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Auch wenn die TankE "um die Ecke" noch weit entfernt ist: In den kommenden zwei Jahren sollen in der Region immerhin mehr als 200 öffentlich zugängliche Elektro-Tankstellen zur Verfügung stehen. Foto: Aliki Monika Panousi
Blickpunkt

Leise surrend auf dem weiten Weg zum Durchbruch

Die Kölner Region als Modell für Elektro-Mobilität

Text: Werner Grosch

Sanft surrend, ohne Abgasbelastung durch Stadt und Land: Das ist die Vision der Elektromobilität. Doch von den politischen Zielen ist Deutschland noch himmelweit entfernt. Was muss geschehen, damit das Elektro-Auto zum Massenvehikel wird? Ein Projekt im Raum Köln hat Antworten darauf gesucht.

Eine Million Elektro-Autos auf deutschen Straßen! Das ist das Ziel, das die Bundesregierung schon vor fünf Jahren ausgegeben hat. Die Zuwachsraten für die „Stromer“ lesen sich inzwischen ja auch stattlich: Mehr als 40 Prozent Plus bei den Neuzulassungen gab es in den Jahren 2013 und 2014. Doch die weiteren Daten des Kraftfahrtbundesamtes klingen dann schon weniger erfolgreich, denn der Anteil am gesamten Verkaufsvolumen von 3,2 Millionen im vergangenen Jahr lag weiterhin nur bei 1,7 Prozent. Und das auch nur, wenn man die noch wesentlich beliebteren Hybrid-Fahrzeuge mit ihrer Kombination aus klassischem und E-Antrieb mitzählt.

Im Jahr 2020 soll das politische Ziel eigentlich erreicht sein. Doch bei gerade mal knapp sechsstelligen Werten heute müsste da schon ein gewaltiger Schub kommen. Aber woher? Steuervorteile alleine machen die deutlich höheren Anschaffungskosten nicht wett. Und die Erlaubnis zur Nutzung von Bus- oder Taxispuren, wie sie in manchen Kommunen diskutiert wird, dürfte ebenso wenig als Anreiz ausreichen wie die Befreiung von den Parkgebühren, die kürzlich in Hamburg eingeführt wurde. Und Kaufprämien analog zur Abwrackprämie lehnt die Bundesregierung ab.

Was aber sind die größten Hürden auf dem Weg zur „lokal emissionsfreien“ Mobilität? Im Grunde sind es dieselben wie vor einigen Jahren: Neben den deutlich höheren Anschaffungskosten ist es die zu geringe Reichweite wegen begrenzter Batteriekapazitäten und das löchrige Netz an Schnellladestationen.

Wenn diese drei Faktoren deutlich verbessert würden, wäre die E-Mobilität dann ein Erfolg? „Das größte Problem sind Deutschland die politischen Rahmenbedingungen“, sagt Deutschlands bekanntester Branchenexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer. Der Leiter des „Center Automotive Research“ an der Universität Duisburg-Essen sieht als Haupthindernis zum einen den billigen Kraftstoff: „Mit Diesel-Subventionen ist es sehr schwer für die Elektromobilität“, sagte Dudenhöffer auf Anfrage von IHKplus. Dabei kritisiert er nicht nur den Bund, sondern auch und vor allem das Land, das viel zu wenig für die Förderung der E-Antriebe tue: „Die Landesregierung NRW ist hier nicht wirklich vorzeigbar. Schade, denn Zukunft hat einiges mit moderner Mobilität zu tun.“

Tatsache ist, dass Förder- und Forschungsprogramme wie „RUHRAUTOe“ und „ColognEmobil“ vom Bund finanziert werden. Das Projekt im Raum Köln wurde Ende vergangenen Jahres abgeschlossen und sollte im Praxistest zeigen, wie gut E-Autos funktionieren: als Kurierfahrzeuge oder Taxi ebenso wie auf dem Flughafengelände oder in der Carsharing-Flotte. Beteiligt daran waren neben Dudenhöffers Institut unter anderem Ford, die Rheinenergie und der Köln-Bonner Airport.

Für Dr. Dieter Steinkamp, den Vorstandsvorsitzenden des Kölner Energieversorgers, war das ColognEmobil ein voller Erfolg: „Es hat eindrucksvoll gezeigt, was bereits heute in der Elektro-Mobilität möglich ist und welches Potenzial in dieser Technik steckt.“ Steinkamp kündigte nun an, die öffentlich zugängliche und private Ladeinfrastruktur In Köln und Umgebung in den kommenden zwei Jahren um rund 100 weitere neue Ladestationen (TankE) zu erweitern. Damit stünden in der Region dann mehr als 200 Elektro-Tankstellen zur Verfügung. „An speziellen Standorten werden wir auch für Pkw das Schnellladen ermöglichen. Die ersten Partner dafür sind bereits gefunden“, sagt Steinkamp, der die Stromer „als neuen Teil unseres Kerngeschäftes mit weitreichenden Perspektiven“ sieht. Auch andere Versorger im Kölner Raum wollen ihr Angebot in dieser Hinsicht ausbauen.


