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PepperMINT bringt Mentoren und Mentees zusammen, um die Karriere von Frauen in MINT-Berufen zu fördern. Foto: Astrid Piethan
Porträt

Mit PepperMINT mehr Frauen in Führungspositionen

Eli Hamacher

An gutem Willen mangelt es meist nicht. Viele Chefs würden gern mehr Frauen einstellen und fördern. Ganz besonders gilt das auch für Jobs, die gute Kenntnisse in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik (MINT) erfordern. Das Programm PepperMINT unterstützt Unternehmen und weibliche Führungskräfte.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Bei INEOS, dem größten Chemieunternehmen in Köln, sind von den 2.200 Mitarbeitern insgesamt rund 15 Prozent Frauen. In der Produktion und Technik arbeiten jedoch gerade mal sieben Prozent. Und in Führungspositionen haben in diesem Bereich fast ausschließlich Männer das Sagen. Wie viele Unternehmen hat auch Patrick Giefers, Geschäftsführer der INEOS Manufacturing Deutschland GmbH, ein Problem: Für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – abgekürzt mit MINT - interessieren sich zwar auch immer mehr Frauen, aber noch lange nicht genug. Nur 32 Prozent der Studienanfänger waren 2016/17 laut Institut der Deutschen Wirtschaft weiblich. Mit Blick auf den Fachkräftemangel würde der INEOS-Chef gern auch mehr Frauen einstellen. Diese machen sich im MINT-Bereich allerdings rar.

Cross-Mentoring

Um MINT-Frauen den Aufstieg in Industrieunternehmen zu erleichtern, ist 2014 in Köln das Unternehmensnetzwerk PepperMINT an den Start gegangen (http://www.peppermint-koeln.de ). Das mit öffentlichen Mitteln geförderte und unter anderem von der IHK Köln unterstützte Netzwerk setzt auf ein Cross-Mentoring-Programm: Ein Mentor aus einem Unternehmen berät ein Jahr lang eine Mentee aus einem anderen Betrieb. Für die Industrie ist das eine Chance, ihr meist dünn gesätes weibliches Führungspotential zu stärken, für die Mentees eine Möglichkeit, sich Rat und Tipps „auf neutralem Boden“ zu holen. Neben regelmäßigen persönlichen Treffen von Mentor und Mentee, nehmen die Mentees zwölf Monate lang an diversen Seminaren und Netzwerkveranstaltungen teil, auch nach Ablauf der aktiven Förderphase. Die Mentoren arbeiten ehrenamtlich, für die Teilnahme einer Mentee an PepperMINT zahlen die Arbeitgeber einen festen Betrag.
Für Elisabeth Slapio, für Innovation und Umwelt zuständige Geschäftsführerin bei der IHK Köln, ist die Unterstützung der Initiative PepperMINT ein weiterer Meilenstein, um den Aufstieg von weiblichen Fach- und Führungskräften in Unternehmen zu fördern. „Denn gerade Industrieunternehmen können durch Frauen in Führungspositionen nur gewinnen, wie viele erfolgreiche Beispiele zeigen. Ich hoffe, dass diese Beispiele auf die Unternehmen der Region ausstrahlen. Wir wissen aus eigener Erfahrung: Frauen in Führungspositionen sind ein Erfolg.“

Empathietraining inklusive

Patrick Giefers von INEOS, der einerseits als Mentor mitmacht, aber auch Mentees seines Unternehmens die Teilnahme an PepperMINT ermöglicht, nutzt das Netzwerk für den Erfahrungsaustausch und sieht eine klare Win-Win-Situation. Einerseits habe er seine Mentee, die er alle zwei bis drei Monate jeweils bis zu zwei Stunden getroffen habe, bei der Vorbereitung des nächsten Karriereschritts unterstützt. Andererseits habe er auch von der von ihm betreuten Mitarbeiterin eines Kölner Startups profitiert. „Sie hat mir gute Kontakte in die Digitalszene vermittelt“, nennt Giefers als ein Beispiel. Außerdem habe er gelernt, wie kleine Unternehmen Konflikte, die es auch bei INEOS gebe, ganz anders angehen und lösen würden. Last but not least sei PepperMINT ein gutes Empathietraining. „Mein Blick für die Situation weiblicher Führungskräfte wurde geschärft.“

