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Angelika Sielmann (l.) erhielt von IHK-Expertin Petra Maskow wertvolle Tipps zur Unternehmensübergabe, unter anderem zur Börse nexxt change. Foto: Ulrich Kaifer
Service

Nachfolger gesucht? Die IHK hilft

Tausende Unternehmen in der Region stehen vor der Übergabe

Text: Werner Grosch

Karlheinz M. ist ein mittelständischer Unternehmer, wie er im Buche steht. Vor 30 Jahren hat er seine Firma im Rhein-Erft-Kreis, die Spezialschrauben herstellt, aus dem Nichts aufgebaut. Heute hat er 25 Angestellte, nähert sich dem Rentenalter und sorgt sich um die Zukunft seines Lebenswerkes. Denn ein Nachfolger ohne Branchenkenntnis hätte es in dem hochspezialisierten Betrieb schwer. Kinder hat M. nicht. Der Unternehmer hat sich deshalb für eine Beratung an die IHK Köln gewandt, eine Info-Veranstaltung der IHK besucht und den Nachfolgepool genutzt. Auf diesem Wege hat er einen potenziellen Nachfolger gefunden, und es sieht gut aus für eine Übernahme, die auch den Mitarbeitern eine gute Zukunft sichert.

Namen und andere Daten in diesem realen Beispiel sind geändert. Denn wie die meisten Mittelständler will auch M. nicht, dass alle Welt erfährt: Die Firma steht zum Verkauf. „Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir bei unseren Beratungen und der Eintragung in die Datenbanken absolute Vertraulichkeit sicherstellen", sagt Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung der IHK Köln.

Fast 23.000 Unternehmen vor der Übergabe

Wie viele inhabergeführte Unternehmen in einer solchen Situation sind, zeigt eine neue Berechnung im Auftrag der IHK. Danach stehen allein in den kommenden drei Jahren fast 23.000 Unternehmen im Kammerbezirk vor der Übergabe, weil die Inhaber bereits 60 Jahre oder älter sind. Davon sind viele Firmen sehr klein und mit geringem Ertrag, aber rund 5.500 davon dürfen als wirtschaftlich tragfähig gelten. Und von dieser Tragfähigkeit hängen mehr als 100.000 Arbeitsplätze ab. Grundlage dieser Schätzung ist eine Studie zum Nachfolgeschehen in NRW.

Die IHK Köln unterstützt dabei, dass Übergeber und Übernehmer zusammenkommen. Ein wichtiges Instrument ist der Nachfolge-Pool. Er richtet sich an Personen mit entsprechender Eigenkapitalbasis, die an einer Übernahme interessiert sind. Wer den Pool nutzt, erhält anschließend Profile von Unternehmen, die sich auf ihrer Suche nach Nachfolgerin oder Nachfolger an die IHK gewendet haben. „Wenn beide Seiten Interesse haben, ermöglichen wir auf Wunsch ein erstes Treffen in unseren Räumen, also auf neutralem Gebiet. Danach können
die potenziellen Partner ihre Gespräche fortsetzen und wir ziehen uns an diesem Punkt zurück", erklärt Tanja Kinstle, Leiterin Unternehmensförderung der IHK Köln. Für Interessenten an einem kleineren Unternehmen empfiehlt sie die Nachfolgebörse nexxt-change. Bei beiden Plattformen ist die Nutzung kostenlos.

Wichtig zu wissen: Bund und Land unterstützen nicht nur Gründer, sondern gleichermaßen Übernehmer bestehender Betriebe mit Bürgschaften, Krediten oder Beratungskostenzuschüssen. Die IHK Köln berät und informiert über diese Fördermöglichkeiten und auch über das aktuelle Sonderprogramm der Kapitalbeteiligungsgesellschaft NRW für Wachstum und Nachfolge, über das die Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens deutlich verbessert werden kann.



Info-Veranstaltungen
Als Netzwerkpartner organisieren die IHK Köln, die IHK Bonn und die HWK Köln im laufenden Jahr fünf gemeinsame Veranstaltungen zum Thema Nachfolge. Nachdem eine Veranstaltung in der IHK Bonn am 18. Februar den Auftakt machte, folgt voraussichtlich am 12. Mai in der Handwerkskammer Köln und am 22. Juni auch in Bonn die Veranstaltung "Nachfolge ist weiblich". Anfang September geht es dann in der IHK Köln weiter, bevor sich Ende Oktober mit einer Nachfolge-Veranstaltung in Bonn die Reihe schließt. Die Veranstaltungen werden über die Webseiten der Netzwerkpartner bekannt gemacht.
 

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