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Analoge Experten: Dieter Zettner (links) und Hermann Plum, Kontrast Foto: Olaf-Wull Nickel
Porträt

Richtig fokussiert

Text: Lothar Schmitz

Die Fotobranche hat eine Revolution hinter sich. Die Digitalisierung hat nicht bloß die Art der Bilderzeugung verändert, sondern die Branche insgesamt. Drei Beispiele aus Köln verdeutlichen den Wandel.

„So digital wie nie“ war die diesjährige Photokina nach Auskunft von Jörg Schmale, der bei der Koelnmesse als Projektmanager für die „Weltleitmesse für Foto und Video“ verantwortlich ist. Rund 185.000 Besucher waren vor wenigen Tagen zur 34. Auflage der Photokina geströmt, um sich bei rund 1.000 Ausstellern aus 40 Ländern darüber zu informieren, was die digitale Transformation auf dem Gebiet der Fotografie heute alles möglich macht.

Aus analogen Zeiten stammt allenfalls noch der Namensbestandteil „photo“. Längst ist in der modernen Schreibweise ein „F“ an die Stelle des „Ph“ gerückt, und längst hat die Umwandlung der Lichtwellen in digitale Signale den Weg über die Belichtung eines Films und die Entwicklung mittels  chemischer Reaktion abgelöst. Wie die diesjährige Photokina eindrucksvoll zeigte, ist Digitalisierung aber weit mehr als die Art und Weise der Bilderzeugung. „Erfasst hat sie längst den kompletten Prozess von der Entstehung eines Fotos über dessen Bearbeitung bis zur Bildausgabe“, betont Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband.

Zudem erschließt die Digitalisierung der Fotografie derzeit ganz neue Anwendungsgebiete – vom Einsatz in Multikoptern und selbstfahrenden Automobilen über die Robotik bis zur Augmented und Virtual Reality. Von „Body-Cams“ bei Polizeieinsätzen bis zur individuellen Gestaltung von Tapeten mit selbst erzeugten Bildmotiven.

„Ohne Digitalisierung gäbe es uns nicht“
Die Digitalisierung hat auch ganz neue Geschäftsmodelle und Unternehmen hervorgebracht. Zum Beispiel das Kölner Internet-Unternehmen Diginet GmbH & Co. KG – besser bekannt unter dem Markennamen „Pixum“. „Uns gäbe es ohne die digitale Transformation gar nicht“, bekundet Geschäftsführer Daniel Attallah. Gegründet im Jahr 2000 in einer Siegburger Scheune, beschäftigt Pixum heute 125 Menschen in Köln und sorgt an verschiedenen Betriebsstätten in NRW für rund 250 weitere Arbeitsplätze. Der Umsatz sei in jedem Quartal gewachsen – inzwischen liegt er bei über 50 Millionen Euro pro Jahr. Die Hälfte davon entfällt auf die Pixum-Fotobücher, das bekannteste Produkt des Unternehmens. Ein Drittel erlöst Pixum mit Wandbildern, Kalendern und digitalen Fotoabzügen, den Rest machen Handyhüllen, Fotogeschenke – etwa bedruckte Tassen – und Grußkarten aus.

Was sind die Erfolgsfaktoren von Pixum? „Wir konnten direkt digital starten und mussten uns nicht, wie bestehende, etablierte Unternehmen der ‚Analogwelt‘ mit Verantwortung für hunderte Arbeitsplätze, langsam anpassen“, erläutert Attallah. „Außerdem haben wir uns konsequent, im Grunde sogar rücksichtslos auf die digitalen Möglichkeiten, Wünsche und Ansprüche unserer Kunden ausgerichtet.“ Allerdings sei der digitale Wandel ein sehr schneller Prozess. Und kein Projekt, sondern eine Grundeinstellung. „Wir müssen uns ständig anpassen“, weiß der Pixum-Chef, und zwar in allen Bereichen – von der Produktion über den Vertrieb bis zum Marketing oder der Nutzerfreundlichkeit der Website.

„Es wird so viel fotografiert wie nie“
Als Pixum das digitale Licht der Welt erblickte, gab es die FOTO-GREGOR GmbH schon lange. Das Foto-Fachgeschäft mit 100 Beschäftigten am Hauptstandort Köln sowie in Hamburg, Hannover und München war bis vor wenigen Jahren noch eine wichtige Anlaufstelle für alle Menschen, die ihren Kleinbildfilm zur Entwicklung brachten und Fotoabzüge bestellten. Erstaunlicherweise kommen die Kunden immer noch – wenn auch mit Speicherkarten. Das Geschäft mit den Fotoabzügen ist also nicht vollständig ins Internet abgewandert.

Das Hauptgeschäft von FOTO-GREGOR sind heute jedoch Digitalkameras, Objektive und Zubehör. Dabei kommt dem Traditionsunternehmen die zunehmende Digitalisierung sogar zugute. „Es wird so viel fotografiert wie noch nie“, beobachtet der geschäftsführende Gesellschafter Ralph Schumacher, „und außerdem ist die Kameratechnik kompliziert und vielfältig geworden.“ Die Auswahl im Geschäft zeige, wie groß die Bandbreite der Kameras hinsichtlich Preis, Qualität und Optionen geworden sei. „Viele Kunden benötigen eine fundierte Beratung“, sagt Schumacher, „und davon profitieren wir!“ Zudem biete man Preise wie im Internet.

Analog? Ist immer noch gefragt!
Die Kontrast Fotofachlabor OHG ist sozusagen der Schallplattenladen unter den Kölner Fotospezialisten. Hier wird noch in der Dunkelkammer gearbeitet, hier entstehen noch analoge Handabzüge. Sie machen immerhin 20 Prozent der Aufträge aus. Die Qualität ist so gut, dass vor allem Fotokünstler und ambitionierte Amateurfotografen auf die Expertise von Dieter Zettner und Hermann Plum setzen. Auch Archive, Museen und Sammlungen zählen zur Kundschaft. Trotzdem setzt das vor 30 Jahren gegründete Unternehmen maßvoll auf Digitalisierung. „Wir sind immer dann eingestiegen, wenn die neue Technik der alten qualitativ mindestens ebenbürtig war“, erzählt Zettner. Los ging‘s vor fast 15 Jahren mit dem Erwerb eines High-End-Scanners, später folgten ein digitaler Foto-Großbelichter und ein Fine-Art-Pigment-Drucker. Mittlerweile stehen Arbeiten, bei denen eine digitale Maschine an der Produktion beteiligt ist, für 80 Prozent des Umsatzes.

Zettner und Plum nutzen also die Möglichkeiten der neuen Welt, ohne die der alten aus den Augen zu verlieren. „Für einen exzellenten Abzug sind viel Erfahrung und ein analoges Verständnis wichtig“, betont Zettner, „und das gilt auch für digitale Abzüge!“

Direkt digital gestartet: Daniel Atallah von Pixum.
Foto: Olaf-Wull Nickel

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