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IHK-Vizepräsident Dr. Wilhelm von Moers (l.) überreicht die Bestellungsurkunde an einen neuen Sachverständigen. Foto: Olaf-Wull Nickel
Service

Mit Sachverstand

Die öffentliche Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen sichert Qualität und schafft Vertrauen in die Kompetenzen. Die IHKs haben dabei eine zentrale Aufgabe.

Text: Werner Grosch

Vermögensberater, Makler, Journalist, Volkswirt, Verleger – so darf sich in Deutschland jeder
nennen, denn all das sind ungeschützte Berufsbezeichnungen. Auch „Gutachter“ oder gar
„Sachverständiger“ darf jeder auf seine Visitenkarte schreiben. Doch gerade auf die Kompetenzen
der Letztgenannten sollte man sich doch verlassen können? Um genau das sicherzustellen,
hat der Gesetzgeber die geschützte Bezeichnung „öffentlich bestellte/-r und vereidigte/-
r Sachverständige/-r“ geschaffen. Die Industrie- und Handelskammern, Handwerks- und andere Kammern gehören zu den Institutionen, die damit beauftragt sind, die fachliche, aber auch persönliche Eignung aller Personen sicherzustellen, die diesen Titel tragen wollen.

Allein von Januar bis August 2019 hat die IHK Köln rund 30 neue Sachverständige vereidigt
oder die Bestellung erneuert. Unter deren Fachgebieten finden sich teils seltenere, aber nicht weniger wichtige Fachthemen wie die „Sicherheit von nicht-militärischen Schießständen“ oder „Briefmarken ab 1872“, aber auch vielfach gefragte Expertisen zu Themen wie etwa Schadstoffe in Innenräumen oder Straßenverkehrsunfälle. Rund 250 ausgewiesene Fachleute listet das Kölner Sachverständigenverzeichnis derzeit auf – bundesweit sind es mehr als 8.000 aus rund 300 Sachgebieten.

Nicht nur die Wirtschaft ist auf diesen Sachverstand angewiesen, etwa bei der Bewertung von Unternehmen oder der Prüfung von Kühlanlagen. Das Expertenurteil kann zum Beispiel für Betroffene von Verkehrsunfällen von größter Bedeutung sein. Gleiches gilt aber auch für die
objektive Feststellung des Wertes einer Immobilie oder auch eines Gemäldes aus dem Nachlass
der Großmutter. Der Bestellung der Sachverständigen geht deshalb ein aufwendiges Verfahren
voraus.

Expertengremium prüft Kandidaten

Allererste Voraussetzung ist ein anerkannter Bedarf für die angebotene gutachterliche Leistung. Ob dieser existiert und wie das Sachgebiet genau zu definieren ist, lässt sich am besten in einem persönlichen Vorgespräch mit der IHK klären. Dann müssen die Bewerberinnen und Bewerber Unterlagen einreichen, die ihre Sachkunde nachweisen, außerdem müssen sie „geordnete wirtschaftliche Verhältnisse“ belegen.

Aufgrund dieser Unterlagen gibt der Sachverständigenausschuss der IHK Köln eine Empfehlung ab. Die Mitglieder dieses ehrenamtlichen Gremiums haben aufgrund ihres beruflichen oder
unternehmerischen Hintergrundes eigene Expertise in den gefragtesten Sachgebieten oder sind
als Richter, Anwalt oder Unternehmer selbst Auftraggeber von Sachverständigenleistungen. Wenn das Votum des Sachverständigenausschusses positiv ausfällt, folgt in der Regel die schriftliche oder mündliche Prüfung durch ein Gremium, das mit Experten des jeweiligen Sachgebietes
besetzt ist. Aussichten auf Erfolg hat nur, wer „erheblich über dem Durchschnitt liegende Fachkenntnisse“ nachweisen kann. In den Gebieten, in denen Bestellungsvoraussetzungen
existieren (bei einigen seltenen oder neuen sind keine definiert), können diese auf der Homepage des bundesweiten Sachverständigen-Verzeichnisses oder des Instituts für Sachverständigenwesen (IfS) eingesehen werden (siehe Kasten).

Strenges Verfahren sichert Qualität

„Die Kandidatinnen und Kandidaten müssen also einige Voraussetzungen erfüllen, um die
geschützte Bezeichnung zu erlangen. Dies sichert letztlich die Qualifikation der Sachverständigen,
die ja unter anderem in Gerichtsverfahren zu Rate gezogen werden“, sagt Rainer Krauß, Vorsitzender des Sachverständigenausschusses der IHK Köln. Das bedeutet umgekehrt aber auch ein Qualitätssiegel, das auch seinen Trägern Vorteile bringt. Etwa in bestimmten Umweltverfahren
oder auch in Strafverfahren werden praktisch nur öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige beauftragt. Die gesamte Tätigkeit als Sachverständiger wird von der zuständigen
Aufsicht – hier also der IHK Köln – laufend beobachtet.

Das Sachverständigenwesen ist übrigens eines von vielen Fachgebieten, das bei der IHK Köln
in einem Digitalisierungsprozess steckt. Die Personenakten aller verzeichneten Sachverständigen
werden derzeit gescannt und sind dann künftig für die zugriffsberechtigten Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter per Knopfdruck verfügbar.

Weitere Infos
Das Sachverständigenverzeichnis der IHK Köln mit rund 250 Expertinnen und Experten finden Sie online.

Angaben zu mehr als 8.000 von Industrie- und Handelskammern, von Architekten-, Ingenieur- und Landwirtschaftskammern sowie von Landesregierungen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen enthält das bundesweite Verzeichnis.

Die Bestellungsvoraussetzungen für viele der rund 300 Sachgebiete sind ebenfalls im Internet abrufbar.



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