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Illustration: Elena Rosa Gil
Blickpunkt

Mehr als die Summe aller Einzelteile

35 Partner aus Gebietskörperschaften und Wirtschaft haben mit der Gründung des Metropolregion Rheinland e.V. einen wichtigen Grundstein gelegt, den Wirtschaftsstandort entlang der Rheinschiene noch schlagkräftiger zu machen. Das kommt zur rechten Zeit, denn aus Sicht der Wirtschaft sind die Herausforderungen ebenso groß wie das Potenzial einer engeren Kooperation.

Text: Georg Watzlawek

Für ein historisches Ereignis war die Stimmung geschäftsmäßig: „Heute machen wir Geschichte – das Rheinland wird sichtbar“, sagte die Düsseldorfer Regierungspräsidentin Anne Lütkes bei der feierlichen Gründung des Metropolregion Rheinland e.V. am 20. Februar in der Düsseldorfer Turbinenhalle: „Jetzt müssen wir nur noch die Herausforderungen wuppen.“

Damit spiegelt Lütkes die nüchterne Stimmung der Wirtschaft wider: Sie begrüßt die Gründung der Metropolregion Rheinland (MRR) als wichtigen Schritt und erwartet rasch konkrete Ergebnisse. Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen die Themen Verkehr, Standortmarketing und Gewerbeflächen. Aber auch einiges mehr.

„Das größte Problem auf dem Weg zur Metropolregion waren überkommene Berührungsängste vor den Nachbarn. Der eigene Kirchturm erscheint einem eben vertrauter als der in der Nachbarstadt“, sagt Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie AG und Vizepräsident der IHK Köln. „Wenn es jetzt nicht gelingt, über unseren Schatten zu springen, dann bleibt die Metropolregion mit ihren Chancen eine Utopie.“ Er wünsche sich, dass die ganze Region eine Vision für das Rheinland entwickelt, die alle wichtigen Aspekte erfasst und klare Ziele steckt, in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Infrastruktur, Kultur, Soziales, Freizeit und Sport.

Wolfgang Birlin, Vorstand der Häfen und Güterverkehr Köln AG, hofft auf eine konzentrierte internationale Vermarktung und konkrete Projekte – wie zum Beispiel ein Jobticket über die Grenzen der Verkehrsverbünde hinweg. Die Metropolregion könne Infrastrukturprojekte besser koordinieren, vom Baustellen­management bis hin zu Abstimmungen bei Flächennutzungsplänen. Und natürlich sieht der Logistikmanager große Chancen auf dem Rhein selbst: als Alternative zu den überfüllten Straßen.

Für Dr. Werner Görg, Präsident der IHK Köln, ist klar, dass sich die Herausforderungen für die Wirtschaft im Rheinland nicht ohne eine intensive Zusam­menarbeit bewältigen lassen: „Besonders die Verkehrsinfrastruktur und das Standortmarketing können nur mit gemeinsamen Kräften erfolgreich gestemmt werden.“ (siehe Interview unten)

Illustration: Elena Rosa Gil

Tatsächlich bringt die neue Metropolregion mit 8,5 Millionen Bewohnern viel Gewicht auf die Waage; sie umfasst neben Köln und Düsseldorf alle Städte von Bonn bis Wesel, alle Landkreise in NRW links und rechts des Rheins und die Städteregion Aachen. Vertreten sind zudem sieben Industrie- und Handelskammern, drei Handwerkskammern sowie der Landschaftsverband Rheinland.

Und das Rheinland wächst, sowohl bei der Bevölkerungszahl als auch wirtschaftlich. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 331 Milliarden Euro ist das Rheinland schon jetzt für mehr als die Hälfte der Wirtschaftskraft Nordrhein-Westfalens verantwortlich. Es beherbergt mehr Hochschulen und Forschungseinrichtungen als jede andere deutsche Region. Die Kaufkraft ist überdurchschnittlich, die Dichte an internationalen Unternehmen und mittelständischen Weltmarktführern ebenso.

