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Wie im Kino die neuesten Filme, so werden im "Laden ein" die aktuellen Speisen angeboten. Foto: Olaf-Wull Nickel
Porträt

Langeweile ausgeschlossen

Alle zwei Wochen wechseln im „Laden Ein“ Team und Speisekarte komplett

Text: Georg Watzlawek

Drei junge Event-Manager mit gutem Geschmack führen das Kino-Prinzip in der Gastronomie ein: Alle zwei Wochen wechseln im Kölner Restaurant „Laden Ein“ das komplette Programm und die Belegschaft. Dazu holt das Start-Up Köche aus der ganzen deutschen Street-Food-Szene nach Köln.

Das „Fat Frenchman Deluxe“-Sandwich in der unscheinbaren braunen Papiertüte ist ein Traum: Eine großzügige Portion kalt geräuchertes und eingelegtes 200-Stunden-Biobeef, Bacon Jam, Coleslaw, Rucola und Trüffelmayo zwischen zwei Scheiben Dinkelvollkornbrot schmecken großartig. Danach ein Apple Cheesecake mit Salted Caramel. „Besser kann Kuchen nicht sein“, seufzt die junge Mit-Testesserin.

Diese Kombination haben wir im Schnellrestaurant "Laden ein" im Kölner Agnesviertel auf der Mittagskarte gefunden, in der Kombi für 9,50 Euro und in dieser Qualität ein Schnäppchen. Auf der Abendkarte ist der Frenchman erneut zu finden, dann allerding als Luxus-Burger.

Wenn Sie jetzt so richtig Appetit bekommen haben, müssen wir Sie enttäuschen. Denn diese Gerichte aus der Küche von Jörg Kinski gab es nur im April, Kinski ist mit seinem Team längst weitergezogen. Doch auch das, was im Moment auf der Stecktafel über der Küchentheke angepriesen wird, kann sich sehen lassen. Denn der „Laden Ein“ funktioniert nach dem Kino-Prinzip: Alle zwei Wochen wechseln in dem kleinen Restaurant in der Kölner Blumenthalstraße nicht nur die Speisekarte, sondern auch das gesamte Küchenteam, die Kellner und die Deko. Für die Anwohner im Agnesviertel ein Segen, denn sie bekommen in der Mittagspause und auch abends immer wieder neue Küchenstile serviert.

Für das Küchenteam bedeutet das Konzept erst einmal einen hohen Aufwand. Zwei Wochen lang, berichtet Jörg Kinski, habe er mit seinem Team den Gastauftritt in Köln vorbereitet, da muss in den zwei Wochen vor Ort ein ordentlicher Umsatz eingespielt werden. Zuhause ist Kinski in Magdala bei Jena - aber als gefragter Caterer und Streetfood-Koch ständig in Europa unterwegs.

Diese Streetfood-Szene ist die Wurzel des „Laden Ein“. Die Idee kommt aus den USA, doch in Deutschland haben es die populären Garküchen im Anhänger oder Transporter noch immer schwer: Sie dürfen nicht im öffentlichen Straßenraum stehen. Diesem Problem hat sich die Anfang 2015 gegründete Riekenbrauk Robel Schmidt GbR angenommen. Die drei Freunde Vincent Schmidt, Till Riekenbrauk und Mathes Robel sind Anfang 30, Hotelfachmann/Fotograf, Betriebswirt und Physiotherapeut – und vor allem Gourmets mit hohem Abwechslungsbedarf. Eine Vietnam-Reise brachte die Idee hervor, seit zwei Jahren organisieren sie Street-Food-Festivals, zunächst in Köln, inzwischen bundesweit mit jährlich 40 Terminen in 15 Städten.

Gerade haben sie das erste permanente Festival eingerichtet: Donnerstags bis samstags stehen vier Trucks in der „Globetrotter Food Passage“ im Kölner Olivandenhof, mit wechselndem Programm und als gern gesehene Alternative zum traditionellen Mittagstisch oder der Currywurst. „Wir bieten aber nicht nur Abwechslung, sondern vor allem Qualität“, sagt Schmidt. Die „Foodies“ in ihren rollenden Küchen hätten allesamt einen sehr hohen Anspruch. Sie verwenden hochwertige Zutaten und kreieren ihre Gerichte mit viel Liebe zum Detail.

Diesen kreativen Köchen wollten Schmidt, Riekenbrauk und Robel nun auch eine feste Adresse bieten, in Form eines „Pop up“-Restaurants. Das allerdings nicht an unterschiedlichen Orten aufpoppt, sondern an einer festen Adresse mit immer neuen Inhalten punktet. Seit Oktober 2015 taucht nun jeden zweiten Sonntag ein neues vier- bis sechsköpfiges Team im „Laden Ein“ auf, mit Kisten voller Zutaten, Deko und Messern. Die Küche ist komplett ausgestattet, die schlichte Einrichtung mit vier einfachen großen Tischen und Bänken durch ein paar Details rasch verwandelbar. Jörg Kinski hatte ein riesiges goldenes Geweih und selbst gebrautes Pils aus Magdala mitgebracht.

Wir gehen gerne ins Risiko, weil wir ein Interesse daran haben, diese Idee zu einem Erfolg zu machen.

Vincent Schmidt

Der wichtigste Wandel geschieht jedoch auf dem Kino-Billboard auf der Fassade und auf den Speisekarten. Vor den Luxus-Sandwiches gab es unter anderem asiatische Fusion-Küche, danach marokkanische Tontopfgerichte. „Wir sorgen schon dafür, dass es nicht langweilig wird“, sagt Schmidt. Knapp 10.000 Fans halten sich bereits auf der Facebook-Seite des Ladens über das Programm auf dem Laufenden.

Die GbR tritt im „Laden Ein“ nicht nur als Vermieter auf, sondern vor allem als Programmdirektor, Berater und Helfer in der Not. Aus dem Fundus von 400 Streetfoodies, die inzwischen bei ihren Festivals gekocht haben, suchen sie geeignete Kandidaten für das Restaurant-Gastspiel aus. Sie beraten bei der Auswahl der Gerichte und der Gestaltung der Karten, sorgen für Werbung und stellen einen eigenen festangestellten Koch als Backup für alle Fälle. Die GbR nimmt von den Teams entweder eine feste Miete oder vereinbart eine Umsatzbeteiligung. „Wir gehen gerne ins Risiko“, erläutert Schmidt, „weil wir ein Interesse daran haben, diese Idee zu einem Erfolg zu machen.“

Im Moment sieht es ganz danach aus: Der Laden ist mittags wie abends voll und auch die Gastronomen stehen Schlange, um sich einmal der Herausforderung zu stellen.

Das Programm im Laden Ein in den nächsten Wochen

ab 9.5.: 485 POP UP Weinbar – Tapas & Weine
ab 23.5.: Dinkelmann - indisch-italienische Fusion-Küche
ab 6.6.: Turbo Bao – taiwanesische Gua Baos

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