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Illustration: Heribert Schulmeyer
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Neue Herausforderung für Unternehmen: Die Brückenteilzeit

Die Bundesregierung will mit dem Gesetz zur Brückenteilzeit die sichere Rückkehr auf einen Vollzeitarbeitsplatz ermöglichen. Unternehmen fürchten eine Verschärfung des Fachkräftemangels und mehr Bürokratie.

Text: Werner Grosch

Arbeitnehmer haben ab 2019 das Recht auf befristete Teilzeit in einem Zeitraum zwischen einem
und fünf Jahren, der vorher festgelegt werden muss. Danach muss der Arbeitgeber die Rückkehr
auf einen Vollzeitjob ermöglichen. Ablehnen kann er den Antrag auf die so genannte Brückenteilzeit nur, wenn Arbeitsabläufe oder Betriebssicherheit dadurch empfindlich gestört würden. Dies muss er aber konkret darlegen und gegebenenfalls beweisen.

Der Arbeitnehmer muss seinerseits keinen Sachgrund für die Teilzeitphase angeben – es ist also ganz egal, ob er sich verstärkt um sein Kind oder um seinen Garten kümmern will.

Hinzu kommt eine weitere wichtige Neuerung: Zwar müssen Teilzeitbeschäftigte schon jetzt bei der Besetzung einer frei werdenden Vollzeitstelle bevorzugt werden, aber bis dato müssen sie selbst beweisen, dass es diese freie Stelle gibt und dass sie mindestens ebenso geeignet dafür
sind wie andere Bewerber. Künftig wird die Beweislast umgekehrt, dann muss der Arbeitgeber
nachweisen, dass es keine entsprechende Stelle gibt oder dass der/die Teilzeitbeschäftigte nicht
gleichermaßen geeignet ist.

Verschärfter Fachkräftemangel?

Auf Unternehmen kommen damit neue Herausforderungen zu. Aus Sicht des DIHK kann das Gesetz den Fachkräftemangel verschärfen, weil die zeitweise Besetzung der (teilweise) frei
werdenden Stellen schwierig werden dürfte. Außerdem bringe es zusätzlichen bürokratischen
Aufwand mit sich. „Auch die neuen Beweispflichten dürften bei vielen Unternehmen Rechtsunsicherheit auslösen“, ergänzt Susanne Wollenweber, Juristin bei der IHK Köln.

Um die Belastung für die Unternehmen zu reduzieren, hat der Gesetzgeber indes auch Beschränkungen eingebaut. So gilt in Unternehmen bis 45 Beschäftigte der Anspruch auf Brückenteilzeit gar nicht. Für Firmen mit 46 bis 200 Beschäftigten gibt es eine „Zumutbarkeitsgrenze“: Sie müssen nur einem pro angefangene (!) 15 Beschäftigte die befristete Teilzeit genehmigen. Bei 150 Mitarbeitern sind es also zehn, bei 151 schon elf. Zudem muss der/die Antragsteller/in mindestens schon seit sechs Monaten im Unternehmen beschäftigt sein.

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