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Mit Profi Holgers Sievers (3.v.l.) absolvierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der G&L Geißendörfer & Leschinsky GmbH ein von der IHK organisiertes Radsicherheitstraining. Foto: Olaf-Wull Nickel
Leben

Kostenlos Elektroautos und Pedelecs nutzen

IHK-Mitgliedsunternehmen können in der Zeit von Mai bis September Testzeiträume reservieren und nachhaltige Fortbewegungsmöglichkeiten ausprobieren: vom Rad über Pedelec und gemeinschaftlich genutzte KVB-Tickets bis hin zum Hybrid-Fahrzeug.

Text: Patrick Schröder

Mit dem Rad zur Arbeit – das geht natürlich nicht immer und überall. Oftmals sind überfüllte Bahnen und Stau tägliche Last. Der Weg zur Ar­beit ist in vielen Betrieben ein Dauerthema. Auch bei der Optenhögel GmbH aus Bergisch Gladbach, ein Unternehmen, das auf den Handel mit Papier und Karton spezialisiert ist. „Der Verkehr wird immer katastrophaler und belastet Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gleichzeitig sehen wir uns als Unternehmen beim Thema Klimaschutz immer stärker in der Verantwortung“, sagt Marion Koczy, Mitarbeiterin im Vertriebsinnendienst bei Optenhögel. Das Unternehmen hat deswegen im Rahmen der Mobilitätstestwochen der IHK Köln seinen Mitarbeitenden für zwei Wochen eine Auto-Alternative zur Verfügung gestellt: Pedelecs, also elektrische Fahrräder.

Testphase und Sicherheitstraining nutzen

Ein Fortbewegungsmittel für längere Strecken, von dem Marion Koczy begeistert ist. „Mit Pedelecs lassen sich sogar im hügeligen Bergischen Land Entfernungen von 30 bis 50 Kilometern leicht zurücklegen.“ Doch die Testphase war nicht nur rosig. So bringen elektrische Fahrräder vergleichs­weise viel Gewicht auf die Waage und sind nur mühsam in Bus und Bahn zu heben. Zudem sind sie bei niedrigen Geschwindigkeiten in dichtem Verkehr schwerfälliger als normale Räder. Daher Marion Koczys Empfehlung: Vor der Testphase an einem Fahrradsicherheitstraining teilnehmen. Dann steht der nachhaltigen Mobilität nichts im Wege. „Ich werde mir 2020 wahrscheinlich ein elektrisches Fahrrad kaufen. Ein Kollege will mitziehen und das Auto öfter stehen lassen.“

Drohende Dieselfahrverbote belasten Unternehmen

Das Thema Mobilität brennt immer mehr Betrieben unter den Fingernägeln. Weil Städte wie Köln EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschreiten, drohen Dieselfahrverbote. Eine Herausforderung für Pendelverkehre, Geschäftsreisen und Lieferungen. „Für die Region Köln mit ihrer hohen Dichte an Unternehmen und dem hohen Verkehrsaufkommen gewinnt die betriebliche Mobilität als Kosten- und Umweltfaktor zunehmend an Bedeutung“, sagt Dr. Ulrich Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik. Doch bei vielen Unternehmen ist die Verwirrung groß. Hybrid, Plugin-Hybrid, E-Auto: Technologien, Angebote und Fördermöglichkeiten rund um nachhaltige Mobilität gleichen einem Dschungel. „Wir haben deshalb die Mobilitätstestwochen ins Leben gerufen. Betriebe haben die Möglichkeit, zwei Wochen lang kostenlos mit nachhaltiger Mobilität zu experimentieren“, erläutert Soénius.

Unternehmen können in Ruhe testen

Das Angebot der Mobilitätstestwochen ist breitgefächert. Unternehmen bekommen die Gelegenheit, elektrische Fahrräder, E-Autos, Hybridfahrzeuge und KVB-Tickets im eigenen Betrieb kostenlos zu testen. Zudem haben sie die Möglichkeit, Carsharing des Anbieters Cambio drei Monate lang ohne Grundgebühr zu nutzen. „In diesen zwei Wochen des Experimentierens können Betriebe wichtige Fragen klären – etwa die Frage, ob die Reichweite von Elektroautos für den Geschäftsalltag ausreicht“, erklärt Jan Stuckert, der bei der IHK Köln die Mobilitätstestwochen organisiert. Zusätzlich begleitet die IHK alle interessierten Unternehmen mit weiteren Angeboten, etwa mit einer Erstberatung, einem Zertifikatslehrgang zum betrieblichen Mobilitätsmanager und Fahrtrainings. „Wir unterstützen unsere Mitgliedsunternehmen dabei, ihre Mobilität so auszurichten, dass sie wirtschaftlich, zukunftssicher und umweltschonend zugleich ist“, so Stuckert.

Garten- und Landschaftsbauer Jörg Gösser nutzte das Angebot der IHK, um ein Hybridfahrzeug zu testen.
Foto: Olaf-Wull Nickel

„Phänomenales Angebot“

Auch der Garten- und Landschaftsbauer Jörg Gösser aus Wermelskirchen hat nachhaltige Verkehrsmittel getestet. „Als Unternehmer, der tagtäglich in der Natur arbeitet, wollte ich mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Gösser. Und so stellte der Landschaftsbauer seinen Pick-up-Truck an den Straßenrand und setzte sich in einen Toyota RAV4 – ein SUV mit Hybridantrieb. „Zwar hat es Spaß gemacht, mit dem Hybridfahrzeug zu fahren. Doch für meinen Alltag ist das Auto mit Frontantrieb ungeeignet. Denn es kann nur 800 Kilogramm ziehen.“ Zu wenig für Rasenschnitt, Sand, Schotter und Pflastersteine: Zwei bis drei Tonnen pro Ladung müssen es schon sein. „Mit einem alten VW Käfer, den ich in meiner Freizeit fahre, kann ich schon 750 Kilogramm ziehen. Hybridautos müssten also deutlich zulegen, damit ich sie gewerblich nutzen kann“, sagt Gösser, der in den Mobilitätstestwochen für Kundenbesuche auch einen Ford Streetscooter getestet hat, bekannt als Paketauto der Deutschen Post. „Das elektrische Fahren war spannend. Man surrt wie ein Bienchen durch die Gegend und lädt das Fahrzeug an einer Haushaltssteckdose. Der Anschaffungspreis ist mir derzeit aber noch zu hoch“, so Gösser, der trotzdem positiv auf die Mobilitätstestwoche zurückblickt. „Dieses Angebot ist phänomenal, um sich mit dem Thema nachhaltige Mobilität in Ruhe auseinanderzusetzen.“

Jetzt schon anmelden!

Die nächsten Mobilitätstestwochen finden von Mai bis September 2020 statt. Interessierte Unternehmen können sich ab sofort einen Testzeitraum reservieren. Nach der Terminvergabe informiert die IHK Köln die Projektpartner.
Ansprechpartner ist Jan Stuckert, Tel. 0221 1640-4030, jan.stuckert@koeln.ihk.de.

Weitere Infos auf der Webseite der IHK unter Dok.-Nr. 214942.

Infos zum betrieblichen Mobilitätsmanagement bietet die IHK-Webseite unter der Dok.-Nr. 195024.

Auch die Geschäftsstelle Rhein-Erft der IHK Köln testete das Mobilitätsangebot und stieg mit Hilfe der "Radstation" auf die Zweiräder um.
Foto: Thilo Schmülgen

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