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Musikfans in Hochstimmung beim Kölner Konzert von "Eskimo Callboy". Foto: Thomas Brill
Blickpunkt

Liverpool, Nashville, Köln

Die Domstadt reiht sich mit der „Music Tourism Convention“ in die Riege großer Musikstädte ein. Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Frage, wie die lebendige Musikszene besser in das touristische Gesamtkonzept eingebunden werden kann. Unsere Bildergalerie gibt erstaunliche Einblicke in diese Szene, gestern und heute...

Text: Werner Grosch

Liverpool, na klar, das ist die Stadt der Beatles, der Searchers, von Frankie goes to Hollywood. Franklin, Tennessee, ist ein Vorort von Nashville, dem Herz des Country, Sitz großer Plattenfirmen, respektvoll „Music City" genannt. Und Köln? Köln ist nach Liverpool und Franklin jedenfalls die dritte Stadt weltweit, in der die „Music Tourism Convention" stattfindet. Eine international besetzte Fachkonferenz, die sich um die Verbindung von Musikkultur und Tourismus dreht. Ihre Kernfragen sind einfach: Wie lässt sich die lokale Musikszene optimal auch für die Tourismusförderung nutzen, und wie kann umgekehrt verstärkter Musik-Tourismus diese Szene stützen und fördern.

„Beeindruckende Musikgeschichte"

Dass Köln am 29. August nun die dritte Station dieser Tagungsreihe ist, darf man schon mal als zarten Ritterschlag werten. Veranstalter ist das Beratungs-Unternehmen „sound diplomacy", das Niederlassungen in London und Berlin hat. Die auf den Musiksektor spezialisierte Agentur
attestiert Köln eine „beeindruckende Musikgeschichte", sieht die Stadt als Wurzel der Neuen Musik, als Heimat von Elektro-Pionieren wie „Can" und als wichtigen Teil der Krautrock-Bewegung in den 70er Jahren.

Alles starke Strömungen aus Köln, aber alles lange her. Dass Köln heute immer noch eine höchst lebendige Musikstadt ist, die sich auch international vermarkten ließe, lässt sich allerdings auch belegen. Heute ist es weniger die musikalische Avantgarde von Karlheinz Stockhausen bis Holger Czukay, die über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Heute ist es mehr die quirlige Klubszene, deren – auch wirtschaftliche – Bedeutung vor nicht langer Zeit eine Studie der Universität Köln nachwies (siehe Info-Kasten).

Auf Klubtour in der Live Music Hall: Rapper Cro.
Foto: Thomas Brill

IHK-STUDIE

Wirtschaftsfaktor Musik

Die Kölner Klub- und Musikszene ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region. Das hat eine Studie der Universität Köln, die die IHK Köln gemeinsam mit der Stadt und dem Verband Klubkomm in Auftrag gegeben hat, deutlich gezeigt. Rund 8000 Veranstaltungen stellt sie in Köln jedes Jahr auf die Beine – und sie zieht damit fast vier Millionen Besucher an. Im Jahr 2015 traten mehr als 10.000 Künstler aus dem Bereich „Pop- und Subkultur" in Köln auf.

Für die Stadt und auch ihr Umland liegt in einem verstärkten Musiktourismus also großes Potenzial. Wie groß, das lässt sich aus einer deutschlandweiten Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Musikindustrie ableiten. Demnach nimmt rund ein Viertel der Konzert- und Festivalbesucher Reisewege von mehr als 100 Kilometern auf sich. Die Mehrheit dieser Besucher übernachtet dann auch am Ort der Veranstaltung, und dementsprechend viel Geld geben sie dort aus: Laut der Untersuchung fanden im Jahr 2014 im Inland zehn Millionen Musikreisen (Kurztrips mit 1-3 Übernachtungen oder Urlaube mit 4 und mehr Übernachtungen) statt, und dabei gaben die Touristen insgesamt 4,5 Milliarden Euro aus.

Wien als Vorbild

Der Branchenverband sieht durchaus Vorbilder für eine gute Verbindung aus Musikkultur und Tourismusförderung: „Manche Großstädte, wie beispielsweise Wien, vermarkten sich bewusst als Musikstadt und bedienen mit speziellen Angeboten die Nachfrage aus dem wachsenden Segment der Städte- und Kulturreisen." In Köln geschieht das bisher nicht in dem Maß, beklagt auch die Musikbranche in der Stadt. Nur sieben Prozent der Besucher waren nach der Studie von 2016 Touristen oder reisten für das Ereignis aus mehr als 100 Kilometern Entfernung an. Bei der Umfrage wünschten sich viele der Locations und Veranstalter eine stärkere Einbindung der Musikszene in das städtische Tourismusmarketing.

Der Leiter von Kölntourismus, Josef Sommer, erkennt die Bedeutung der Szene für den Tourismus an und betont, dass dies bei der städtischen Tourismusförderung auch in das Marketing einfließe: „Das musikalische Erbe und die aktuelle Musiklandschaft mit all ihren Facetten machen die unverwechselbare musikalische Identität dieser Stadt aus. Dies beziehen wir bei unserer Arbeit für Köln imagebildend mit ein und wollen es touristisch erlebbar machen.“  Köln biete eine exquisite Klubszene und eine große Bandbreite an Konzert-Locations, und dadurch werde die Stadt „als starker Musikstandort wahrgenommen bei Veranstaltern, Bands und natürlich potenziellen Gästen“, sagt Sommer.

IHK Köln erhofft von Kongress neue Impulse

Dennoch vermissen viele in der Branche ein Gesamtkonzept. Vielleicht gibt der Kongress Ende August in dieser Hinsicht neue Impulse, hofft Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik der IHK Köln: „Wir haben uns gemeinsam mit der Stadt und mit Kölntourismus sehr dafür engagiert, die Music Tourism Convention nach Köln zu holen. Die Präsenz von Branchenexperten aus aller Welt müssen wir nutzen, um die Entwicklung der Stadt als Musikreiseziel weiter voranzutreiben.“

Größtmögliche Aufmerksamkeit für die Veranstaltung scheint jedenfalls gesichert: Die Music Tourism Convention findet parallel zum c/o pop Festival statt, das wiederum seit Jahren viele wichtige Vertreter der Branche zu seinem Fachkongress, der c/o pop convention, nach Köln lockt. Und die findet übrigens wieder in der IHK Köln statt.

BRANCHENFORUM

Im Jahr 2009 hat die IHK Köln das Branchenform der Kultur- und Kreativwirtschaft ins Leben gerufen, um den Unternehmen der elf Teilbranchen, darunter auch die Musik, eine Plattform zu bieten. Hier können sie ihre Anliegen formulieren und transportieren. Aktuell befasst sich das Forum mit Themen, die in einem World-Café als Schwerpunkte festgelegt wurden. Dazu gehören etwa die Zwischennutzung leerstehender Immobilien, die für die Branche sehr wichtig ist, aber auch das Standortmarketing. Um das Thema Netzwerken wird es beim zweiten Treffen in diesem Jahr am 31. August gehen.