Das Rheinland hat die Chance, gerade jetzt ein Europa im Kleinen zu entwickeln.

„Wir bieten nicht nur Masse, sondern Klasse und Vielfalt“, betont Andreas Schmitz, Präsident der IHK Düsseldorf, bei der Gründungsversammlung. Zum ersten Mal seit dem Untergang der preußischen Rheinprovinz werde das Rheinland wieder geeint – „in der festen Übereinkunft zwischen allen Städten und Kreisen, gemeinsam und auf Augenhöhe voranzugehen“. Das Rheinland habe die Chance, „gerade jetzt ein Europa im Kleinen zu entwickeln“, dürfe sich aber nicht wie Brüssel in der Gremienarbeit verzetteln.

Illustration: Elena Rosa Gil

Seit 2008 versuchen die Industrie- und Handelskammern, die Stärken des Standorts Rheinland unter einem Dach zusammenzubringen. Weil sie davon überzeugt sind, dass eine vernetzte Metropolregion Rheinland das Potenzial zu einem Spitzenreiter im globalen Wettbewerb um Menschen, Ideen und Investitionen hat. Die IHKs selbst haben sich in der Region schon 2009 zur IHK-Initiative Rheinland zusammengeschlossen. Zwei Jahre später organisierte die Initiative einen „Metropolenkongress Rheinland“ unter dem optimistischen Motto „Einzeln stark, gemeinsam unschlagbar“.

Es hat ein wenig Zeit gebraucht, auch die Städte und Kreise von der Idee zu überzeugen und an Bord zu holen. Doch vor drei Jahren haben die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken und ihre Kollegin Anne Lütkes in Düsseldorf Verantwortung für das Projekt übernommen und es maßgeblich vorangetrieben.

Auch nach Einschätzung der beiden Regierungspräsidentinnen hatte sich das Rheinland, obwohl es deutlich größer ist als etwa die Metropolregionen Berlin-Brandenburg, München, Frankfurt Rhein/Main oder Stuttgart, bislang in Berlin und Brüssel „unter Wert“ verkauft. „Das ändert sich mit der gemeinsamen Metropolregion Rheinland“, sagt Walsken.

Im Gegensatz zur benachbarten Metropolregion Ruhr ist die Metropolregion Rheinland (MRR) keine Gebietskörperschaft, sondern ein eingetragener Verein. Der hat mit der Verankerung im neuen Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen eine starke Basis. Die Geschäftsstelle wird in Köln angesiedelt, beim Landschaftsverband Rheinland.

Städte und Landkreise können die Potenziale nur gemeinsam heben.

Thomas Geisel, Oberbürgermeister Düsseldorf und Vorstandsvorsitzender Metropolregion Rheinland e.V.

Die Herausforderungen sind für alle Beteiligten klar, bei den Problemen der Verkehrsinfrastruktur für jeden offensichtlich. Daher legt die Metropolregion einen fliegenden Start hin: Schon bei der Gründungsversammlung präsen­tierten fünf Arbeitskreise erste Ergebnisse und konkrete Vorhaben. Und de­monstrierten Einigkeit.

Alle Funktionen in den Gremien wurden ohne Ausnahme einstimmig besetzt. Den Vorstandsvorsitz hat Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel übernommen. Köln und Düsseldorf, sagt Geisel, hätten zwar eine wichtige Rolle, aber keine dominierende: „Städte und Landkreise können die Potenziale nur gemeinsam heben und die PS-Kraft in Berlin und Brüssel nur gemeinsam optimal auf die Straße bringen“, betont der Düsseldorfer OB. Die Kölner Regierungspräsidentin Walsken ergänzt: „Im Verein begegnen sich alle Mitglieder auf Augenhöhe. Daher werden auch alle Mitglieder von der verbes­serten Wahrnehmung profitieren.“

Wobei klar ist, dass die Städte ihre Eigenheiten bewahren sollen und in Teilbereichen miteinander im Wettbewerb stehen. „Gemeinsam sind wir als Metropolregion Rheinland unschlagbar, ohne die Stärken der einzelnen Räume zu vernachlässigen“, bringt es Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln und Vorstandsmitglied der MRR, auf den Punkt.

