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Heiko und Björn Hünemeyer stemmen gerade eine Übergabe in ihrem Unternehmen, der Haus Schaeben GmbH & Co. KG. Beim Rheinischen Nachfolgetag berichten sie von ihren Erfahrungen. Foto: Michael Claushallmann
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So geht das!

Die Pandemie hat viele andere unternehmerische Herausforderungen in den Hintergrund der Wahrnehmung geschoben, in manchen Fällen auch das Thema Unternehmensnachfolge. Warum das Thema in Corona-Zeiten dennoch aktuell ist, wie potenzielle Nachfolger*Innen und Nachfolger*Innen suchende Unternehmen zusammenkommen und worauf beide Seiten achten sollten, beantwortet der Rheinische Nachfolgetag.

Text: Barbara Willms

Interesse, sich als Nachfolger*in mit einem Unternehmen selbständig zu machen? Auf der Suche nach der passenden Person, die den über Jahre aufgebauten eigenen Betrieb übernimmt? Familienintern vor einer Nachfolge stehend? – Bei einem „Ja!“ auf eine dieser Fragen, sollten Sie sich den 28. August 2021 im Kalender notieren, denn da findet der Rheinische Nachfolgetag 2021 statt. Die Veranstaltung wird von der Rheinfolge e.V. in Kooperation mit der IHK Köln, den Wirtschaftsjunioren Köln und der CBS International Business School gestaltet und findet in der Kölner CBS statt.

Expertise in allen Fragen

Angelika Nolting, Stellvertretende Geschäftsführerin und Leiterin Innovation und Unternehmensförderung der Geschäftsstelle Oberberg der IHK Köln, freut sich auf ein breit angelegtes Informationsangebot: „Ganz gleich, ob Sie ein Unternehmen oder eine Nachfolge suchen, ob Sie gerade erst beginnen, sich mit der Unternehmensnachfolge zu befassen oder vielleicht schon auf der Zielgeraden sind – hier finden Sie genau die Expertinnen und Experten, die Ihre Fragen beantworten, und Sie können bereits Kontakte zu geeigneten Unternehmerinnen und Unternehmern knüpfen.“

Vorträge, Workshops, Podiumsdiskussionen

Ein Blick in den Programmplan des Rheinischen Nachfolgetags 2021: Die Veranstaltung beginnt um 10:45 Uhr mit einem Grußwort der IHK, gefolgt von zwei Plenumsvorträgen. In mehreren Workshops geht es dann um unterschiedliche Aspekte der Unternehmensnachfolge. Darunter die Nachfolge im Familienbetrieb, die steuerliche Gestaltung, die Chancen und Risiken nach der Pandemie, typische Probleme in den Bereichen Arbeitsrecht, betriebliche Altersvorsorge und gewerbliche Schutzrechte, Eignungsdiagnostik, Verkaufspreisfindung oder auch die Frage, ob und wann und wie im Zuge einer Nachfolge die Einrichtung einer Stiftung sinnvoll sein kann.

Die anschließende Talkrunde mit den Familien Hünemeyer (Schaebens) und Schnirch (RST) bietet Gelegenheit zu Fragen, und beim abendlichen Get-Together können persönliche Kontakte geknüpft und vertieft werden.

Die RheinFolge

Der Verein, mit vollem Namen: RheinFolge e.V., Beraternetzwerk für Unternehmensnachfolge, wurde von Lars Ahlbory und Florian Suchan im Juni 2016 in Köln gegründet und besteht heute aus elf Expert*innen aus allen Fachbereichen der Unternehmensnachfolge, die selbst in verschiedenen Kanzleien, Unternehmen und wissenschaftlichen Projekten arbeiten. Florian Suchan, damals Mitarbeiter von Lars Ahlbory und heute Geschäftsführer von RheinFolge, findet es wichtig, „dass ein unkomplizierter interdisziplinärer Austausch möglich ist – das war unsere Motivation für die Gründung des Netzwerks“. Vom aktuellen Rheinischen Nachfolgetag 2021 erhofft sich Suchan „regen Erfahrungsaustausch aus der Praxis – zum Beispiel bei der Talkrunde“.

Live-Berichte aus der Nachfolgepraxis

In der Talkrunde berichten die Familien Hünemeyer und Schnirch darüber, wie sie ihre Unternehmensnachfolgen bewältigen. Bei Hünemeyer sind heute die dritte und vierte Generation in der Unternehmensgruppe, Vater Heiko und mit Tim und Björn bereits zwei der drei Söhne. Björn Hünemeyer findet es wichtig, erst den eigenen Weg zu gehen, bevor der 100prozentige Einstieg in das Familienunternehmen folgt. "Mit einer Ausbildung, externer Berufserfahrung und einer bewusst neuen Schwerpunktsetzung auf Nachhaltigkeit habe ich mir ein eigenes Standing geschaffen", erläutert er. Auch Vater Heiko rät: "Versuchen Sie nicht, in die Fußstapfen Ihres Vorgängers oder Ihrer Vorgängerin zu treten. Gerade bei dominanten Persönlichkeiten wie meinem Großvater und meinem Vater war das ein massives Problem - daraus haben wir gelernt."

