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Bei der Eishockey-WM vom 5. bis 21. Mai wird ein neuer Besucherrekord erwartet. Foto: Peter Boettcher
Porträt

Powerplay in Deutz

Die LANXESS arena ist bereits jetzt die besucherstärkste Multifunktionshalle Deutschlands. Um die Auslastung hoch zu halten, nutzt das Team der Arena Management GmbH die ganze Palette von Firmenevents bis zu Megakonzerten. Mit der Eishockey-WM wird ein neuer Rekord erwartet. Davon profitieren Köln und die ganze Region.

Text: Georg Watzlawek

Stefan Löcher ist einer der größten Gastgeber Kölns: Rund zwei Millionen Besucher, Weltstars wie Phil Collins oder Lady Gaga und die besten Eishockeyspieler der Welt kann der Geschäftsführer der Arena Management GmbH in diesem Jahr in der Lanxess Arena begrüßen. „Es ist jeden Tag eine gewaltige Herausforderung, jeden Umbau punktgenau zu schaffen“, sagt Löcher. Das sei immer eine Teamleistung; seine eigene Herausforderung sei es, „die richtigen Menschen zu bekommen, die diese unglaublichen Anstrengungen leisten“.

Nahezu das ganze Jahr über ist die Multifunktionsarena mit dem markanten Dachbügel in Deutz belegt. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der gebuchten Tage noch einmal um 13 Prozent, gut 1,6 Millionen Gäste besuchten 165 Veranstaltungen. Damit ist die Lanxess Arena mit großem Abstand Nummer 1 in Deutschland und Nummer 6 weltweit. In diesem Jahr will Löcher mit seinem Team von fast 1.000 Mitarbeitern noch etwas drauflegen.

1,2 Milliarden TV-Zuschauer bei der Eishockey-WM erwartet

Im Mai kommt die IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft nach Köln, hier finden (gemeinsam mit Paris) die Vorrunde und die gesamte Endrunde bis hin zum Finale statt. 34 Spiele in 17 Tagen, zu denen rund 400.000 Zuschauer erwartet werden; maximal könnten sogar 550.000 Tickets zum Preis von 19 bis 230 Euro verkauft werden. „Hinzu kommen 1,2 Milliarden Menschen, die die TV-Bilder aus Köln weltweit verfolgen werden“, berichtet Löcher.

Damit bekommt die Lanxess Arena Köln nicht nur Aufmerksamkeit in der ganzen Welt, sondern ist auch ein handfester Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region. Denn die Besucher nehmen weite Anfahrten in Kauf. Im Durchschnitt liegt ihr Anreiseweg bei 280 Kilometern, jeder Fünfte verbringt wenigstens eine Nacht in einem Kölner Hotel. Ein Zehntel der Tourismuseinnahmen der Domstadt sei durch die Lanxess Arena bedingt, sagt Josef Sommer, Geschäftsführer von Köln Tourismus.

Umgekehrt profitiert die Arena vom guten Ruf der Metropole Köln und der zentralen Lage mit einem sehr großen Einzugsgebiet, berichtet Unternehmenssprecher Tomasz Grenke. Grundsätzlich gebe es eine gut funktionierende Zusammenarbeit mit der Stadt. Mit den Verkehrsproblemen rund um Köln müsse man irgendwie klarkommen, doch bei der Vermarktung wünscht sich das Unternehmen mehr Unterstützung. Ein integriertes Marketingkonzept aller Beteiligten gebe es zwar bei der Eishockey-WM – aber das mache auch darüber hinaus Sinn.

Der Umsatz der Arena Management GmbH betrug 2015 rund 44 Millionen Euro und weist hohe einstellige Wachstumsraten aus. Die Gesellschaft gehört seit 2012 der CTS Eventim AG, die neben dem Kerngeschäft des Ticketverkaufs zunehmend eigene Veranstaltungen organisiert und eigene Stätten betreibt, unter anderem gehört die Berliner Waldbühne zur Gruppe. Die Halle selbst ist inzwischen im Besitz eines Fonds in Hongkong, mit dem langfristige Verträge geschlossen wurden.

Die Arena Management GmbH beschäftigte sich von Anfang an ausschließlich mit der Arena in Deutz sowie einer Trainingshalle, die ebenfalls vom Ankermieter Eishockeyclub Kölner Haie genutzt wird. Rund ein Drittel der Veranstaltungen entfallen auf den Sport, neben den Haien sind die Basketballer der Rheinstars in der Lanxess Arena zu Hause; 2019 soll die Handball-Weltmeisterschaft hierhin geholt werden.

Dabei ist der Erfolg keine Selbstverständlichkeit. Nach der Eröffnung der Halle Ende 1998 hatte das Unternehmen zehn Jahre lang gegen die Insolvenz angekämpft. 2008 übernahm Lanxess die Namensrechte der bisherigen Kölnarena, seit 2009 schreibt das Unternehmen durchweg schwarze Zahlen. „Wir mussten erst einmal lernen, eine so große Halle optimal zu bespielen“, erklärt Sprecher Grenke. Die Zahl der Veranstaltungstage wurde nach und nach erhöht, immer mehr der bis zu 20.000 Tickets je Veranstaltung verkauft. Inzwischen hat die Halle bei den Weltstars einen festen Platz: In diesem Jahr gibt zum Beispiel Phil Collins alle fünf Deutschlandkonzerte in Köln.

Investitionen ins Stadionlicht und 2018 neue LED-Videowürfel

Auch das Firmenkundengeschäft wächst. Zum einen führen nationale und internationale Unternehmen hier große Kunden- und Mitarbeiterveranstaltungen durch, hinzu kommen seit einiger Zeit auch Hauptversammlungen. Die 80 Logen für Firmenkunden wurden modernisiert; zum Teil sind sie das ganze Jahr über vermietet.

Allerdings ist das Veranstaltungsgeschäft international hart umkämpft. Daher erprobt die Arena Management GmbH immer wieder neue Veranstaltungsformate, wie bei den „Video Days“ mit großem Erfolg. Bei der „ESL One Cologne“ spielten zwei Teams im Computerspiel CS:GO gegeneinander. Dabei saßen 15.000 Zuschauer in der Halle, 30 Millionen Fans verfolgten das Duell per Livestream.

Traditionsveranstaltungen wie die „Lachende Kölnarena“ werden mit hohem Aufwand gepflegt. „1.000 Pittermännchen verkaufen wir pro Abend; da können sie sich den Reinigungsaufwand vorstellen“, lacht Löcher. Dreizehn Mal war die Karnevalssitzung im vergangenen Jahr ausverkauft, mit jeweils 10.000 Gästen. Auch die kölsche Band Kasalla hat die Lanxess Arena zweimal gefüllt.

Die Halle selbst, die im kommenden Jahr den 20. Geburtstag feiert, muss kontinuierlich gepflegt werden. Aktuell investiert das Unternehmen jeweils mittlere sechsstellige Summen in flexible Banden und das Stadionlicht, im nächsten Jahr gibt es neue LED-Videowürfel.

Und selbst bei der Kapazität will Löcher noch etwas herauskitzeln: Planungen für eine Erweiterung der Kapazität im Unterrang liegen in der Schublade.
„Wir haben noch ganz viel vor, um die hohe Auslastung zu halten und wo möglich noch ein wenig weiter zu verbessern“, gibt der Arena-Gastgeber die Richtung vor.

Besuchermagnet und handfester Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region: die Lanxess Arena.
Foto: Peter Boettcher

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