Als starke Region nach außen geschlossen auftreten und sich positiv vermarkten.

Theodor Greif, Vorsitzender des Immobilienausschusses der IHK Köln

Für den Außenauftritt wurde bereits ein Schriftzug entworfen, unter dem die Metropolregion Rheinland ab sofort bei Standortmessen wie der ExpoReal mit geballter Kraft auftreten kann; ein Anliegen, das vielen Beteiligten mit Blick auf den internationalen Wettbewerb besonders am Herzen liegt: „Diese starke Region sollte nach außen geschlossen auftreten, sich konsequent positiv vermarkten, dabei im Inneren einen gesunden Wettbewerb pflegen und damit das Erfolgsmodell der Zukunft leben“, sagt Theodor Greif, Geschäftsführender Gesellschafter der Greif & Contzen Immobilien GmbH und Vorsitzender des Immobilienausschusses der IHK Köln. Ein gemeinsamer Auftritt auf den großen, internationalen Leitmessen wäre da ein guter Anfang.

Inhaltlich will sich die Metropolregion vier großen Herausforderungen (Verkehr/Infrastruktur, Bildung/Forschung, Standortmarketing, Tourismus/Kultur) stellen; zu den einzelnen Bereichen gibt es bereits Arbeitskreise; erste Projekte und Vorarbeiten werden schon angegangen. 

Ein Thema, das den Städten und Kreisen ebenso wichtig ist wie der Wirtschaft, ist in diesem Themenraster nicht abgebildet, wurde aber bei der Gründungsversammlung mehrfach angesprochen: eine interkommunale Abstimmung der Gebietskörperschaften bei der Bereitstellung von Flächen für Gewerbe, Industrie und Wohnungsbau.

Illustration: Elena Rosa Gil

Verkehr und Flächen – die beiden wichtigsten Themen aus Sicht der Wirtschaft

Alexander Wüerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln und Vizepräsident der IHK Köln, verweist darauf, dass die knapper werdenden Flächen zwangsläufig Nutzenkonflikte mit sich bringen. Die Nachfrage nach privatem Wohnraum und Flächen für die Wirtschaft stiegen parallel sei es aber auch wichtig, die Lebensqualität in den Städten durch ein enges Grünflächennetz zu erhalten. Hier könne sich die Metropolregion dafür engagieren, „dass sich Ober­zentren und ländliche Regionen optimaler ergänzen als in der Vergangenheit“.

In der Tat planen die Städte Grevenbroich und Rommerskirchen sowie Bergisch Gladbach und Kürten seit fast zehn Jahren, gemeinsame Gewerbegebiete auszuweisen, unter Dach und Fach sind beide Projekte noch nicht.

Nach Einschätzung von Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln und Leiter des Geschäftsbereichs Standortpolitik, ist die Flächenthematik neben dem Verkehr das wichtigste Thema für die Wirtschaft: „Ein von der Metropolregion Rheinland initiiertes interkommunales Gewerbegebiet wäre ein toller Erfolg.“

Aber auch bei den vier gesetzten Themen gibt es für die Metropolregion Rheinland große Aufgaben.

1. Verkehr und Infrastruktur:

Bei der Beurteilung des Zustands der Verkehrsinfrastruktur gibt es keinen Dissens; neben den Rheinbrücken muss die gesamte A1 saniert werden.  Angesichts eines stetig wachsenden Verkehrsaufkommens muss aber viel mehr getan werden – bei der Güterverkehrsleistung rechnet die IHK-Initiative Rheinland bis 2030 mit einem Plus von 40 Prozent, auf der Straße sogar mit 45 Prozent. 

