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Das InsurLab, hier Geschäftsführer Sebastian Pitzler, bringt junge Technologieunternehmen und Versicherer zusammen. Foto: Thilo Schmülgen
Leben

Leistungszentrum mit wachsender Anziehungskraft

Köln ist traditionell ein starker Standort für die Versicherungsbranche. Mehrere Initiativen auch der IHK Köln entwickeln ihn derzeit gezielt weiter – in Sachen Start-ups ebenso wie mit Blick auf den kommenden Brexit.

Text: André Schmidt-Carré

Die europäische Versicherungswirtschaft ist in Bewegung: Viele Unternehmen überlegen angesichts des nahenden Brexits, Standorte von Großbritannien in andere europäische Länder zu verlegen und neue Dependancen auf dem Kontinent zu eröffnen. Eine der wichtigsten Alternativen ist Köln, die Rhein-Metropole gilt als das deutsche Versicherungszentrum schlechthin mit Bedeutung weit über die Landesgrenzen hinaus. Mit Blick auf Großbritanniens EU-Austritt haben die Wirtschaftsförderung der Stadt und die IHK Köln eigens eine Marketing-Initiative gestartet: den „Insurance Hub“.

„Wir wollen Köln gezielt als Standort für international agierende Versicherungsunternehmen bewerben“, sagt Alexander Hoeckle, Geschäftsführer des Bereichs International und Unternehmensförderung bei der IHK Köln. Und zwar unabhängig davon, ob und wann der Brexit schließlich kommt. Den Initiatoren geht es darum, Köln als Versicherungsstandort langfristig international bekannter zumachen. Die Initiative ist deshalb nicht nur für den Moment angelegt: „Wir brauchen einen langen Atem. Unternehmen entscheiden sich nicht von heute auf morgen, Standorte aufzubauen und zu verlagern. Das sind strategische Entscheidungen, die entsprechenden Vorlauf brauchen“, so Hoeckle.

Die Chancen für erfolgreiche Neuanwerbungen stehen gut, denn Köln kann sich bereits heute als leistungsstarkes Zentrum der Versicherungswirtschaft von internationalem Format sehen lassen: Die Versicherungswirtschaft ist eine der wichtigsten Branchen hierzulande, und keine andere deutsche Stadt beheimatet so viele wichtige Assekuranzen. Hinzu kommen Universität und Technische Hochschule als starker Forschungsstandort der Versicherungswirtschaft und angesehene Ausbildungsstätte für dringend benötigte Fachkräfte. Jüngster Beleg für die Bedeutung des Standorts: Köln ist als „InsurTechHub“ Teil der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Digital-Hub-Initiative, die bundesweit zwölf Schwerpunktstandorte zur Digitalisierung der Wirtschaft fördert. „Das war nochmal ein klares Signal für die weitere Stärkung der Stadt Köln als Versicherungszentrum“, stellt Alexander Hoeckle fest.

Ein Pluspunkt ist die geografische Lage

Zudem punktet Köln im Wettbewerb um die Neuansiedlungen der Branche mit weiteren Stärken, liegt mitten im wirtschaftsstarken und bevölkerungsreichsten Bundesland zentral in Europa mit direkter Anbindung an die Beneluxländer. Darüber hinaus sind die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger als in vergleichbaren europäischen Metropolen – für Unternehmen im Hinblick auf das Anwerben von Fachkräften ein wichtiger Pluspunkt.

Ein bedeutsamer Faktor ist auch das innovative Ökosystem der Branche vor Ort: In Köln arbeiten Startups und etablierte Unternehmen gemeinsam daran, den Umbruch der Branche im Zuge der Digitalisierung zu gestalten und zu nutzen. Im vergangenen Jahr haben die Stadt Köln, die IHK Köln, die hiesigen Hochschulen und die Wirtschaft das so genannte InsurLab Germany gegründet. „Wir unterstützen junge Technologieunternehmen und Versicherer dabei, Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette zu schließen“, erklärt InsurLab-Geschäftsführer Sebastian Pitzler. „Wir wollen dabei nicht nur Netzwerkplattform sein, sondern konkrete gemeinsame Projekte anschieben.“ Rund ein Dutzend Kooperationen und Projekte hat das InsurLab bereits ins Leben gerufen.

Und immer mehr Unternehmen machen beim InsurLab Germany mit: Gestartet mit zwölf Gründern, sind es inzwischen bereits mehr als 60 Mitglieder, darunter neben zahlreichen Versicherungsunternehmen auch zwölf Startups, sieben davon aus Köln. Insgesamt arbeitet InsurLab mit einem Netzwerk von rund 200 jungen Technologiefirmen aus Deutschland und zunehmend auch aus dem Ausland zusammen. „Wir sprechen nicht nur auf die Assekuranzen-Branche abzielende InsurTechs an, sondern sämtliche Startups, die das Versicherungsgeschäft weiterbringen können“, sagt Pitzler. Dazu zählen zum Beispiel Firmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz.

„Auf dem Weg erschließen wir gleichzeitig neue Geschäftsfelder für diese jungen Technologieunternehmen. Eine echte Win-win-Situation.“ Die Initiative organisiert Veranstaltungen wie Kongresse undWorkshops, bietet Startups zudem Mentorenprogramme an. Obendrein können Mitarbeiter von Versicherungen und Startups rund 80 Arbeitsplätze auf dem InsurLab Germany Campus in Köln-Mülheim nutzen, um gemeinsam zu arbeiten und zu netzwerken.

Stärkung für den Standort Köln

Auch internationale etablierte Versicherer wissen den Standort zu schätzen: Der Spezialversicherer Newline mit Sitz in London hat vor zwei Jahren eine Niederlassung in Köln eröffnet und nun beschlossen, diese Dependance zur Europazentrale auszubauen. Für die hiesigen Versicherer ist der Zuzug neuer Firmen aus der eigenen Branche kein Problem, ganz im Gegenteil: „Für den Wettbewerb zwischen Anbietern ist es im modernen Versicherungsgeschäft nicht mehr ausschlaggebend, wo ein Unternehmen ansässig ist“, erläutert Werner Görg, Präsident der IHK Köln und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der in Köln beheimateten Versicherungsgruppe Gothaer. „Gleichzeitig stärkt es den Versicherungsstandort Köln, wenn sich mehr Unternehmen der Branche hier ansiedeln.“

Kontakt und weitere Information

Der Insurance Hub Cologne hat eine eigene Internet-Präsenz, auf der sich Unternehmen aus der Versicherungsbranche und junge Technologiefirmen weitergehend informieren können und Ansprechpartner für konkrete Anfragen finden:

www.insurance-hub.cologne


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