Stichwortsuche

Service

Mit aller Energie in die Zukunft

Text: Werner Grosch

Effizient, umweltfreundlich, zuverlässig: In der Kölner Region arbeiten Unternehmen und Forschungsinstitute an faszinierenden neuen Möglichkeiten der Energieversorgung und -nutzung. Die IHK Köln will unter anderem mit einer Veranstaltung im November die Chancen vermitteln, die darin für die Wirtschaft insgesamt liegen.

Aerogele sind seltsame Dinge. Für Laien jedenfalls. Sie bestehen aus einem Netzwerk kolloidaler Teilchen, sagt der Physiker und meint damit Teilchen, die in einer Dispersion fein verteilt sind, also einer Flüssigkeit. Nach dem Herstellungsprozess wird diese Flüssigkeit entfernt, und dann bleibt eine Struktur aus Kohlenstoff-, Kunststoff- oder anderen Verbindungen – jedenfalls eine mit erstaunlichen Eigenschaften. Denn die Oberfläche eines Aerogels in der Größe eines Spielwürfels kann bis zu 2.000 Quadratmeter groß sein, und das entspricht ziemlich genau dem berühmten Fußballfeld.

Wegen dieser enorm porösen Struktur sind Aerogele hervorragend für die Wärmedämmung geeignet, und die wiederum ist ein Hauptfaktor für effiziente Energienutzung. Sie sind deshalb eines der wichtigen Forschungsfelder, auf denen Unternehmen und Forschungsinstitute auch und gerade im Rheinland arbeiten. Die IHK Köln möchte die mittelständische Wirtschaft mit dieser wissenschaftlichen Arbeit verbinden, möchte Netzwerke schaffen, vor allem mit einem Ziel: „Die Unternehmen sollen erkennen, welche Chancen in dieser visionären Arbeit auch für sie selbst liegen. Das betrifft die sparsame und effiziente Nutzung ebenso wie die künftigen Möglichkeiten der dezentralen Erzeugung von Strom und Wärme“, sagt Elisabeth Slapio, IHK-Geschäftsführerin Innovation und Umwelt.

Konkrete Perspektiven statt Zukunftsmusik

Dass es sich hier nicht bloß um Zukunftsmusik, sondern um konkrete Perspektiven handelt, erklärt IHK-Energieexperte Matthias Thome: „Beispielsweise in der Kraft-Wärme-Kopplung liegt noch großes Potenzial. Je effizienter Blockheizkraftwerke werden, desto besser eignen sie sich auch für die Eigenerzeugung von Energie selbst in kleineren Unternehmen.“

Wie man dieses Potenzial ausschöpfen kann, ist eines der Forschungsthemen, mit denen sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beschäftigt. An den Standorten Köln und Stuttgart forscht das DLR intensiv auf unterschiedlichsten Gebieten des Themas Energie, deshalb ist das Forschungszentrum Haupt-Partner der Veranstaltung „Energieinnovationen: Trends und Chancen für Unternehmen“ im November (siehe Kasten).

Die kostenlose Info-Veranstaltung „Energieinnovationen: Trends und Chancen für Unternehmen – Werkstoffe, Speicher, Systeme“
findet am 14. November von 9:00 bis 15:00 Uhr in der IHK Köln statt. Sie wird begleitet durch eine Ausstellung mit Hightech-Exponaten des DLR.

Beispiel Blockheizkraftwerke (BHKW): Heute werden sie noch in allererster Linie mit Kolbenmaschinen betrieben. Das DLR versucht indes, die Technik der Mikrogasturbinen weiterzuentwickeln, denn sie bietet eine ganze Reihe von Vorteilen. So können zum Beispiel unterschiedlichste flüssige oder auch gasförmige Brennstoffe verwendet werden. Außerdem sind die Schadstoff- und auch die Lärmemissionen deutlich geringer, die Bauweise ist einfacher, und das heißt auch immer: Es ist viel billiger. Zugleich sind bei dieser Technologie die Abgastemperaturen höher, weshalb sich die Gasturbinen besser für die Erzeugung von Prozesswärme und -kälte eignen. Genau dies, die Verbindung von Stromproduktion mit Wärme- oder Kälteerzeugung, ermöglicht ja bei BHKW die hohen Wirkungsgrade von mehr als 90 Prozent. Heißt also: Die eingesetzte Primärenergie wird fast vollständig genutzt.

Blockheizkraftwerke sind zunehmend auch für kleinere Unternehmen mit hohem Energiebedarf interessant, aber die Kraft-Wärme-Kopplung ist auch ein großes Thema für die Energieversorger. Die Kölner RheinEnergie AG, die ebenfalls an der IHK-Veranstaltung beteiligt ist, nutzt die Technik inzwischen an vier Standorten. Paradebeispiel ist das Anfang September offiziell eröffnete Heizkraftwerk „Niehl 3“, das für Fernwärme sorgt und in den kommenden Jahren bis zu 35.000 veraltete „Einzelfeuerungsanlagen“ ablösen soll. „Je nach Szenario spart Niehl 3 so insgesamt zwischen 500.000 Tonnen und einer Million Tonnen Kohlendioxid ein – pro Jahr“, sagt der RheinEnergie-Vorstandsvorsitzende und IHK-Vizepräsident Dr. Dieter Steinkamp.

DLR_FrankEppler_V2_53955_53956

Wissenschaftliche und technologische Entwicklungsarbeit führt eben nur zum Erfolg, wenn sie wirtschaftlich funktioniert. Anwendungsnahe Forschung findet im Idealfall in Kooperation zwischen Unternehmen und Instituten statt. Beispiel Covestro: Die ehemalige „Bayer MaterialScience“ arbeitet seit einigen Jahren mit der RWTH Aachen daran, Schadstoffe aus der Energieerzeugung sinnvoll zu nutzen. So kann jetzt bereits Kohlendioxid für die Herstellung von Polyurethan genutzt werden – zunächst einmal für den Weichschaum in Matratzen. Auch Covestro beteiligt sich an der Veranstaltung im November.

Für die große Linie, die grundlegende Vision, zeichnet Prof. Robert Pitz-Paal verantwortlich. Der renommierte Solarexperte vom DLR wird in der IHK Köln den Perspektivvortrag halten, der sich vor allem mit der Frage beschäftigen wird, ob eine stark dezentrale Energieversorgung mit zahllosen kleineren Anlagen möglich sein wird. Eine Kernfrage dabei ist, wie man Energie speichern und bei Schwankungen im Netz auch kurzfristig einspeisen kann. Das DLR forscht deshalb auch intensiv an entsprechenden Technologien, bei denen unter anderem ganz gewöhnlich aussehende Kügelchen zum Einsatz kommen: aus Keramik, Naturstein, Flüssigsalz – oder sogar aus Beton. Die Ideen für die Energie-Zukunft gehen den Forschern nicht aus.

DLR_Thomas_Ernsting_53957_53958

WEITERE THEMEN