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Geschäftsinhaber Sharooz-Noori Dayo (rechts) mit Azubi Maurice Bosshammer und IHK-Ausbildungsberaterin Eva Maria Müller-Hallmann. Foto: Peter Boettcher
Porträt

Passgenau

Ausbildungsbetrieb werden: Mit Unterstützung der IHK Köln oft leichter als gedacht

Text: Josephine Pabst

Aus Sorge über zu viel Papierkram, gesetzliche Hürden und die aufwändige Suche nach einem Azubi scheuen viele Unternehmen vor der Ausbildung im eigenen Betrieb zurück. Dabei ist oft leichter als gedacht, Ausbildungsbetrieb zu werden. Die IHK Köln hilft dabei. So zum Beispiel beim Multishop in Köln-Vogelsang. Dieser ist viel mehr als ein kleiner Lebensmittelladen im Veedel. Der Inhaber Sharooz-Noori Dayo kennt seine Kunden, er weiß, welches Brot und welche Zigaretten sie am liebsten kaufen, wann sie ihren Kaffee trinken und wer jeden Mittwochnachmittag auf einen kleinen Plausch vorbeikommt. Und er erwartet auch, dass seine Mitarbeiter das wissen, dass sie morgens pünktlich und gepflegt zur Arbeit kommen, dass sie Stammkunden mit Namen begrüßen und Senioren dabei helfen, die Lebensmittel einzupacken.

Ausbildungsfähigkeit nachgewiesen

Für den gebürtigen Iraner Dayo war es nicht ganz einfach, einen Auszubildenden zu finden, der diese Erwartungen erfüllt. Doch nun arbeitet der 20-jährige Maurice Bosshammer bereits seit
einigen Monaten im Laden, absolviert dort seine Ausbildung und wird nächstes Jahr Verkäufer
sein. Dayo bildet zum ersten Mal aus – und musste nicht nur einen geeigneten Kandidaten finden, sondern auch viele rechtliche Voraussetzungen erfüllen. Obwohl er selbst kein gelernter
Verkäufer ist, konnte er auf andere Art und Weise nachweisen, dass er trotzdem ausbilden kann. Er musste sich im Ausbildungsvertrag genau an die gesetzlichen Vorgaben halten und dafür sorgen, dass sein Schützling regelmäßig zur Berufsschule gehen kann. Gerade Unternehmen,
die in diesen Bereichen wenig Erfahrung haben, brauchen Unterstützung – und die kommt von den Ausbildungsberatern der IHK Köln, die Fragen beantworten, aufklären und bei Problemen helfen.

„Die Hürden sind gar nicht so hoch“

Eva Maria Müller-Hallmann ist eine der dienstältesten Beraterinnen der IHK Köln. Sie ist nicht nur für Unternehmer Ansprechpartnerin, sondern auch für die Auszubildenden, und manchmal sogar für deren Lebenspartner, Eltern und Großeltern. Jede Woche ist sie unterwegs, besucht Unternehmen, vermittelt bei Problemen und erklärt Arbeitgebern, die zum ersten Mal ausbilden wollen, worauf es ankommt. „Die Bürokratie wird oft überschätzt“, sagt Müller-Hallmann. Viele Unternehmer glauben, dass sie die vielen rechtlichen Vorgaben gar nicht bewältigen können. Ich erkläre dann alles verständlich, und hinterher sind die Unternehmer oft überrascht, dass die Hürden gar nicht so hoch sind.“

Erfüllen die Unternehmen alle nötigen Voraussetzungen, hilft die IHK bei der Vermittlung von Azubis – zum Beispiel über die IHK-Lehrstellenbörse oder die Ausbildungsstellenvermittlung
der IHK Köln
. Beide Services bringen Unternehmen und Ausbildungsinteressierte zusammen. Haben sich die Richtigen gefunden, besuchen die Ausbildungsberater – wenn gewünscht – Unternehmen und Azubis noch einmal, helfen bei der Erstellung des Ausbildungsvertrages und geben Tipps, damit der Ausbildungsstart gut gelingt. „Danach kommen wir meist nur noch, um bei Problemen zu helfen und zu vermitteln“, sagt Müller-Hallmann. Manchmal haben Azubis und Unternehmer unterschiedliche Erwartungen aneinander oder es ergibt sich besonderer
Förderungsbedarf, um die Ausbildungsanforderungen zu meistern. Und manchmal muss einfach jemand Neutrales von außen vermitteln.

