Stichwortsuche

Mit Coach, Mediator und Durchsetzungswillen an die Spitze des Familienunternehmens: Nadine Dahl, Sopack GmbH Foto: Astrid Piethan
Porträt

Mutmacher für Nachfolgerinnen

Nachfolge ist überwiegend männlich. Immer noch. Aber zunehmend wagen auch Frauen den Schritt als Unternehmerin. Den nationalen Aktionstag „Nachfolge ist weiblich“ am 21. Juni 2018 unterstützen auch IHK Köln und IHK Bonn und machen Mut.

Text: Eli Hamacher

Frauen sind als Unternehmensnachfolgerinnen nach wie vor unterrepräsentiert. Sie führen Firmen mit deutlich weniger Mitarbeitern und nur selten Betriebe in den MINT-Branchen. Die Akteure des nationalen Aktionstages „Nachfolge ist weiblich“ wollen das Thema deshalb bundesweit noch bekannter machen und voranbringen. Für Interessierte aus dem Bezirk der IHK Köln findet am 21. Juni eine von IHK Köln und IHK Bonn gemeinsam organisierte Veranstaltung statt (siehe Kasten). Mut machen will sie gut qualifizierten Frauen, denen die Referenten Betriebsübernahmen als eine interessante Option der selbstständigen Erwerbstätigkeit aufzeigen wollen. Zudem will das Event Übergeberfamilien für die Potenziale ihrer Töchter und Mitarbeiterinnen im Hinblick auf den unternehmerischen Generationswechsel sensibilisieren und Experten benennen, die den Nachfolgeprozess fachkundig begleiten und unterstützen können.

Viele Hürden beim Weg an die Spitze

Wie wertvoll Tipps und Anregungen von Experten und erfahrenen Unternehmerinnen sind, weiß Nadine Dahl. Im vergangenen Jahr übernahm die heute 39-Jährige von ihrem Vater 100 Prozent der Anteile an der Kölner Sopack GmbH. Schon 2012 stieg sie operativ ein, bekam 2015 Prokura und rückte 2016 in die Geschäftsführung des Logistikdienstleisters auf. Auf dem Weg an die Spitze war sie gleich zweifach gefordert. „Gegenüber einer Tochter hat ein Vater immer einen ganz besonderen Beschützerinstinkt, greift deshalb schnell bei kniffligen Situationen, etwa Schwierigkeiten mit einem Kunden, unterstützend ein“, sagt Dahl. Die Logistikbranche sei zudem eine absolute Männerdomäne, auf Kunden- ebenso wie auf der gewerblichen Mitarbeiterseite. Anfangs hätten zum Beispiel viele Kunden auf ein Gespräch mit dem Senior bestanden. Immer wieder sind auch Vater und Tochter von der Belegschaft gegeneinander ausgespielt worden. Da waren Konflikte programmiert und die Jungunternehmerin steuerte gegen. „Wir haben uns zwei Jahre lang von einem Mediator beraten lassen, der mich dann später auch noch gecoacht hat“, berichtet die Sopack-Chefin. Mit Erfolg. Von dem Experten hat der Senior vor allem das Loslassen gelernt und die Tochter das Durchsetzen.

„Es lohnt sich, für das Thema zu werben“, ist Prof. Dr. Birgit Felden überzeugt, Leiterin des Studiengangs Unternehmensgründung und Nachfolge und des Forschungsinstituts für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Engagierte Frauen könnten in einer Selbstständigkeit auch viel besser Familie und Beruf vereinbaren als in einem festen Job, da die Freiheitsgrade höher seien. Felden, selbst Gründerin eines Kölner Familienunternehmens und Mutter von zwei Kindern, weiß, wovon sie spricht. Ihr Rat: „Eine Nachfolge muss man systematisch planen, was Frauen oftmals sehr gut beherrschen. Außerdem ist es vorteilhaft, dass familieninterne Nachfolgerinnen den Betrieb ja schon lange kennen. Sie können deshalb langsam einsteigen und sich das nötige Rüstzeug holen.“ Dass Frauen doppelt so gut sein müssen wie Männer, um Karriere zu machen, hält die Wissenschaftlerin allerdings für eine Mär. „Frauen wollen vielmehr häufig doppelt so gut sein, um ein ruhiges Gewissen zu haben.“

Ein Lichtblick beim Thema weibliche Nachfolge: Die früher dominierende Erbfolge, wonach der älteste Sohn den Betrieb weiterführt, verliert an Bedeutung. Laut einer Studie des Wittener Instituts für Familienunternehmen werden Firmen zu rund einem Viertel von Nachfolgerinnen und Nachfolgern aus der Generation übernommen, die mindestens einen älteren Bruder haben. Die Kehrseite der Medaille: „Die Anzahl familieninterner Nachfolger sinkt auch deshalb, weil Unternehmerkinder heute andere Perspektiven haben (dürfen)“, sagt Felden. Und wenn eine Frau an die Spitze rücke, werde sie oft noch als zweite Wahl gesehen. Ein Grund mehr, mit Veranstaltungen wie dem Aktionstag zur Unternehmensnachfolge durch Frauen für ein Umdenken zu trommeln und Mut zu machen.

Nationaler Aktionstag

Am 21. Juni findet im „Podium49“ in Bonn ab 16:30 Uhr der Nationale Aktionstag „Nachfolge ist weiblich“ statt, der von der IHK Köln gemeinsam mit der IHK Bonn organisiert wird. Die Veranstaltung informiert und will abgebende Unternehmer/innen mit potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern zusammenbringen.

Details unter www.ihk-koeln.de/175620.

WEITERE THEMEN