Notwendig ist dieser Ausbau mit Sicherheit – auch für die E-Bikes, die im stromgetriebenen Mobilitätskonzept oft unterschätzt werden. Die Pedelecs unterstützen ihren Fahrer in der Standardvariante bis zu Tempo 25, als „S“-Modell sogar bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Mithin sind sie eine durchaus flotte Alternative zum Auto. Und bei den Verbrauchern in Deutschland trotz durchaus stattlicher Preise sehr beliebt: Für das abgelaufene Jahr rechnete der Zweirad-Industrie-Verband mit etwa 520.000 verkauften E-Bikes.


In „ColognEmobil“ wurden alle wesentlichen praktischen Fragen zum Thema im Alltagsgeschäft untersucht. Nach Ansicht Dudenhöffers hat das Projekt „sehr wertvolle Erfahrungen und Ergebnisse“ gebracht. Welche das sind und wie die Situation und die Prognosen für die Region aussehen, lesen Sie in den folgenden Abschnitten:

ColognEmobil
Das vom Bund mit 7,5 Millionen Euro geförderte Projekt lief über dreieinhalb Jahre. Ford stellte als einer von 13 Partnern 56 Elektro- bzw. Hybridfahrzeuge dafür bereit, die für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt wurden und insgesamt mehr als 700.000 Kilometer absolvierten.
Die Ausgangslage in der Stadt Köln ist so wie im deutschen Durchschnitt, der Elektro-Anteil immer noch gering: Derzeit sind hier etwa 1.200 Autos mit Alternativ-Antrieb gemeldet, der größere Teil davon Hybride. Rund 520.000 Fahrzeuge sind insgesamt in Köln gemeldet, davon knapp 450.000 Pkw.

Carsharing
Die Untersuchung ergab hier, dass die Akzeptanz für Elektromobile bei den Car-Sharern hoch ist. Gering dagegen ist die Bereitschaft, für diesen umweltfreundlicheren Antrieb auch mehr zu bezahlen. Hinzu kommt, dass die reinen Stromer eben nur eine begrenzte Reichweite haben. Deshalb müssen auch die Kunden des Anbieters Cambio beispielsweise vorab ihre Fahrstrecke schätzen und können das Fahrzeug auch nicht für mehr als 60 Kilometer und nicht länger als 20 Stunden buchen – das zeigt, wie sehr die mangelnde Kapazität der Batterien den Komfort beschränkt.

Logistik
Der Flughafen Köln/Bonn hat innerhalb des Projektes acht konventionell angetriebene Fahrzeuge durch E- und Hybrid-Autos ersetzt, errichtete zehn Ladestationen und schulte mehr als 20 Mitarbeiter. Fazit: Die Akzeptanz der Technik stieg bei den Mitarbeitern in der täglichen Praxis deutlich. Der Flughafen will künftig Stromer in seinen Fuhrpark aufnehmen.

Taxi
Die Taxiruf Köln eG nutzte im Projekt nur ein E-Fahrzeug, mit dem aber immerhin 5.800 Fahrten durchgeführt wurden. Die Resonanz von Fahrern wie Kunden war ebenfalls positiv.

Den Nutzen berechnen
Elektromobilität wird sich nur durchsetzen, wenn sie bei den Gesamtkosten mit herkömmlichen Antrieben konkurrieren kann. Ob und wann sich die Anschaffung rechnet, dabei helfen Computermodelle, die Softwarespezialisten an der Universität Duisburg-Essen im Rahmen von ColognEmobil entwickelt haben. Das eine berechnet für Unternehmen die Gesamtkosten eines Elektro-Fuhrparks im Vergleich zu einem konventionellen. Das andere ist eine Anwendung, die während realer Fahrten die individuellen Bewegungsprofile ihres Nutzers aufzeichnet und so „ein optimales Fahrzeugkonzept unter Berücksichtigung ökologischer wie ökonomischer Gesichtspunkte“ empfiehlt. Sie soll als App für Android-Smartphones bald auf der Webseite von ColognEmobil verfügbar sein.

VERANSTALTUNG Elektromobilität
Die IHK Köln plant für Dienstag, den 28. Juni, eine Veranstaltung für Unternehmen zum Thema Elektromobilität im Feierabendhaus Hürth. Workshops zu Themen wie Flottenmanagement und E-Bikes sollen Unternehmen helfen, das Potenzial der Technik zu nutzen. Kooperationspartner bei der Veranstaltung sind der HyCologne e.V., die Wirtschaftsförderung RheinErft, Region KölnBonn e.V. und die Handwerkskammer Köln.  Dabei soll es für alle Teilnehmer die Möglichkeit geben, E-Fahrzeuge selbst zu testen.

Fragen?

Detlef Kürten

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