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Führt seit den 1980er Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Peter das Familienunternehmen mit Sitz in Bergheim mit inzwischen 14 Märkten im Rhein-Erft-Kreis und in Köln: Lutz Richrath Foto: Aliki Monika Panousi
Porträt

So viel Region wie nur möglich

Rewe Richrath ist mit seinem Regionalkonzept sehr erfolgreich. Lutz und Peter Richrath führen das Bergheimer Familienunternehmen in dritter Generation – und das mit ganz eigenem Profil.

Text: Werner Grosch

Feuerrot lackiert, glänzend und perfekt restauriert steht er da, der historische Traktor. Mitten in der Obst­ und Gemüseabteilung von Rewe Richrath in den Kölner Opernpassagen. Und hier dient er nicht bloß als Dekoration, sondern ist auch ein Symbol. Ein Statement für die bäuerliche Landwirtschaft, für handgemachte Qualität aus der Region. Und letztlich ist er auch ein Zeichen für Nachhaltigkeit, Ökologie und all die Schlagworte, die gerne unter dem Label „Bio“ verkauft werden.

Wenn Lutz Richrath die Strategie dahinter erklärt, dann wird schnell klar: Das soll nicht bloß ein Feigenblatt sein. Wie sein Bruder Peter ist er in den 1980er Jahren in das Familienunternehmen eingestiegen, heute führen es beide gemeinsam. Während Peter sich in der Bergheimer Zentrale der REWE Richrath Supermärkte GmbH vor allem um das Sortiment, den Wareneinkauf und die Werbung kümmert, ist Lutz Richrath in allererster Linie für das Personal zuständig – und damit An­sprechpartner für die Marktleiter und die inzwischen rund 850 Mitarbeiter in 14 Märkten im Rhein-­Erft-­Kreis und in Köln.

Erfolgreich mit Produkten aus der Region: Bei Obst und Gemüse entfällt bereits zwei Drittel des Umsatzes auf Erzeugnisse aus dem Rheinland.
Foto: Aliki Monika Panousi

Der entscheidende Wendepunkt in der Geschichte des Unternehmens kam im Jahr 2006. Damals wurden alle Märkte der 1927 gegründeten Ge­nossenschaft auf die Marke Rewe umgeflaggt – egal, ob sie vorher Minimal, Stüssgen oder Kontra hießen. Für die selbstständigen Rewe­-Kaufleute Richrath stellte sich damals eine zentrale Frage: „Wie können wir den Kunden vermitteln, dass wir trotzdem ein privat geführter, lokal verwurzelter Familienbetrieb sind?“

Geschützter Slogan „Wir aus der Region“

Die Brüder handelten schnell: Sie hängten ihren Namen an alle Märkte, aber das war nur ein äußeres Zeichen. Schon 2006 ließen sie sich den Slogan „Wir aus der Region“ schützen und begannen, das Motto mit Leben zu füllen. „Die Idee war, so viele Produkte wie möglich von regionalen Partnern zu beziehen“, erzählt Lutz Richrath. Und diese Partner sollten persönlich ausgewählt werden. Alles fing an mit der Familie Bong, die in Bergheim vor allem Tomaten und Spargel anbaut. Aber Lieferanten für heimisches Obst und Gemüse zu finden, war ja nicht das große Problem. „Wir wollten das aber deutlich ausbauen“, berichtet Lutz Richrath.

Worauf es den Brüdern dabei ankam, zeigt am besten das Beispiel Fleisch. Das Schweinefleisch für alle Märkte liefert seit Jahren Willi Steffens aus Brüggen im Kreis Viersen. Die Richraths haben mit ihm eine feste Vereinbarung für die Haltung und Fütterung der Tiere. So dürfen beispielsweise keine Antibiotika eingesetzt werden, und es muss einen Außenstall geben. Die Gegenleistung ist ein höherer Preis, den der Landwirt pro Kilo bekommt. Ähnlich sieht die Regelung mit em Rindfleischproduzenten Ralf Mager in Erftstadt-Gymnich aus. „Natürlich zahlen wir dem Lieferanten da mehr, als wir anderswo zahlen würden. Aber zum einen macht der wegfallende Zwischenhändler das teilweise wieder wett, und zum anderen sind die Kunden auch durchaus bereit, etwas höhere Preise für so ein regionales Qualitätsprodukt zu bezahlen“, sagt Lutz Richrath.

Es ist so schade, dass wir hier trotz großen Wohlstands kein Verhältnis zu guten Lebensmitteln haben.

Lutz Richrath
Beliebte Eigenmarke: „Richrath's Landbier“ kommt aus einer Familienbrauerei in Korschenbroich

Eigenmarke „Richraths Landbier“

Inzwischen haben die Richrath­-Märkte rund 200 solcher regionalen Produkte im Sortiment. Einige davon laufen auch unter Eigenmarken, zum Bei­spiel das Fleisch unter „Richrath’s Landmetzgerei“ oder auch das beliebte „Richrath’s Landbier“, das aus einer Familienbrauerei in Korschenbroich am Niederrhein kommt. Für die beiden Inhaber ist das Konzept stimmig: Die kurzen Lieferwege und die Garantien der Lieferanten sind positiv für Umwelt und Tierwohl, die Kunden haben großes Vertrauen in die Produkte, weil sie wirklich nachvollziehen können, woher sie kommen. Außerdem wollen die Richraths damit auch mittelständische Familienbetriebe in der Region fördern. „Inzwischen finden die Landwirte auch wieder leichter einen Nachfolger, weil die nächste Generation merkt, dass man damit wieder Geld verdienen kann“, sagt Lutz Richrath.

Aushängeschild des Unternehmens: der Markt in den Kölner Opernpassagen.
Foto: Aliki Monika Panousi

Das „Einerlei“ der Standardprodukte im Discounter ist dem Kaufmann ohnehin zuwider. Er hofft, dass die Menschen in Deutschland mehr Qualitätsbewusstsein entwickeln: „Es ist so schade, dass wir hier trotz großen Wohlstands kein Verhältnis zu guten Lebensmitteln haben.“ Der Erfolg der regionalen Produkte macht da Hoffnung, schließlich liegt ihr Umsatzanteil inzwischen bei Obst und Gemüse schon bei einem Drittel, beim Fleisch sogar bei der Hälfte. Auch einige Auszeichnungen bestätigen den Kurs: In diesem Jahr kürte das Fachmagazin „Lebensmittel Praxis“ die Fachabteilung im Richrath-Markt in Erftstadt-Gymnich zur "besten Fleischtheke Deutschlands", und „Fruchthandel-Magazin“ wählte den Markt in den Opernpassagen als beste Obst- und Gemüseabteilung Deutschlands aus.

Familienbetrieb bald in vierter Generation

Die Geschichte von Rewe Richrath reicht zurück bis ins Jahr 1874, als ein Großhandel für Lebensmittel entstand – exakt an der Stelle, an der heute auch noch die Firmenzentrale sitzt. 1948 übernahm der erste Richrath das Geschäft, Lutz und Peter sind die dritte Generation. Und um die nächste ist den Inhabern, die beide in den Fünfzigern sind, nicht bange. Zwei Söhne von Peter Richrath arbeiten schon im Unternehmen, und auch Lutz Richraths zwei Kinder wollen einsteigen.

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