Die Metropolregion hat sich daher vorgenommen, den Verkehr in der Region auf zukunftsfähige nachhaltige Konzepte auszurichten, damit „das Wachstum der Region nicht im Verkehrsstau stecken bleibt“, heißt es im Arbeitsprogramm. Das gelte gleichermaßen für Schiene und Straße, aber auch für Radverkehrswege, Wasserstraßen und Häfen. Aus Sicht der Wirtschaft müssen sich hierfür die unterschiedlichen Verkehrsträger zusammenschließen, die Investitionsvorhaben müssen miteinander abgestimmt werden. Und natürlich dürfe die digitale Infrastruktur nicht vergessen werden.

Große Chancen gebe es bei der Vermarktung des Rheins als Wirtschaftsfaktor für Transport und Logistik, sagt Wolfgang Birlin von der Häfen und Güterverkehr Köln AG: „Allein der Name der Metropolregion legt nahe, dieses Thema nach vorne zu stellen.“

Einen ersten Erfolg hat die Metropolregion Rheinland hier schon vor ihrer Gründung erzielt: Bei der Aufstellung des neues Bundesverkehrswegeplans ist das Rheinland zum ersten Mal geschlossen aufgetreten und hat einige Projekte durchsetzen können. Dies gebe einen Vorgeschmack auf das, was die gemeinsame Lobbyarbeit im Bund ausrichten könne, hieß es bei der Gründungsversammlung.

Auf dem Aufgabenzettel ganz oben stehen ein gemeinsames Baustellenma­nagement sowie ein Routennetz und ein Navigationsleitsystem für Lastwagen, das die gesamte Region umfasst und Belastungsspitzen ausgleichen soll.

Konkret wird es auch beim ÖPNV: Hier sollen die großen Nahverkehrsverbünde ihre Tarifstrukturen anpassen und verbundübergreifende (Job-)Tickets ausgeben. Ein Ziel, das nahezu jeder Akteur nennt, das aber offenbar nicht so leicht umzusetzen ist.

2. Bildung und Forschung (und Fachkräfte):

Das Rheinland besitzt 64 Hochschulstandorte und mehr als 30 Forschungseinrichtungen, diese sollen noch viel stärker vernetzt werden. Unter anderem sind eine gemeinsame Datenbasis für die kommunale Bildungsplanung, mehr Zusammenarbeit in der Hochschulplanung, eine Plattform für Forschungs­einrichtungen und Unternehmen und Aktivitäten für die bundes- und europaweite Anwerbung qualifizierter Fachkräfte, Studierender und Wissenschaftler geplant.

Illustration: Elena Rosa Gil

3. Standortmarketing:

Die Vermarktung der Region Rheinland als attraktiver Wirtschaftsstandort auf Bundesebene, in Europa und in der Welt spielt eine zentrale Rolle. Dabei gilt eine strahlende Marke „Rheinland“ als Instrument für viele Ziele, von der Unternehmensansiedlung über die Einwerbung von Fördergeldern und die Tourismuswerbung bis hin zur Darstellung des Rheinlands als lebenswerter Anziehungspunkt für qualifizierte Arbeitskräfte. 

Köln und Düsseldorf sind zwar aus deutscher Perspektive Metropolen, werden zum Beispiel aus der Sicht asiatischer Investoren aber nicht als solche wahrgenommen. In Zukunft sollen die Wirtschaftsförderer aus Städten und Kreisen unter einer Marke antreten.

