln der nächste „Gründertag“ statt.

Fünf Tipps für studierende Gründer

1. Geschäftsidee auf Tragfähigkeit checken lassen, etwa durch Beratung des Hochschul­gründernetzes.

2. Businessplan erstellen und auch diesen prüfen lassen, etwa durch Teilnahme an einem entsprechenden Wettbewerb wie dem vom NUK – Neues Unternehmer­tum Rheinland.

3. Netzwerke nutzen, zum Beispiel die Wirtschaftsjunioren.

4. Fördermittel in Anspruch nehmen, beispielsweise aus dem Programm EXIST, das speziell Gründungen aus Hochschulen unterstützt.

5. Rechts-­ und Steuerfragen unbedingt  beachten, dazu bietet unter anderem die IHK Köln Einstiegsberatungen an.

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