Schulungen für weibliche Führungskräfte

Auch im Unternehmen hat sich etwas geändert. Seit PepperMINT bietet INEOS spezifische Schulungen für weibliche Führungskräfte an. Außerdem halten die jeweiligen Abteilungsleiter engen Kontakt zu Frauen, die nach der Elternzeit zurückkehren wollen, um mit diesen frühzeitig Stundenzahl und Aufgaben festzulegen.
Sehr positiv hat auch Nicole Stöbe, die bei INEOS als Elektroingenieurin in der Instandhaltung arbeitet, die Teilnahme als Mentee empfunden. Wie bei Giefers präsentierte ihr Gegenüber, die Mentorin, Einblicke in einen ganz anderen Teil der Wirtschaftswelt. Astrid Schmitz, Geschäftsführerin des Kölner Fleischwarenherstellers GS Schmitz GmbH & Co. KG, hat die heute 25-Jährige ein Jahr lang begleitet. „Durch das Coaching habe ich in meiner persönlichen Entwicklung Fortschritte gemacht“, nennt Stöbe als einen Erfolg. Essentiell für den Erfolg sei jedoch auch, dass die Chemie zwischen beiden Seiten stimme. Bei den Gesprächen sei es zum Beispiel um persönliches Auftreten, die Planung ihrer Zukunft oder auch ganz akute Probleme am Arbeitsplatz gegangen. Auch die Teilnahme an den Seminaren zu Themen wie Präsentationstechniken habe sie vorangebracht. „Daneben habe ich vom stets konstruktiven Austausch mit den anderen Mentees viel mitgenommen“, unterstreicht Stöbe.


Netzwerk wächst

Nach vier Jahren PepperMINT zieht auch Karin Bäck eine positive Bilanz. Bislang hätten 30 Mentoren und Mentorinnen sowie 42 Mentees an dem Programm teilgenommen, berichtet die Initiatorin des Wissens- und Informationsportals für Karrierefrauen und Mentoren, Career-Women in Motion (www.career-women.org), die das Unternehmensnetzwerk organisatorisch betreut. Die „Alumnis“ blieben oftmals untereinander in Kontakt, sei es in ihrem Tandem oder in kollegialen Gruppen. Zweimal jährlich fänden zudem Kamingespräche mit prominenten Referenten aus Politik und Wirtschaft für die ehemaligen Teilnehmer von PepperMINT statt.


Patrick Giefers, Geschäftsführer der INEOS Manufacturing Deutschland GmbH, engagiert sich bei PepperMINT als Mentor; Nicole Stöbe, Elektroingenieurin, nimmt als Mentee teil.
Foto: Astrid Piethan

Wie Unternehmer bei PepperMint mitmachen

  • Das Programm richtet sich an Industrieunternehmen und –dienstleister und wird über IHKs und Wirtschaftsclubs im Rheinland angeboten. Eine Mindestgröße bei der Mitarbeiterzahl gibt es zwar nicht, aber das Unternehmen sollte nicht zu klein sein.
  • Ein Unternehmen kann Mentoren und/oder Mentees in das Programm schicken. Ein Mentor arbeitet ehrenamtlich. Für die einjährige Teilnahme einer Mentee zahlen Teilnehmer einen festen Betrag.
  • PepperMint beinhaltet ein Cross-Mentoring-Programm. Der Mentor coacht jeweils für die Dauer eines Jahres eine Mentee aus einem anderen Mitgliedsunternehmen.
  • In Führungs-Seminaren in Blöcken à zwei Tagen bieten zudem drei erfahrene TrainerInnen praktische Hilfen im Bereich Verhalten, Persönlichkeit, Präsentation und Grundlagen des Arbeitsrechts an.
  • Nach einer Kennenlernrunde des jeweiligen Jahrgangs mit Mentoren und Mentees stellen Experten die Tandems zusammen. Sollte die Chemie gar nicht stimmen, kann auch getauscht werden.
  • Ansprechpartnerin bei PepperMINT ist Karin Bäck.
    baeck@peppermint-koeln.de
    www.peppermint-koeln.de

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