Stichwortsuche

Die ehemaligen Flächen der Deutz AG in Köln-Mülheim werden neu entwickelt- Logistikflächen dürfen dabei nicht vergessen werden. Foto: Michael Claushallmann
Service

Logistik, die ankommt

Logistische Themen von gesellschaftlicher Relevanz – darum geht es in der Veranstaltungsreihe „VISION.LOGISTIK“. Am 22. November heißt es: „Smart City. Urbanität mit Zukunft“.

Text: Lothar Schmitz

Pkw werden zum nächsten freien Parkplatz geleitet – ganz ohne Suchverkehr. E-Scooter drosseln automatisch ihre Geschwindigkeit, sobald sie in eine Fußgängerzone rollen. Ampeln werden flexibel nach Verkehrsaufkommen geschaltet. Und Pakete werden auf der letzten Meile so intelligent verteilt, dass kein Kurierfahrzeug mehr in der zweiten Reihe steht. Dies sind nur einige Beispiele, die seit ein paar Jahren unter dem Modewort „Smart City“ diskutiert werden.

Die Stadt der Zukunft ist verkehrs- und emissionsärmer als heute, leiser, lebenswerter. Ressourcen werden effizient eingesetzt, alle profitieren. Ohne Logistik funktioniert die Stadt von morgen allerdings ebenso wenig wie die Stadt von heute. Geht es nach Experten wie Prof. Dr. Michael Lorth von der Technischen Hochschule (TH) Köln oder Dr. Michael Denkel von AS+P Albert Speer + Partner in Frankfurt/Main, funktioniert die Stadt von morgen logistisch aber viel besser.

Die „letzte Meile“

Der Kölner Logistiker und der Frankfurter Stadtplaner interessierensich vor allem für die so genannte letzte Meile, die immer mehr Städten Probleme macht. Denn der Online-Handel boomt.
Mit ihm die Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP). Lorth verweist auf eine aktuelle Erhebung: Die Anzahl der Sendungen hat sich in Deutschland von zirka 1,7 Milliarden im Jahr 2000 auf
3,5 Milliarden im Jahr 2018 verdoppelt. 62 Prozent davon sind Lieferungen an Endverbraucher; das sind rund 27 Sendungen pro Kopf und Jahr. Bis 2023 könnte die Anzahl der Sendungen auf
fast 4,5 Milliarden steigen. „Das bereitet schon jetzt erhebliche Schwierigkeiten“, betont
Lorth, „denn die Verkehrsprobleme und Emissionen nehmen auch durch die Vielzahl der Lieferanten, die auf der letzten Meile unterwegs sind, deutlich zu.“ Es bedürfe dringend neuer Konzepte, sagt Denkel. „Wir müssen die Städte regelrecht re-organisieren und ihre Funktionen optimieren“, ist der Stadtplaner, der vor einigen Jahren auch am Masterplan für die Stadt Köln mitgewirkt hat, überzeugt.

Lieferfahrzeuge, die in zweiter Reihe parken, sollen in der "Smart City" der Vergangenheit angehören.
Foto: Michael Claushallmann

„Ohne Logistik kann eine Stadt nicht funktionieren, doch vielfach kommt sie in der Stadtplanung zu kurz“, beklagt Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln
und verantwortlich für Standortpolitik. Regelmäßig würden beispielsweise Wohngebiete geplant, auch solche mit Gewerbe und Gastronomie, aber man denke nicht an entsprechende Logistikflächen. „Mit der Fehlplanung von heute werden die Verkehrsprobleme von morgen geschaffen“, stellt er klar. Deshalb drängt die IHK bei großen Planungsvorhaben – aktuell beispielsweise bei der Entwicklung der ehemaligen Flächen der Deutz AG in Köln-Mülheim – darauf, logistische Aspekte frühzeitig einzubeziehen.

Erst im Juni kritisierte die IHK zudem die Ausbaupläne der Expressbus-Linie Aachener Straße in Köln. Für völlig unzureichend hält sie die Äußerungen aus der Verwaltung, die Unternehmen
an der Aachener Straße sollten sich bei der Belieferung nach den Buszeiten richten. „Alle Unternehmen vor Ort müssen weiterhin die Möglichkeit der geordneten Belieferung haben“, so Soénius, dazu müssten zeitgleich Anlieferzonen eingerichtet werden.

Austausch über die Stadt der Zukunft

Solchen und vielen anderen Aspekten an der Schnittstelle von Stadt und Logistik widmet die TH Köln im November in der IHK Köln die jüngste Veranstaltung der Reihe „VISION.LOGISTIK.“, bei der Dr. Michael Denkel einer der Referenten sein wird. Ins Leben gerufen hat die Reihe Logistikprofessor Lorth zusammen mit Werner Geilenkirchen von HERZIG Marketing und in Kooperation mit der IHK Köln. „Wir rücken stets ein aktuelles Thema in den Mittelpunkt, das die weitere Entwicklung der Logistik und des Supply-Chain-Managements beeinflussen könnte und
darüber hinaus auch allgemein wirtschaftlich und gesellschaftlich von Interesse ist“, erläutert Lorth. Eingeladen sind nicht nur Akteure aus der Logistikbranche, sondern alle, die an einem
breiten, interdisziplinären und auch kontroversen Austausch über die Stadt der Zukunft interessiert sind.

Stadt der Zukunft
Wie sehen Leben und Arbeiten in einem modernen urbanen Umfeld aus? Welche logistischen Aufgaben müssen bewältigt werden, welche Konzepte sind erforderlich, welche Lösungsansätze existieren? Darum geht es am 22. November ab 9:30 Uhr in der IHK Köln bei „Smart City. Urbanität mit Zukunft“. Veranstalter ist der Logistikbereich der TH Köln mit HERZIG, Fachberatung für Logistikmarketing. Die IHK Köln ist
Kooperationspartner.

 

IHK Köln plant Messestand bei "Smart City" in Barcelona
Im November 2020 findet in Barcelona die Messe- und Kongressveranstaltung „Smart City Barcelona“ statt, bei der es um Mobilität und Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und
öffentliche Räume geht. Die IHK Köln plant mit Unterstützung von NRW International einen Stand, wo sich Unternehmen aus der Region Köln mit Lösungen für eine „Smart City“ präsentieren können. Interessierte wenden sich an Andreas Schäfer, Leiter Außenwirtschaftsberatung, Tel. 0221 1640-1552, andreas.schaefer@koeln.ihk.de

WEITERE THEMEN