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Bei einer Veranstaltung für ausländische Konsulate haben KAUSA und KoBAM ihre Angebote vorgestellt. Foto: Aliki Monika Panousi
Leben

Mehr Ausbildungsplätze schaffen

Neue KAUSA-Servicestelle berät migrantengeführte Firmen.

Text: Werner Grosch

Die Zahlen sind eindrucksvoll: Schon jedes fünfte Unternehmen in Deutschland wird heute von
Menschen mit Migrationsgeschichte geführt. Nach Angaben des NRW-Wirtschaftsministeriums
stieg die Zahl der Gründerinnen und Gründer mit einer entsprechenden Biografie zwischen 2005 und 2017 deutschlandweit um etwa 200.000 auf 768.000. Noch eindrucksvoller sind die Hintergründe, die mit gängigen Klischees aufräumen. Denn nach einer Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) beschränken sich diese Unternehmen keineswegs auf ethnische Nischen von der Dönerbude bis zum Asiashop, sondern „sind überdurchschnittlich häufig in wissensintensiven Bereichen sowie in freien Berufen tätig, innovationsstark und in ihrer Geschäftstätigkeit international ausgerichtet“.

Laut IfM sind diese Unternehmen häufig allerdings eher klein und haben wenig Kontakt zu Verbänden, Netzwerken und Institutionen wie den Industrie- und Handelskammern. Entsprechend
wenig wissen viele Migranten, die ein kleines Unternehmen führen, über das duale Ausbildungssystem. Sie scheuen nicht selten das Angebot von Ausbildungsplätzen, weil sie hohe Hürden und Kosten befürchten. Genau hier setzt die KAUSA-Servicestelle an. Sie geht gezielt auf entsprechende Unternehmen zu, um über die Möglichkeiten der Ausbildung zu informieren und Barrieren abzubauen.

Das Konzept beinhaltet einerseits die Beratung für Unternehmen sowohl aus dem IHK-Bereich als auch aus dem Handwerk, andererseits auch ein Angebot für junge Menschen mit Migrationshintergrund, die eine Ausbildung suchen. Die Beratungsstelle für Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung wird in Köln von der Gesellschaft für berufliche Förderung in der Wirtschaft e.V. (GBFW) getragen, die wiederum in Trägerschaft der IHK Köln ist. Die beiden Ausbildungsexperten Anne Heinevetter und Andre Abels stehen hier mit Rat und Tat zur Seite. Sie informieren über die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine Ausbildung, schauen sich die Bedingungen vor Ort an und helfen, wo es nötig ist.

Wichtig ist beiden vor allem, Schwellenangst zu nehmen. „Ratsuchende können uns einfach anrufen, der Zugang ist leicht und unsere Gespräche sind völlig unverbindlich. Niemand, der zu uns kommt, geht eine Verpflichtung zur Ausbildung ein oder wird in irgendeiner Weise dazu gedrängt“, sagt Abels. Typische Fragen drehen sich zum Beispiel um die Ausbildereignungsprüfung
und die Kosten dafür. Auch ist häufig in den Beratungen ein Thema, wie man eigentlich einen Azubi findet. „Wir arbeiten deshalb auch intensiv mit den Ausbildungsstellenvermittlerinnen
und -vermittlern bei uns in der IHK zusammen“, erklärt Abels.

Neues Angebot bekannt machen

Derzeit geht es vor allem noch darum, das neue Angebot bei den Adressaten bekannt zu machen. Dazu nutzen die Berater unter anderem ihre Kontakte zu Interessengemeinschaften von Händlern oder anderen Netzwerken. Die Resonanz darauf war bisher sehr positiv. Die Experten gehen aber auch direkt auf Unternehmen zu, von denen viele noch nie die Services der IHK in Anspruch genommen haben. Ein Anliegen der Beratungsstelle ist deshalb, zu vermitteln, wie breit dieses Angebot ist.

Wichtig ist auch die Information über Multiplikatoren wie die Konsulate, bei denen Migranten häufig in Unternehmensfragen Rat suchen. Im Mai hat die Kölner Servicestelle deshalb eine Veranstaltung für die Konsulate von Polen, Russland, Kroatien und der Türkei durchgeführt, um die Möglichkeiten durch KAUSA zu erläutern. Das Info-Angebot fand in Kooperation mit dem
„Kompetenzzentrum Bildung und Arbeit für Migrantinnen und Migranten in Köln (KoBAM)“ statt, eine Initiative des Kommunalen Bündnisses für Arbeit Köln. Solche und ähnliche Initiativen, die sich um die Integration von Migranten in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kümmern, gab es natürlich auch zuvor schon. Ein wichtiger Vorteil der KAUSA-Servicestelle ist, dass die Ratsuchenden zum Thema Ausbildung hier feste Ansprechpartner haben, die zu allen wichtigen
Fragen Auskunft geben können.

Für alle Anfragen zu KAUSA stehen die Berater zur Verfügung: Anne Heinevetter, Tel. 0221 1640-6771, gbfw.heinevetter@koeln.ihk.de und Andre Abels Tel. 0221 1640-677 gbfw.abels@koeln.ihk.de

Weitere Informationen finden Sie auf www.ihk-koeln.de/204840


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