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Mangelware Parkplatz

An den Autobahnen in der Region fehlen 700 Lkw-Stellplätze. Eine IHK-Studie beleuchtet Probleme und zeigt Lösungen auf.

Text: Jörn Wenge

Notdürftig am Heck mit Warnwesten markierte Laster in der Ausfahrt; Dutzende Lkw, die in
zweiter Reihe oder auf Pkw- und Bus-Parkplätzen stehen; Fahrer, die verzweifelt rangieren, um ihre 30-Tonner in kleine Lücken zu quetschen. Wer mit dem Auto abends eine Autobahnraststätte
ansteuert, der sieht: Parkraum ist ein rares Gut an deutschen Autobahnen.

Für Speditionsunternehmen ist die Situation aber mehr als ein bloßes Ärgernis bei der Parkplatzsuche. Sie verlieren wegen der fehlenden Kapazitäten Zeit und Geld, ihre Fahrer die Nerven. Mittelbar betroffen sind auch die Kunden der Transportunternehmen. Die IHK Köln hat deshalb die Lage auf den Rastanlagen in unserer Region durch ein Team des Lehrstuhls für Transportsysteme und Logistik der Universität Duisburg-Essen untersuchen lassen. Im Herbst sind die Ergebnisse in der Studie „Lkw-Parkraumanalyse Köln“ veröffentlicht worden. Sie bestätigen den Eindruck, dass die Situation auf den Rastanlagen in den Abend- und Nachtstunden sehr schwierig, wenn nicht geradezu katastrophal ist.

Teils vierfach überbelegte Rastplätze

Teilweise waren die Raststätten und -plätze fast vierfach überbelegt. Auf fast allen Anlagen standen die Lkw zeitweise bis in die Auf- und Abfahrten hinein – sie werden so zu einem erheblichen Verkehrsrisiko. Betroffen sind alle Regionen im Bezirk der IHK Köln. Etwa die Raststätte Aggertal Süd an der A4 bei Overath im Rheinisch-Bergischen Kreis: Sie war
durchschnittlich zu 364 Prozent ausgelastet. Das heißt, dass auf der Rastanlage weit mehr als
dreimal so viele Lkw standen, wie eigentlich Parkplätze für sie vorgesehen sind. Ähnlich stark überlastet sind auch die Anlagen Frechen Nord, Schloss Röttgen West sowie Bedburger Land West und Ost. Ins gesamt fehlen im IHK-Bezirk knapp 700 Lkw-Stellplätze. Nur auf sechs der 33 untersuchten Rastanlagen waren im Mittel Lkw-Stellplätze frei.

„Die Studie zeigt deutlich, dass die vorhandenen Kapazitäten in der Region nicht ausreichend sind“, sagt Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. „Wir brauchen mehr Stellplätze und darüber hinaus auch eine intelligente Nutzung der vorhandenen Flächen.“ Besonders problematisch ist, dass die derzeit geplanten neuen Stellplätze knapp der Zahl derer entsprechen, die jetzt schon fehlen. Dabei ist laut Bundesverkehrswegeplan anzunehmen, dass der Schwerlastverkehr in der Region weiter zunehmen wird. Hinzu kommt die mögliche Rückverlagerung von derzeitigen Ausweichverkehren nach Eröffnung der neuen Leverkusener
Brücke. Mehr Transporte mit der Eisenbahn wären eine Entlastung. Sie sind aber erst mittel- bis langfristig realistisch, weil das Schienennetz vielerorts ebenfalls überlastet und der Ausbau
langwierig ist.

„Angesichts dieser Zahlen und Aussichten ist jeder zusätzliche Lkw-Stellplatz wichtig“, sagt Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln und Leiter des
Geschäftsbereichs Standortpolitik. „Die Studie hat aber auch gezeigt, dass es damit nicht getan ist. Die Ausbaupläne decken gerade einmal den heutigen Bedarf. Angesichts des prognostizierten
Wachstums müssen die Planungen aktualisiert werden. Und es braucht weitere, innovative Maßnahmen, damit die vorhandenen Kapazitäten jetzt und in Zukunft besser genutzt werden können.“

Nach der Veröff entlichung der Studie hat die Vollversammlung der IHK Köln in einer Resolution entsprechende Forderungen aufgestellt. Darüber hinaus hat sie auch die Unternehmen dazu
aufgerufen, etwaige eigene Möglichkeiten auf dem Betriebsgelände zu nutzen, um selbst aktiv zu werden und so die Situation auf den Autobahnen zu entspannen.

Helfen könnten dabei auch neue technische Möglichkeiten. Zum Beispiel telematisch gestützte Parkleitsysteme: Dabei können Lkw-Fahrer in Echtzeit abrufen, wo freie Stellplätze zur
Verfügung stehen. Solch ein System wird derzeit etwa an der A9 zwischen Nürnberg und München getestet. In die entsprechenden Datenbanken könnten auch Stellplätze bei Verladern und Speditionen einbezogen werden.

Gute Erfahrungen mit Parkraum-Management

Eine effizientere Nutzung der Stellplätze auf den Rastanlagen durch die Lkw ermöglichen derweil Parkraummanagementsysteme. Die Kapazität der Rastanlage Montabaur etwa konnte mithilfe eines solchen Systems, bei dem Lkw koordiniert und besonders kompakt abgestellt werden, deutlich erweitert werden. Diese Systeme, fordert die IHK, sollten auch in unserer Region zum Einsatz kommen.

Parkleitsysteme kämen auch den Speditionsunternehmen entgegen. Im Rahmen der Studie wurde auch eine Online-Befragung durchgeführt, an der sich 39 Speditionsunternehmen aus dem Großraum Köln beteiligt haben. Neun von zehn Befragten bewerteten das Parkplatzangebot für Lkw als schlecht oder sehr schlecht. Alle Befragten kritisierten, dass ihnen Informationen
zur Verfügbarkeit von Lkw-Stellplätzen fehlten. Viele Spediteure beklagten zudem Kostensteigerungen und einen Verlust der Laufleistung durch die Suche nach Parkplätzen.
Sicherheit und Ausstattung der Rastanlagen schätzten sie überwiegend negativ ein.

Ausschuss und Arbeitskreis
Innerhalb des Ehrenamts der IHK Köln werden Verkehrsfragen vor allem im Verkehrsausschuss und im Arbeitskreis Verkehr und Logistik diskutiert. Der Verkehrsausschuss tagt mindestens dreimal im Jahr. Einmal im Quartal treffen
sich die Mitglieder des AK Verkehr und Logistik. 


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