„Wir denken nicht international genug. International denken heißt, eine Präsentation nach außen zu schaffen, mit der wir weltweit selbstbewusst auftreten können. Das heißt aber auch, Menschen aus aller Welt willkommen zu heißen, das heißt, Mehrsprachigkeit zu pflegen, das heißt auch, an vermeintlich banale Dinge wie genügend Plätze in internationalen Schulen zu denken – die wir brauchen werden, wenn internationale Spitzenkräfte mit ihren Familien ins Rheinland kommen sollen“, mahnt Theodor Greif. Die To-do-Liste „Defizite und wie wir sie in den nächsten zwei Jahren beheben“ müsse jetzt schnell geschrieben und von der Metropolregion abgetragen werden.

4. Kultur und Tourismus:

Der Wirtschaftsfaktor Kultur und Tourismus soll gestärkt werden. Gleichzeitig soll aber auch die Lebensqualität der Rheinländer erhöht und das Zusammengehörigkeitsgefühl ausgebaut werden. Auch hier gibt es bereits ein erstes konkretes Ergebnis: Der Rheinische Kultursommer beschränkt sich nicht mehr auf Bonn und Köln, sondern weitet sich in Richtung Norden aus.

„Ab heute ist klar, dass sich die Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf nur noch auf die Bereiche Karneval, Eishockey und Bier richtet“, sagte Thomas Geisel, Düsseldorfs OB und frisch gewählter Vorstandsvorsitzender der Metropolregion Rheinland zum Schluss bei der Gründungsversammlung. In der Vergangenheit sei die Stadt an der Düssel zu oft „ein weißer Fleck auf der Landkarte der regionalen Zusammenarbeit“ gewesen, doch jetzt gelte die Devise: „Gemeinsam sind wir mehr als die Summe aller Teile.“

Illustration: Elena Rosa Gil

Interview mit Dr. Werner Görg, Präsident der IHK Köln:

„Vorteile effektiv vermarkten“

Erfolge beim Standortmarketing sollten nach einem Jahr sichtbar werden

? Die Metropolregion Rheinland ist jetzt Realität. Wie wichtig ist das für das Rheinland und insbesondere für die Unternehmen im Rheinland?

! Die bestehenden und absehbaren Herausforderungen für die Wirtschaft im Rheinland lassen sich ohne intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten nicht bewältigen. Besonders die Verkehrsinfrastruktur und das Standortmarketing können nur mit gemeinsamen Kräften erfolgreich gestemmt werden. Im internationalen Wettbewerb der Standorte kann das Rheinland als starke Marke punkten und als herausragender Standort in der Mitte Europas seine vielen Vorteile effektiv vermarkten.

? Kreise und Städte standen bislang im Wettbewerb, nicht nur Köln und Düsseldorf. Nun kooperieren sie in einem Verein. Ist das
notwendigerweise besser? Wo liegen die Vorteile?

! Selbstverständlich sollen die rheinischen Kreise und Städte auch weiterhin ihre eigenen Stärken herausstellen. Bei der Zusammenarbeit geht es vornehmlich um die Themen, die innerhalb kommunaler Grenzen nicht lösbar sind. Hierbei denke ich an Wohnraum ebenso wie an Gewerbeflächen oder die schon erwähnte Infrastruktur.

? Wo liegen die größten Potenziale und Chancen des Rheinlands?

! Das Rheinland ist ein starker Wirtschaftsstandort. Nur mit einer inten­siveren Zusammenarbeit kann dieser Status gehalten und weiterentwickelt werden. Die Städte und Regionen im Rheinland werden weiter wachsen, für die Menschen brauchen wir Arbeitsplätze, die wir durch den Zuzug von neuen Unternehmen schaffen können. Und Unternehmen siedeln sich dort an, wo erstens die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen stimmen, aber zweitens auch genügend Fachkräfte und ein attraktives Umfeld vorhanden sind. Dies haben wir im Rheinland durch die herausragende Wissenschaftslandschaft und durch die kreativen und lebendigen Städte in sehr attraktivem Maße. Dazu ist die Kaufkraft im Rheinland immens hoch, wir liegen mitten im Herzen Europas und haben mit tradierten mittelständischen Familienunternehmen, internationalen Unternehmen und immer mehr Start-Ups ein gleichzeitig pulsierendes und stabiles wirtschaftliches Umfeld.