Und dann gibt es Fälle, die bleiben Ausbildungsberaterin Eva Maria Müller-Hallmann jahrelang
in Erinnerung. Da war zum Beispiel die Auszubildende mit Behinderung, deren Eltern auch am Arbeitsplatz der jungen Frau sehr präsent waren – ein bisschen zu präsent für den Unternehmer.
Die Auszubildende rief einen Schlichtungsausschuss der IHK an und dieser bestellte Frau Müller-Hallmann als Mediatorin. „Die Fronten waren sehr verhärtet, als ich in das Unternehmen kam“, sagt Müller-Hallmann. Ein Jahr lang begleitete sie die Auszubildende, den Arbeitgeber und die Eltern, moderierte Gespräche und verhinderte so, dass der Vertrag gekündigt wurde. „Die Auszubildende hat es tatsächlich geschafft und ihre Prüfungen mit Bravour bestanden. Daran erinnere ich mich sehr gerne.“

Die Ausbildungsberater der IHK Köln
Ausbildungsberater der IHK Köln beraten vor allem Unternehmen, die zum ersten Mal ausbilden. Sie erklären gesetzliche Vorgaben, helfen mit Formularen, bei der Vertragsgestaltung und besuchen die Unternehmen. Gleichzeitig sind sie Ansprechpartner für Unternehmen, Ausbilder und Auszubildende bei speziellen Ausbildungsfragen und -problemen. Eine Liste der Ausbildungsberater mit Kontaktdaten und ein Formular zur Kontaktaufnahme, wenn Sie Ausbildungsbetrieb werden wollen, finden Sie im Internetauftritt der IHK Köln.

Berichtsheft online und Azubi 4.0
Aktuell fragen viele Azubis bei der IHK Köln nach, ob das Berichtsheft zur Prüfung nicht mehr mitgebracht werden muss oder ob es sogar ganz abgeschafft wurde. Klare Antwort: Zur Prüfung muss es nicht mitgebracht werden, aber während der Ausbildung muss es weiterhin geschrieben werden. Das Berichtsheft dokumentiert den Ausbildungsverlauf, und jeder Azubi sollte sich täglich oder wöchentlich Zeit nehmen, um die Ausbildungsinhalte aus Betrieb und Berufsschule einzutragen.

Das Berichtsheft wird zwar nicht benotet, aber es ist Zulassungsvoraussetzung zur Abschlussprüfung. Bei den Anmeldungen zu dieser Prüfung kontrolliert die IHK Köln stichprobenartig die Berichtshefte. Sie wählt zufällig aus und fordert bei einigen Azubis das Berichtsheft an.

Eine gute Nachricht für alle Azubis mit „Sauklaue“: Das Berichtsheft kann online ausgefüllt werden. Das Ausbildungsunternehmen entscheidet, ob die Azubis ihre Ausbildungsnachweise elektronisch oder weiterhin auf Papier verfassen. Die IHK Köln bietet hierzu Schulungen an, die auf der Internetseite von Ausbildung 4.0 angekündigt werden.

Abrufbar sind dort auch Infos über den Workshop „Azubi Marketing 4.0“, mit dem die IHK Köln über Ideen und Strategien informiert, wie Unternehmen Auszubildende gewinnen können. Am 6. September findet der Workshop von 10:00-15:00 Uhr in der Geschäftsstelle Rhein-Erft statt, am 19. September von 14:00-18:00 Uhr im Kulturbahnhof Overath.

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