 Es ist nie zu früh…

… sich Gedanken über die Unternehmensnachfolge zu machen. „Eine Nachfolge ist ein sehr komplexer Prozess mit vielen unterschiedlichen Aspekten“, warnt Prof. Dr. Birgit Felden, Gründerin der auf den Mittelstand spezialisierten TMS Unternehmensberatung GmbH in Köln, „dazu gehören emotionale, rechtliche und natürlich finanzielle Fragen. Drei bis fünf Jahre sollten Sie dafür auf jeden Fall einplanen.“ Die Nachfolgeexpertin erlebt nicht selten, dass das Thema immer wieder verdrängt und erst in letzter Sekunde nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin gesucht, aber niemand gefunden wird. Das kann zu erheblichen finanziellen Verlusten bis hin zur Liquidation des Unternehmens führen. Auch potenzielle Nachfolger*innen werden nicht von einem auf den anderen Tag erfolgreich arbeiten können – eine gute Vorbereitung ist unumgänglich.

Nachfolge in Zeiten der Pandemie

Hat Corona Auswirkungen auf die Unternehmensnachfolge? „Das kommt ganz darauf an“, sagt Birgit Felden, „hier zeigt sich ein äußerst vielschichtiges Bild, sowohl bei denjenigen, die eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger suchen als auch denjenigen, die gern ein Unternehmen übernehmen möchten. Corona wirkt da wie ein Brennglas und verstärkt, verändert aber auch vorhandene Tendenzen“. Ein Thema, dem der Rheinische Nachfolgetag einen eigenen Workshop widmen wird.

Auch wenn der Gedanke naheliegt - es ist weder so, dass Corona das Thema Nachfolge gänzlich aus den Hinterköpfen verbannt hat noch, dass es vor allem in den unmittelbar betroffenen Branchen wie der Gastronomie oder der Veranstaltungsbranche eine Rolle spielt. Nachfolgeexpertin Felden berichtet: „Ich höre durch alle Branchen hindurch immer wieder sehr unterschiedliche Aussagen, die ganze Bandbreite an Reaktionen“.

  • Manche sagen, nach der Krise müsste ich nochmal so viel reinstecken, da verkaufe ich lieber jetzt.
  • Andere sagen, das kann ich keinem zumuten, da muss ich jetzt die nächsten Jahre noch selbst durch.
  • Einigen potenziellen Nachfolgern ist es momentan zu riskant, ein Unternehmen zu übernehmen.
  • Andere Nachfolgende sagen sich: Jetzt bekomme ich das Unternehmen als Schnäppchen, irgendwann ist die Krise vorbei, ich kann die Zeit nutzen und dann richtig durchstarten.

Gerade bei Familienunternehmen mit kurzen Entscheidungswegen kann Corona den Anstoß zu einem Entschluss geben, der andernfalls noch Jahre aufgeschoben worden wäre. Birgit Felden berichtet von einem aktuellen Fall: „Der Unternehmensinhaber, Mitte 60, hatte, salopp gesagt, in der pandemiebedingten Zwangspause seine zuvor sehr rare Freizeit schätzen gelernt - und die beiden Töchter freuen sich nun, im Unternehmen durchstarten zu können.“

Unternehmensnachfolge – die IHK Köln berät

Die IHK Köln bietet ihren Mitgliedsunternehmen persönliche Beratungsgespräche rund um die Nachfolge an. Als erste Orientierung gibt es unter www.ihk-koeln.de/221921 umfangreiches Informationsmaterial, inklusive hilfreicher interner und externer Links. Damit lässt sich der geeignete „Fahrplan“ für Ihr individuelles Nachfolgeprojekt erstellen.

Auf der Online-Börse nexxt change, die unter www.ihk-koeln.de/1791 abrufbar ist, können Unternehmer*innen und potenzielle Nachfolger*innen einander kennenlernen.

Die Teilnahme am Rheinischen Nachfolgetag, der bereits zum dritten Mal stattfindet, ist kostenlos. Anmeldung und Infos unter www.rheinfolge.com/rnt2021.

Wie geht Nachfolge in Familien? – Antworten geben Vater Heiko und Sohn Björn Hünemeyer im Video auf youtube.com/ihkkoeln 

Noch mehr Infos rund um Unternehmennachfolge, Unternehmensbewertungen und die Fallstricke in diesem Prozess in unserem Interview mit Professorin Birgit Felden, die seit rund 30 Jahren zu diesen Themen forscht und berät.

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