? Was sind die größten Defizite des Rheinlands – und was kann die MRR daran ändern?

! Die größte Herausforderung sehe ich im Zustand der Verkehrsinfrastruktur und in den fehlenden Gewerbeflächen. Hier kommen wir nur durch kommunale Zusammenarbeit weiter. Warum sollten Wirtschaftsförderungen beispielsweise nicht Anfragen auch in benachbarte Kommunen weiterleiten, wenn es im eigenen Beritt keine passenden Angebote gibt? Besser ist es doch, das Unternehmen bleibt in der Region, im Rheinland, als dass es ganz abwandert.

? Kann es neben Gewinnern auch Verlierer dieses Prozesses geben – in bestimmten Branchen oder Regionen?

! Aus meiner Sicht: ein klares Nein!

? Was würden Sie persönlich sich als erstes konkretes Ergebnis der Zusammenarbeit wünschen?

! Ich wünsche mir, dass das Arbeitsprogramm für 2017 und 2018 möglichst schnell aufgelegt wird und arbeitsfähige, effiziente Strukturen geschaffen werden. Erste Erfolge beim Standortmarketing sollten schon nach einem Jahr sichtbar werden.

? Wie kann sichergestellt werden, dass aus Absichtserklärungen und Arbeitskreisen konkrete Ergebnisse werden?

! Ich bin sicher, dass die Mitglieder der neuen Metropolregion mit großem Engagement daran arbeiten werden, gemeinsam die Position des Rheinlands zu stärken. Dazu wird ein gemeinsamer Vorstand konkrete Beschlüsse fassen!

Gründungsmitglieder der Metropolregion Rheinland

Kreisfreie Städte: Aachen, Bonn, Düsseldorf, Duisburg, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Remscheid, Solingen, Wuppertal

Kreise: Kreis Düren, Kreis Euskirchen, Kreis Heinsberg, Kreis Kleve, Kreis Mettmann, Kreis Viersen, Kreis Wesel, Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Kreis Neuss, Rhein-Sieg-Kreis

StädteRegion Aachen

Landschaftsverband Rheinland

Handwerkskammern Aachen, Düsseldorf, Köln

Industrie- und Handelskammern: Aachen, Bonn/Rhein-Sieg,Düsseldorf, Duisburg-Wesel-Kleve, Köln, Mittlerer Niederrhein,Wuppertal-Solingen-Remscheid

Gremien der Metropolregion

Die Mitgliederversammlung bestimmt einen Vorstand und einen geschäftsführenden Vorstand. Außerdem bestimmt sie die Zusammensetzung eines Kuratoriums, in dem gesellschaftliche Gruppen (Gewerkschaften, Umweltverbände) und Bildungseinrichtungen vertreten sind. Zudem gibt es einen Beirat, der den Vorstand unterstützt; hier sitzen Vertreter des Regionalmanagements (u.a. Köln/Bonn e.V.), der Regionalräte, der Landschaftsversammlung, der Bezirksregierungen und der Nahverkehrsverbünde.

Die Bezirksregierungen sind nicht Vereinsmitglied, die Regierungspräsidentinnen sind jedoch ebenso wie die Vorsitzenden der Regionalräte und der Landschaftsversammlung Gäste ohne Stimmrecht im Vorstand.

Der geschäftsführende Vorstand
Vorsitzender: Thomas Geisel, OB Düsseldorf
Vertreter: Thomas Hendele, Landrat Kreis Mettmann; Henriette Reker, OB Köln; Sebastian Schuster, Landrat Rhein-Sieg-Kreis; Jürgen Steinmetz, IHK Mittlerer Niederrhein; Ulf Reichardt, IHK Köln

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