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"SEVAS" heißt die Software, mit dem die 148 Städte und Gemeinden auf dem Gebiet der Metropolregion Rheinland ein Vorrangroutennetz für den Lkw-Verkehr erfassen können. Foto: Mobil im Rheinland
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LKW-Navigation

Vorrangrouten für den Schwerlastverkehr per Lkw-Navigation – davon konnten Spediteure bisher nur träumen. Im Rheinland ist das nun möglich, dank eines Projekts, an dem die sieben IHKs im Rheinland mitgewirkt haben.

Text: Lothar Schmitz

„Ich sehe was, was du nicht siehst“ ist bei Kindern ein beliebtes Ratespiel. Im Rahmen eines vom NRW-Verkehrsministerium beauftragten Projekts des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) wurde jetzt eine Software entwickelt, deren Name ähnlich klingt: SEVAS. Das steht für „Software zur Eingabe, Verwaltung und Ausspielung von Vorrangrouten und Restriktionen im Schwerlastverkehr“. Mit ihr steht erstmals ein gemeinsames Online-Werkzeug zur Verfügung, mit dem jede der 148 Städte und Gemeinden auf dem Gebiet der Metropolregion Rheinland ein Vorrangroutennetz für den Lkw-Verkehr festlegen sowie alle erforderlichen Restriktionen – zum Beispiel Höhen-, Gewichts- oder Breitenbegrenzungen oder Durchfahrtsverbote – erfassen kann.
Logistikunternehmen – konkreter: allen Lkw-Fahrerinnen und Fahrern, die auf den Straßen NRWs unterwegs sind – erhalten dank SEVAS die Chance, etwas zu sehen, was sie bisher nicht sehen konnten, nämlich einerseits Vorrangrouten und andererseits alle für den Lkw-Verkehr wichtigen Restrikionen.
Seit Ende Juli werden die bereits eingespeisten Daten und alle hinzukommenden an den sogenannten „Mobilitätsdatenmarktplatz“ (MDM) übergeben. Der ist die zentrale Drehscheibe für Mobilitätsdaten in Deutschland und bietet unterschiedlichste Daten zur Verbesserung der Verkehrsinformationen.
„Mit der Bereitstellung der Daten unterstützen wir die Logistikbranche und die Kommunen des Landes dabei, die Lkw-Verkehre effizient zu führen. Dabei sind wir jetzt einen entscheidenden Schritt weiter  gekommen“, freut sich NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst.
Das ist dringend notwendig, denn NRW und das Rheinland sind nicht nur einer der wichtigsten und größten Logistikstandorte in Europa, sondern auch in besonderer Weise vom Transitverkehr betroffen. Das Transportaufkommen steigt kontinuierlich weiter – und damit sowohl die Durchfahrten als auch die Ziel- und Quellverkehre im Rheinland selbst. Insofern haben alle Beteiligten – ob Speditionen, Kunden, Kommunen oder ansässige Bevölkerung – im Grunde dasselbe Interesse: eine hinsichtlich der aktuellen Verkehrssituation, städtebaulicher und umweltpolitischer Belange optimierte Routenführung für den Schwerlastverkehr.

Gefragt sind nun die Anbieter von Navigationsdienstleistungen

Damit die Fahrerinnen und Fahrer tatsächlich sehen, was sie bisher nicht sehen konnten – nämlich Routen, die wirklich alle Hindernisse umgehen und in vertretbarer Zeit zum Ziel führen –, sind nun die Kartenhersteller und Anbieter von Navigationsdienstleistungen für den Schwerverkehr gefragt. Die Kartenhersteller – das sind im Wesentlichen die beiden Anbieter HERE und TomTom – müssen diese Informationen regelmäßig abrufen und in ihre Navigationsdienste einfließen lassen, die Hersteller von Lkw-Navigationsgeräten wiederum müssen Sorge dafür tragen, dass ihre Geräte auf die neuesten Versionen der Kartenhersteller zugreifen und Updates ermöglichen.
„Wir haben mit beiden Kartenherstellern Gespräche geführt“, berichtet Dominik Paaß, Projektmanager in der Projektgruppe „mobil-im-rheinland“ des VRS und zuständig für das Projekt „Effiziente und stadtverträgliche Lkw-Navigation“. HERE habe sich bereits überzeugen lassen, auf die Daten zuzugreifen, bei TomTom sei man sehr zuversichtlich, sich in Kürze verständigen zu können. „Der Anreiz für die Kartenhersteller und Geräteanbieter ist groß“, sagt Paaß, „weil sie ihren Kunden vor allem im nachgeordneten Verkehrsnetz viele neue, wichtige Informationen bieten können.“
„Gefragt sind nun aber auch die Logistikunternehmen“, betont Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln und turnusgemäß derzeit Geschäftsführer der IHK-Initiative Rheinland. Die darin zusammengeschlossenen sieben Industrie- und Handelskammern kooperieren in Sachen Lkw-Navigation eng mit dem VRS und dem NRW-Verkehrsministerium. Wer bereits ein spezielles Lkw-Navigationssystem verwende, solle auf den Anbieter einwirken, die neuen Daten schnell zu übernehmen.
Die IHKs im Rheinland appellieren aber auch an diejenigen Fahrer und Spediteure, die bisher auf ein spezielles Lkw-Routing verzichten, etwa aus Kostengründen. „Die Anschaffung rentiert sich schneller, als viele denken“, stellt Soénius klar, „denn mit dem Lkw an einer niedrigen Brücke hängenzubleiben oder aus einer engen Spielstraße wieder heraus manövrieren zu müssen, weil das herkömmliche Navi keine Restriktionen angezeigt hat, ist teurer!“

Unternehmen drängen auf schnelle Umsetzung

Aus den Logistikunternehmen im Rheinland kommen bereits positive Stimmen. „Jede Minute, die wir durch dieses neue und intelligente Navigationssystem im Ballungsgebiet Köln beziehungsweise Rheinland einsparen, ist ein Gewinn für uns und unsere Fahrer und wird von uns begrüßt“, erklärt Hans Peter Nolden, Inhaber der Spedition Nolden in Kerpen und Mitglied des Arbeitskreises Verkehr und Logistik der IHK Köln. Sein Kollege Detlef Andryk, Geschäftsführer der Andryk Logistik GmbH in Brühl und Mitglied im selben Arbeitskreis, sagt: „Werden für den Schwerverkehr alle kurz- und langfristigen Hindernisse in der Fahrzeugnavigation hinterlegt, können sowohl die Disposition als auch die Berufskraftfahrer die Touren optimaler planen und somit zur Minimierung der Umweltbelastung beitragen.“
Übrigens soll nicht nur das Rheinland in den Genuss einer effizienten und stadtverträglichen Lkw-Navigation kommen. „Das jetzige Projekt greift die Entwicklung eines Lkw-Vorrangnetzes im Ruhrgebiet aus dem Jahr 2010 auf und entwickelt den damaligen Ansatz auf technisch höchstem Niveau weiter“, erläutert Benno Hense vom Referat Intermodale Verkehrssteuerung, intelligente Verkehrsinfrastruktur, Verkehrs- und Transportsysteme des NRW-Verkehrsministeriums. „Es bezieht sich zunächst auf das Gebiet der Metropolregion Rheinland, ist aber für eine landesweite oder auch darüber hinausgehende Ausdehnung konzipiert!"
Damit immer mehr Lkw-Fahrerinnen und Fahrer sehen, was sie bisher nicht sahen, um dadurch besser ans Ziel finden.

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