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Nelly Kostadinova, Unternehmerin und Speakerin, spricht mit ihren Gästen über Mut. Foto: Bernd Pütz
Porträt

Nelly Kostadinova, Unternehmerin und Speakerin

Nelly Kostadinova, geboren in Bulgarien, arbeitete zunächst als Journalistin, kam 1990 nach Köln. Sie gründete das Unternehmen Lingua-World, das heute 14 Standorte in deutschen Städten, in Wien, London und Johannesburg unterhält. Sie ist Speakerin und Vortragsrednerin, wird in Kürze als Coach zertifiziert und engagiert sich in der IHK-Vollversammlung. Barbara Willms hat mit ihr über Mut gesprochen.

Weshalb ist Mut in Zeiten der Corona-Pandemie besonders wichtig?
Weil sich Dinge ändern. „Die alten Zeiten“ wird es nach Corona nicht mehr geben, wir müssen Neues schaffen, unsere Arbeitsbedingungen ändern. Die Zukunft hybrid gestalten: analog und digital. Dafür braucht man Mut, bekommt aber auch viel zurück. Ich habe selbst erlebt, wie wundervoll es ist, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Videokonferenz zu sehen. Das hat mir Mut gemacht. Mut, weiterzumachen, weil ich Verantwortung für meine Mitarbeitenden trage. Auch diese Verantwortung hat mir die Kraft gegeben, Neues anzugehen und die Krise nicht als Schicksal hinzunehmen.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie mutig sind?
Ich fühle mich entschlossen, ich spüre meine Leidenschaft für das, was ich tue. Ich habe keine Angst vor Neuem. Wenn sich eine Tür öffnet, gehe ich hindurch. Ich zögere nicht. Ich mache es einfach, fange an, die Situation zu meistern. Ich habe keine Angst vor neuen Situationen und Entwicklungen. Die Kombination aus Entschlossenheit, Leidenschaft und Angstfreiheit macht meinen Mut aus. Das hat mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin.

Was sagen Sie Menschen, die dieses Mutgefühl nicht in sich haben?
Wenn man diese Eigenschaft nicht in sich spürt, muss man sie aufbauen. Menschen, die diesen Weg gegangen sind, können dabei helfen. Mut kann man lernen. Nur wenn du mutig bist, befreist du alle Energien, die du in dir hast. Nur so kannst du deine Ziele erreichen und damit auch anderen Menschen helfen. Es lohnt sich!

Worum geht es in Ihrem digitalen Mut-Café?
Im Mut-Café interviewe ich Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik zu aktuellen Themen. In der ersten Folge ging es darum, wie stark Corona die Europäische Union gefährden und was man dagegen tun kann. Interviewpartner war Jochen Pöttgen, Leiter der Regionalvertretung der Europäischen Kommission Bonn, der konkrete Maßnahmen und seine persönlichen Mut-Rezepte vorgestellt hat. In weiteren Folgen sprechen unter anderem die erfolgreiche Familienunternehmerin Claudia Gläser und die Politikerin Serap Güler über ihre Mut-Rezepte. Ich möchte aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen, wie es möglich ist, mit Mut aus der Krise zu kommen.

Wie haben Sie Ihr Unternehmen bisher durch die Coronakrise geführt?
Mutlos war ich nie, nur ganz kurz verunsichert. Ich musste entscheiden, wer darf weiterarbeiten, wer muss in Kurzarbeit und welche Stelle muss ich streichen. Ich durfte nicht lange überlegen und habe entschieden, jetzt blitzschnell zu handeln. Blitzschnell, das war das Wort. Mein Unternehmen ist gut aufgestellt, weil ich schon lange digital arbeite. Ich bin normalerweise 300 Tage im Jahr unterwegs, und die Kommunikation mit und zwischen den Teams in den Büros war schon digital – da war es nicht so schwierig, sie ins Homeoffice zu übertragen. In Afrika gab es Probleme mit der Internetverbindung, aber das haben wir binnen eines Tages durch eine Prepaid-Verbindung über das Telefon gelöst, mit nur einem Mitarbeiter. Die anderen wurden in Urlaub geschickt, und der eine Mitarbeiter hat jetzt sogar einen großen Regierungsauftrag für uns gewonnen. Er hat dafür länger Urlaub und eine sehr gute Provision bekommen.

Ihre berufliche Vita ist eine Erfolgsgeschichte. Wie wichtig war der Mut dabei?
Der Mut war immer mein Begleiter. Als ich nach Deutschland kam, sprach ich kein Deutsch und besaß nur 50 Mark, habe mich aber schnell orientiert. Auch wenn es erstmal nur auf Englisch ging, habe ich mich immer bemüht, verstanden zu werden und habe schnell Deutsch gelernt. Ich habe mich viel getraut, obwohl ich nicht perfekt vorbereitet war. Dazu eine kleine Geschichte: am Anfang meiner Zeit in Deutschland lernte ich im Zug den jungen Berater einer Ministerin kennen, und er meinte, das sei doch interessant, wenn ich ein kleines Interview mit ihr für eine bulgarische Zeitung machen könnte. Bulgarien war damals irgendwie exotisch aus deutscher Sicht. Ich habe zugesagt, ein paar Monate später kam der Anruf, ich bin mit einer Mitfahrgelegenheit hingefahren, war todmüde, hatte keine Zeit, mich vorzubereiten und konnte dann in der Pause eine Frage stellen. Was ich gefragt habe, weiß ich nicht mehr, aber ich war nachher stolz, das, ohne richtig gut Deutsch zu können, einfach so gemacht zu haben. Zwanzig Jahre später habe ich diese Politikerin bei einer Unternehmer-Veranstaltung wiedergetroffen, und sie sagte in ihrer Rede dem Publikum diesen Satz: „Bleiben Sie mutig.“ Es war Angela Merkel. Das hat mich zu Tränen gerührt.

Mut hat Sie erfolgreich gemacht. Wann haben den Erfolg wahrgenommen, wie erleben Sie ihn bis heute?
2010 war ich für den Veuve Clicquot-Award nominiert. In einem Fernsehinterview wurde ich gefragt: Wie sind Sie so erfolgreich geworden? Ich habe ganz ernst geschaut und gesagt, ich bin doch nicht erfolgreich. Ich arbeite von morgens bis abends, ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht, ich muss meine Arbeit schaffen. Heute weiß ich, dass ich erfolgreich bin, wenn ich die Firma zu Wachstum gebracht habe, wenn Menschen lange mit mir zusammenarbeiten. Erfolg ist nicht so ein Gefühl, dass man plötzlich stolz ist und das nach außen trägt. Erfolg ist, was man geschaffen hat, was auch anderen etwas gibt, und was weiter jeden Tag entsteht.

Zum Schluss eine rhetorische Frage: Ist unternehmerisches Handeln ohne Mut denkbar?
Nein, das ist nicht denkbar. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen den Mut haben, an ihre Ideen zu glauben und diese umzusetzen. Auch Mut zu Vertrauen brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer, um die Menschen mitzunehmen, die gemeinsam mit ihnen als Team diese Ideen umsetzen werden.




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