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Die regionale Wirtschaft ist auf funktionsfähige internationale Lieferketten angewiesen. Corona-bedingte Hemmnisse sollen schnellstmöglich abgebaut werden. Foto: Ralf Gosch, Fotolia
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Lieferketten sichern, aber wie?

Text: Werner Grosch

Fabriken sind stillgelegt, an sonst offenen Grenzen wird wieder streng kontrolliert, die Kapazitäten für Luftfracht sind eingeschränkt, und für manche Produkte gelten Ausfuhrbeschränkungen. All das sind Folgen einer Pandemie, wie wir sie gerade erleben. Viele international agierenden Unternehmen stehen deshalb vor dem Problem, dass Lieferketten reißen oder zum Beispiel eine effiziente Just-in-time-Bevorratung unmöglich wird.

Beratung zu Beschaffungsmärkten und -plattformen

Andreas Schäfer, Leiter der Außenwirtschaftsberatung der IHK Köln, hat viel Erfahrung mit solchen Themen. „Die Fragen, die sich stellen, sind immer die gleichen: Wie schaffe ich es, Lieferunterbrechungen zu vermeiden? Sollte ich mir meine Lieferanten eher regional suchen oder die Vorprodukte selber fertigen? Oder sollte ich umgekehrt die Zahl der Lieferquellen und das geografische Einzugsgebiet erweitern, um bei Problemen leichter umschwenken zu können?“ Eine einfache Antwort darauf gebe es leider nicht, sagt Schäfer. Denn letztlich sieht die Situation für jede Branche, jede Unternehmensgröße, unter Umständen sogar für jedes einzelne Produkt anders aus. Umso wichtiger, kompetente Beratung zu erhalten. „Wir beraten zum Beispiel zu Beschaffungsmärkten in aller Welt und stellen den Kontakt zu entsprechenden Beschaffungsplattformen her“, erläutert Schäfer. Solche Plattformen bieten beispielsweise die Auslandshandelskammern, aber auch das Europäische Netzwerk für Kleine und Mittlere Unternehmen (EEN) und das Import Promotion Desk (IPD), eine Initiative zur Importförderung in Deutschland, die kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Entwicklungs- und Schwellenländern den Zugang zum europäischen Markt eröffnet.

EZ-Scouts-Programm

Zu den Schwerpunktländern der IHK Köln zählen mit China, Vietnam und der Türkei auch mehrere Länder, die als Zulieferstandorte gefragt sind. Die IHK bietet zu diesen Ländern regelmäßige Veranstaltungen sowie Einzelberatung an. Auch Nordafrika gewinnt zunehmend an Bedeutung. Speziell auf diese Region konzentriert sich ab dem 1. Juni eine Expertin für Entwicklungszusammenarbeit, die von der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) finanziert wird, den regionalen Unternehmen zur Verfügung steht und bei den IHKs Bonn und Köln angedockt ist. Die Expertin gehört zum EZ-Scouts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, mit dem den Unternehmen fachkundige Beraterinnen und Berater mit entwicklungspolitischem Know-how zur Seite gestellt werden sollen.
Die EZ-Scouts beraten Unternehmen gezielt über Einstiegsmöglichkeiten in weniger entwickelten Ländern. „Auch dies kann ein wichtiger Baustein sein für die Strategie, Lieferketten sicherzustellen“, sagt Andreas Schäfer. Wichtig sei nur ein guter Überblick über alle Regeln und Fallstricke. Deshalb bietet die IHK Köln beispielsweise auch Rat und Information zum Nationalen Aktionsplan Menschenrechte, der die Verpflichtung enthält, beim Einkauf im Ausland sorgfältig auf die Einhaltung der Menschenrechte bei der Produktion der Waren zu achten.

Lieferketten absichern

Möglichkeiten, die Lieferkette abzusichern, gibt es einige. Etwa durch so genannte Pufferlager direkt bei wichtigen Kunden oder alternativ an zentralen Standorten, die sich durch eine möglichst geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen auszeichnen. Die IHK Köln und ihr weltweites Netzwerk von Partnern können dabei helfen, passende Standorte zu identifizieren. Je nach Branche, Märkten und Produkten kann für einzelne Unternehmen aber auch eine ganz enge regionale Ausrichtung sinnvoll sein, um Lieferkettensicherheit zu gewährleisten.

Lieferketten-Hemmnisse melden

Die Industrie- und Handelskammern werden in den kommenden Wochen coronabedingte Lieferketten-Hemmnisse in der EU und in Drittstaaten sammeln und zur Lösungsfindung an die Politik weitergeleiten. Ob die Einführung einer Bescheinigungspflicht für die Einreise in Land X; das Verbot von Aktivitäten, die nicht als systemrelevant gelten oder andere Erschwernisse: Lieferketten-Hemmnisse: Die verantwortlichen Regierungsstellen auf Landes-, Bundes- oder EU-Ebene werden gebündelt informiert, um möglichst rasch für Abhilfe sorgen zu können.

Wenn Sie Lieferketten-Hemmnisse erfahren: Lassen Sie es uns wissen. Ansprechpartner bei der IHK Köln ist Andreas Schäfer, andreas.schaefer@koeln.ihk.de

Kontaktstelle Lieferketten

Die Landesregierung hat jüngst eigens für Fragen zu diesem Thema eine Kontaktstelle eingerichtet. Betroffene Unternehmen können sich an die zentrale Mailadresse lieferketten@mwide.nrw.de wenden.

Coronavirus – Auswirkungen auf den Außenwirtschaftsverkehr

Auf www.ihk-koeln.de/226024 informiert die IHK Köln über die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf den grenzüberschreitenden Warenverkehr.

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