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Mit den "In-Ear-Monitoren" von "Rhines Custom Monitors" hören auf der Bühne zum Beispiel auch die Musiker von Brings deutlich die eigene Stimme oder ihr Instrument. Foto: Astrid Piethan
Porträt

Leidenschaft für den perfekten Sound

Text: Werner Grosch

Felix Reinsch vertreibt mit seinem Unternehmen „Rhines Custom Monitors“ von Köln-Nippes aus weltweit seine In-Ear-Monitore. Zu seinen Kunden gehören Musiker und Menschen, die auch unterwegs nicht auf maximalen Hörgenuss verzichten möchten.

Die Jungs von „Brings“ haben sie im Ohr, die „Höhner“ auch, die kölschen Kollegen von „Hanak“ ebenso. Carolin Kebekus trägt sie, und Schlagersängerin Nicole hat sich sogar welche mit Swarovski-Steinen aufhübschen lassen. Dagegen werden die „In-Ear-Monitore“ von Musikanten wie „Kraftklub“ oder „Culcha Candela“ eher schlicht sein. Gemeinsam haben sie aber alle ihren Hersteller: Das Kölner Unternehmen „Rhines Custom Monitors“, das auf die Mini-Geräte spezialisiert ist.

Die kleinen, auf Maß handgefertigten Ohrstecker sind nichts anderes als Mini-Kopfhörer. Seit den 1990er Jahren gibt es sie, aber das Faszinierende ist die Leistung, die die Geräte heute haben. „Wir erreichen mit unseren Produkten dieselbe Klangqualität, wie sie ein Toningenieur im Aufnahmestudio verlangt“, sagt Felix Reinsch, der die Firma 2006 mit einem Partner gründete und sie jetzt seit vier Jahren alleine führt.

Auf der Bühne können sich die Musiker frei bewegen

Die In-Ear-Monitore ermöglichen Musikern auf der Bühne, ihr eigenes Instrument oder die eigene Stimme deutlich zu hören, ohne einen auf sie gerichteten Stand-Monitor laut aufdrehen zu müssen. Bei einer Band mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und womöglich noch von Natur aus kraftstrotzenden Bläsern bedeutet das gewaltige Lautstärken und eine schwierige Abstimmung. Direkt im Ohr lässt sich die Lautstärke, auch dank guter Abschirmung nach außen, auf ein schonendes Maß regulieren. Weiterer Vorteil ist, dass ein großer Teil an schwerem Equipment wegfallen kann. „Für eine größere Band kann das heißen, dass sie auf Tour einen Lkw weniger braucht als früher“, sagt Reinsch.

Hinzu kommt, dass die Musiker sich auf der Bühne frei bewegen können und doch überall denselben Sound hören. Die Mini-Geräte sind aber nicht nur für Profis interessant: „Inzwischen machen wir die Hälfte des Umsatzes mit Kunden, die auch unterwegs maximalen Hörgenuss haben wollen und die auch das nötige Geld dafür haben“, erklärt Reinsch. Es gebe gerade im Hifi-Bereich sehr viele Liebhaber, die selbst für einen tragbaren Player mal 2.000 Euro ausgeben.

Viele Kunden in Asien

Und diese Kunden gibt es in aller Welt: Jüngst kam die erste Anfrage aus Australien, aber besonders viele Kunden sitzen in Asien, wo oft selbst gut betuchte Leute wenig Platz zuhause haben oder lange in dicht besetzten U-Bahnen unterwegs sind, in denen sie sich nicht langweilen wollen. Gefunden wird Rhines Customs natürlich im Internet, wo es gerade im Hifi-Bereich besonders viele Fachforen gibt.

Eine Handvoll Stöpsel plus Empfänger für den Gürtel in Zigarettenschachtelgröße, das war’s? Statt einer Lkw-Ladung voller Kabel und großer Lautsprecherboxen? Für den Laien ist das eines dieser Wunder. Im Grunde aber basiert die Technik auf der von Hörgeräten – auch Reinsch selbst ist gelernter Hörgeräteakustiker. „Es musste einfach mal jemand darauf kommen, die auch für andere Zwecke zu nutzen“, meint er. Einer verbreiteten Anekdote nach war der erste bekannte Musiker mit In-Ear-Monitor in den 80er Jahren Stevie Wonder – der blinde Sänger sollte mittels der Technik auf der Bühne dirigiert werden.

Es sei übrigens ein erwünschter Nebeneffekt, dass man Leuten auf der Bühne auf diese Weise auch mal soufflieren könne, erzählt Reinsch. Zum Beispiel, in welcher Stadt sie sich gerade befinden. „Ich verstehe sehr gut, dass man da auf Tour mal die Orientierung verlieren kann“, sagt Reinsch, der selbst Erfahrung als Live-Musiker in Bands hat. Dasselbe gilt für seine vier Mitarbeiter, die sich alle in die Situation ihrer Kundschaft hineinversetzen können.

Persönliche Nähe zur regionalen Kundschaft

Um die Mini-Monitore für Musiker und Audiophile interessant zu machen, braucht es aber eben höchste Qualität. Das Top-Produkt von Rhines Customs beispielsweise hat sieben Lautsprecher, um alle Frequenzbereiche abdecken zu können. Sieben winzige eckige Silberlinge in einem Teil, das passgenau für jedes Ohr gefertigt wird. Dieses Gerät namens „Stage 7“ kostet dann aber auch rund 1.600 Euro. Die Basisversion der Stage-Serie ist für rund 600 Euro zu haben.

Hinzu kommen dann natürlich noch gegebenenfalls Kosten für besondere Optik, und da haben viele Kunden ganz besondere Wünsche. Basis ist immer ein Acrylgehäuse, für das die Firma sogar die Farben selbst mischt. Darauf kann dann aber beispielsweise noch eine Edelholzverkleidung kommen, zum Beispiel mit Perlmuttstreifen und Echtgoldschriftzug.

Rhines Custom Monitors lebt von der Leidenschaft für den perfekten Sound, ob bei Musikliebhabern oder Profis. Da kommt es natürlich auch auf guten Service an. Oft kommen Musiker vor einer neuen Tour zum Routinecheck ihres Equipments vorbei – oder, im Fall der kölschen Bands: vor Beginn der neuen Session. Bei der regionalen Kundschaft ist die persönliche Nähe ein wichtiger Vorteil für die Firma im Vergleich zu Mitbewerbern, denn Hersteller mit ähnlichen Produkten gibt es durchaus einige.

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