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Zwei Männer, zwei Geschäftsmodelle: Dieter van Dillen (l.) und Pascal Richter (r.) Fotos: Aliki Monika Panousi
Porträt

Positionen: In den Laden oder ins Netz?

Einkaufen im Laden oder im Netz? Für die allermeisten Kunden stellt sich diese Frage nicht - für sie gehören heute ganz selbstverständlich beide Varianten zum Shoppingalltag. "IHKplus" hat mit zwei Händlern gesprochen, die ihre Produkte nur hier oder dort anbieten - im Netz oder im Laden.

Dieter van Dillen, Inhaber eines der ältesten Spielwarenläden in Köln, setzt auf Produkt-Qualität, fundierte Beratung und ein Sortiment „aus Tradition und Trends". Er verkauft kein elektronisches Spielzeug, hat keine Website, keine Mail-Adresse und nicht einmal ein Fax. Pascal Richter, Geschäftsführer der Wiehler RDZ GmbH, die den Onlineshop sohop.de für Drogerie- und Haushaltswaren betreibt, setzt ausschließlich auf den Verkauf im Netz.

Textaufzeichnung: Eli Hamacher

Dieter van Dillen, Inhaber eines der ältesten Spielwarenläden in Köln:

"Nach der Schule kommen oft Kinder vorbei und stöbern in meinem Laden. Dieses Erlebnis kann kein Internet ersetzen", so Dieter van Dillen.
Foto: Aliki Monika Panousi

Ob ein Kind geschickt ist oder etwas Einfaches braucht, sehe ich sofort. Ich unterhalte mich mit meinen Kunden und kann sie deshalb gut beraten. Wir verkaufen zum Beispiel kleine Klaviere. Den Klang muss man doch auch einmal gehört haben, bevor man sich zum Kauf entschließt. Im Internet bekomme ich keine Beratung, kann nichts anfassen und nichts ausprobieren. Die Farben sehen in der Wirklichkeit oft anders aus, die Materialien fühlen sich anders an als erwartet, die Waren sind größer oder kleiner als man dachte.

Mein Laden in Köln-Lindenthal ist zwar mit 68 Quadratmetern sehr klein, aber bis unter die Decke gefüllt mit Spielwaren. Die Kunden sind oft ganz erstaunt, was sie bei uns alles noch finden. Und wir sind auch nicht teurer als die Online-Shops. Wir haben ein großes Sortiment an Steiff-Tieren, darunter auch Modelle, die es gar nicht mehr gibt. Und wir verkaufen antikes Spielzeug wie aufziehbare Blechfiguren, Puppenstuben oder Roller. Das gefällt vor allem den Omas, die sich dadurch an ihre Kindheit erinnert fühlen und es dann für die Enkel kaufen. Außerdem sind wir der Laden mit dem größten Angebot an Schaukelpferden in Deutschland. Die Kunden behalten sie oft ihr Leben lang.

Ein Spieleparadies in der realen Welt kann vor allem die kleinen Kinder viel mehr begeistern.

Dieter van Dillen


Der Renner sind aber bei uns Nachbauten des legendären Rennwagens „Silberpfeil" aus den 50er Jahren zu 89 Euro. Den Modellsatz baue ich persönlich für die Kunden zusammen und veredele ihn noch. Das kommt bei den Käufern sehr gut an. Und nach der Schule kommen oft Kinder vorbei und stöbern in meinem Laden. Dieses Erlebnis kann kein Internet ersetzen.

Natürlich machen uns die Online-Händler und die Billigimporte aus Fernost zu schaffen. Mein Umsatz ist gegenüber Spitzenzeiten um zwei Drittel geschrumpft. Eigentlich sollte mein Neffe das Geschäft übernehmen. Aber als ich ihm die Bilanzen gezeigt habe, hat er nur gefragt: „Wie soll ich denn davon die Familie ernähren?"

