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Erfolg mit Sicherheit: Oliver Steckmeister. Foto: Olaf-Wull Nickel
Porträt

Mit Sicherheit hoch hinaus

Text: Lothar Schmitz

In nur sechs Jahren hat sich „Steckmeister’s Safety Services“ in der Baubranche einen Namen mit Baustellensicherung gemacht. Das kleine oberbergische Unternehmen wächst – und der Inhaber profitiert von den Erfahrungen, die er als junger Mann nach seiner Ausbildung während einer dreijährigen Wanderschaft gesammelt hat.

Der Wind spielt eine nicht unerhebliche Rolle im Leben von Oliver Steckmeister. Er gehört zu den wenig geschätzten Kräften, die bisweilen auf einer Baustelle wirken und für Gefahr sorgen. Werkzeuge und Bauteile könnten in die Tiefe fallen, die Sicherheit und das Leben von Arbeitern und Passanten gefährden. Wenn nicht Oliver Steckmeister und sein Team wären, die im Auftrag ihrer Kunden dem Wind und anderen unliebsamen Kräften die Stirn bieten. In nur sechs Jahren hat sich „Steckmeister’s Safety Services“ in der Baubranche einen Namen mit Baustellensicherung gemacht. Das kleine oberbergische Unternehmen wächst.

Zum Angebot des 42-jährigen Unternehmers gehören vor allem Seitenschutz, Absturzsicherung und Zugangstechnik, aber auch Wetterschutz, Bauzäune und Absperrungen. Und zwar nicht nur die Lieferung des erforderlichen Materials. Wenn gewünscht, übernimmt „Steckmeister’s“ die komplette Beratung, Planung und Montage – Schulungen zur richtigen Nutzung inklusive.

Heute weist Steckmeister also den Wind und andere negative Einflüsse mit Erfolg in die Schranken. Vor zwei Jahrzehnten war das anders – da setzte er bewusst auf die Kraft des mächtigen Elements: „Ich wollte gehen, wohin der Wind mich trägt“, erinnert er sich. Und so machte sich der damals 24-jährige Maurergeselle 1997 auf den Weg durch Deutschland und Europa. Steckmeister verließ seinen Heimatort an der Elbe und ging für drei Jahre und einen Tag „auf die Walz“, sprich: Er wurde Wandergesell. Mit Fernweh, aber ohne Geld zog er durch die Lande, beladen allein mit seinem „Charlottenburger“, wie das Stoffbündel genannt wird, in dem er nichts außer seiner Ersatzkluft, einem Schlafsack, ein paar anderen Notwendigkeiten und etwas Werkzeug mit sich trug, und dem „Stenz“, seinem Wanderstock, den er sich unterwegs selbst schnitzte.

Spezialisiert auf die Absicherung von Großbaustellen ist Steckmeister seit sechs Jahren.
Foto: Olaf-Wull Nickel


„Eine außerordentlich schöne Zeit“
Mal zu Fuß, mal per Anhalter zog es ihn von Ort zu Ort, von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz. Meist übernachtete er in Jugendherbergen, bei den Eltern anderer Wandergesellen oder in Herbergen der Wanderzünfte, gelegentlich auch einmal in einem Bus-Wartehäuschen. Geld hatte er wenig dabei, in Kneipen oder Gaststätten wurde er – so ist es auf der Walz üblich – ausgehalten, nachdem er seinen traditionellen Spruch aufgesagt hatte.
„Das war eine außerordentlich schöne Zeit“, erzählt Steckmeister, die ihn tief geprägt habe. „Man wird hoch kommunikativ und sehr selbstständig, lernt, mit wenig auszukommen, und bekommt eine gute Menschenkenntnis!“ Eigenschaften, die ihm als Unternehmer sehr helfen.

Zwischen 2006 und 2008 arbeitete Steckmeister, inzwischen Maurermeister, als Anwendungstechniker bei einem schwedischen Anbieter von Sicherheitsprodukten für Großbaustellen im Ruhrgebiet. Nach dem Verkauf an einen US-Investor stand eine Entlassungswelle an. Steckmeister hatte gerade ein Haus gebaut, seine Frau das zweite von inzwischen fünf Kindern bekommen. Er nahm allen Mut zusammen und machte sich selbstständig – mit der Vermietung von Sicherungsmaterial für große Baustellen. Diese naheliegende Idee hatte er im Kündigungsgespräch erwähnt – und die Firma sagte ihm zu, die sich häufenden Anfragen von Kunden, die solches Material gar nicht kaufen, sondern eben nur mieten wollen, an Steckmeister weiterzureichen. Umgekehrt erwarb er dort einen Teil des Materials – eine Kooperation, die sich auszahlen sollte.


Hoch hinaus in Frankfurt, Basel und Hamburg
Schnell ging es aufwärts – und zwar im doppelten Wortsinn. Steckmeisters erste Baustelle war der „Tower 185“, ein Wolkenkratzer in Frankfurt am Main. Es folgten weitere Hochhausbaustellen, die das kleine Wipperfürther Unternehmen absicherte, etwa die Türme der Europäischen Zentralbank, ebenfalls in Frankfurt, die „Tanzenden Türme“ an der Reeperbahn in Hamburg und der Roche-Tower in Basel. Dabei konnte Steckmeister sein Unternehmen ständig vergrößern. Inzwischen zählt es vier Festangestellte und vier 450-Euro-Kräfte, der Umsatz hat den sechsstelligen Bereich überschritten.

Die Sicherung von Großbaustellen ist ein Nischengeschäft, und „Steckmeister’s“ hat sich in dieser Nische gut eingerichtet. Zu den Kunden zählen die Top 10 der deutschen Baufirmen, die das kleine, aber wichtige Segment der Baustellensicherung gerne outsourcen. „Oft spielen wir aber auch Feuerwehr“, erzählt der Unternehmer. Wenn nämlich das Amt für Arbeitsschutz oder die Berufsgenossenschaft drohen, wegen Sicherheitsmängeln eine Baustelle zu schließen, greift mancher Auftraggeber zum Hörer und verlangt nach Steckmeisters Expertise.

Die Ausfallquote des kleinen Unternehmens ist dabei äußerst gering – gerade in der Baubranche nicht selbstverständlich. Steckmeisters Kunden sind verlässlich. Das hat auch mit seinen Wanderjahren zu tun. „Ich habe damals gelernt, die Menschen einzuschätzen“, sagt er. Auch die, mit denen er Verträge macht.

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