Kleine inhabergeführte Läden wird es in zehn Jahren nicht mehr geben.

Dieter van Dillen

Kleine inhabergeführte Läden wird es in zehn Jahren nicht mehr geben, es überleben nur noch die großen Ketten. Ich finde das sehr schade, weil ein Spieleparadies in der realen Welt vor allem die kleinen Kinder viel mehr begeistern kann als Internetshops, in denen die Waren ganz nüchtern abgebildet werden.

Ich habe meinen Laden seit 1983 und bin 76. Mitarbeiter hatte ich nie. Wenn viel zu tun ist, hilft meine Schwester. Ans Aufhören denke ich nicht. Solange ich laufen kann, arbeite ich.

Pascal Richter, Geschäftsführer der Wiehler RDZ GmbH, Betreiber des Onlineshops "sohop.de":

"Wer auf dem Land lebt, muss viel Zeit für seinen Einkauf einrechnen und zudem den Sprit bezahlen. Dank immer kürzerer Versand­zeiten sind unsere Waren also auch dort schnell verfügbar", so Pascal Richter.
Foto: Aliki Monika Panousi

Wir sind die beste Eheberatung der Welt. Denn wir lösen die Probleme, über die zu Hause oft gestritten wird. Putzen, bügeln, aufräumen: Wir geben Tipps, wie zeitraubende Tätigkeiten angenehmer und schneller erledigt werden können. In unserem Onlineshop „sohop.de" finden die Kunden seit 2009 nicht nur Antworten für Alltagsprobleme, sondern wir bieten auch ein großes Sortiment an Drogerie- und Haushaltswaren an. Heute umfasst es 46.000 Produkte, davon haben wir 25.000 bis 30.000 ständig auf Lager und den Rest bieten wir passend zur Saison an, etwa für den Frühjahrsputz oder für die Einlagerung von Pflanzen im Winter.

Bei uns finden die Kunden auch viele Klassiker wie Deo-Roller, Waschmittel oder Haarsprays bekannter Marken, die die großen Ketten wie dm, Rossmann & Co. ausgelistet haben, um ihre Eigenmarken zu pushen. Es gibt aber viele markentreue Käufer, die auf diese Produkte nicht verzichten wollen. Mit unserem vielfältigen Sortiment können die Filialen der großen Händler nicht mithalten.

Der E-Commerce arbeitet mit geringeren Kosten. Diesen Vorteil können wir an unsere Kunden weitergeben. Sicher sind wir auch mal teurer als die stationäre Konkurrenz, aber im Schnitt sind wir eher günstiger.

Sicher sind wir auch mal teurer als die stationäre Konkurrenz, aber im Schnitt sind wir eher günstiger.

Pascal Richter

Auch beim Service können wir mit stationären Händlern mithalten. Über unseren 24/7-Kundenservice erreicht man uns an sieben Tagen rund
um die Uhr. Im Livechat auf der Website beantworten wir zügig Fragen rund um Haushalt und Körperpflege. Wenn wirklich Not am Mann ist, also zum Beispiel die Schwiegereltern kommen, lösen wir auch dieses Problem mit den richtigen Produkten. In Kürze bieten wir deshalb im Raum Köln auch eine SOS-Lieferung binnen zwei bis vier Stunden an, das kostet dann sechs bis zehn Euro.

Der Trend im Onlinehandel geht zu immer kürzeren Lieferzeiten bis hin zu 90 Minuten und weniger. Unsere Waren sind dann also ganz schnell
verfügbar. Wer auf dem Land lebt, muss viel Zeit für seinen Einkauf einrechnen und zudem den Sprit bezahlen. Dank immer kürzerer Versand­zeiten sind unsere Waren also auch dort schnell verfügbar.

In unserem Bereich gibt es kaum noch kleine inhabergeführte Läden. Und große stationäre Händler können meiner Meinung nach nur überleben, wenn sie beide Welten – Online und Offline – miteinander verzahnen.

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