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Realistischer Optimismus

Realistischer Optimismus: Die Unternehmen der Region blicken zuversichtlich auf die Geschäftslage 2018.

Text: Anke Henrich

Die Stimmung ist hervorragend. Trotz Unwägbarkeiten bei der deutschen Regierungsbildung, bei Freihandelsabkommen oder Donald Trumps „America First“-Politik. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Köln. 90 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Aussichten als gut oder befriedigend. Mit dem Anstieg von 125,7 Punkten im vergangenen Herbst auf nun 126,9 Punkte liegt der Konjunkturindikator der IHK Köln damit auf einem Allzeithoch. Das passt: Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag und der Sachverständigenrat prognostizieren ein Wachstum von 2,2 Prozent. Das liegt vor allem am stabilen Außenhandel und der beständigen Konsumfreude der Deutschen.

Mangelhafte Infrastruktur bremst

Dennoch bremsen zunehmende Regulierungen, Niedrigzins, mangelhafte Infrastruktur und lückenhafte Breitband-Versorgung sowie ein mögliches Dieselfahrverbot den Optimismus. Die meisten Unternehmen planen weniger Investitionen als im Quartal zuvor ein. Ähnliches gilt für die Beschäftigung, doch das oft unfreiwillig. Die Bereitschaft, neue Mitarbeiter einzustellen, ist hoch, doch vor allem im Dienstleistungsbereich, im Handel und auf dem Bau zeigt sich zunehmend der Fachkräftemangel. Dieser sowie steigende Arbeitskosten gelten als das größte Geschäftsrisiko.

Interne Lösungen gegen den Fachkräftemangel

Pascal Dahmer, Marketing-Chef des Kölner Arbeitsbekleidungsherstellers Bierbaum-Proenen GmbH, rechnet mit kräftigem Wachstum, aber setzt stärker auf interne Lösungen. „Es wird schwerer, bestimmte Positionen zu besetzen. Deshalb motivieren wir beispielsweise IT-affine Mitarbeiter zu einem Studium der Wirtschaftsinformatik und wollen künftig selbst IT-Ausbildungsberufe anbieten“, sagt Dahmer, „und bei den Industriekaufleuten haben wir unsere Ausbildungsquote erhöht.“ Ähnlich ergeht es auch der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft dhpg. Ihr Partner Prof. Andreas Blum sagt: „Wir sehen die Lage positiv und planen, 2018 bei Umsatz und Mitarbeitern zu wachsen.“ Doch auch für seine Mitarbeiter werden IT-Kenntnisse immer wichtiger: „Das Wissen wird in den Hochschulen noch nicht ausreichend vermittelt und damit zu einem Engpass in den Unternehmen. Wir qualifizieren unsere Einsteiger sehr um fassend.“

Regionale Entwicklungen

In Leverkusen sind die Unternehmer optimistischer als in Köln, obgleich der Geschäftslageindikator – auf hohem Niveau – leicht zurückgegangen ist. 64,9 Prozent der Unternehmen melden gute Geschäfte, nur noch 3,5 Prozent geht es schlecht. Die Investitionsbereitschaft sinkt leicht, 36,4 Prozent der Unternehmen wollen neue Kollegen einstellen. Im Rhein-Erft-Kreis wird die Lage besser als im Herbst eingeschätzt: 46,3 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut, 10,2 Prozent als verschlechtert, aber nicht ganz so gut wie in Leverkusen. Während dort mit mehr Personal und weniger Investitionen gerechnet wird, ist es im Rhein-Erft-Kreis umgekehrt. Im Oberbergischen Kreis überwiegen die Optimisten. Über die Hälfte der Unternehmen sehen ihre Lage als gut an, 5,8 Prozent halten ihre Lage für schlecht. Im Rheinisch-Bergischen sehen 48,6 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Lage positiv, nur noch 5,4 Prozent (zuvor 8,4 Prozent) negativ. Die Investitionsabsicht und Personalpläne sind stabil.

Bericht und Methodik finden Sie online unter www.ihk-koeln.de/10759.

"Die Suche nach Fachkräften dauert länger"

Pascal Dahmer, Marketing-Chef des Kölner Arbeitsbekleidungsherstellers Bierbaum-Proenen GmbH, über Fachkräftemangel und die Versuche, diesem zu begegnen

Wie schätzen Sie die Geschäftslage für Ihr Unternehmen für 2018 ein und warum?
"Das Jahr 2017 war für uns sehr erfolgreich. Auch für 2018 rechnen wir mit einem kräftigen Wachstum. Insbesondere die derzeit gute Arbeitsmarktlage und die anhaltend starke Konjunktur geben uns als Hersteller von Arbeits- und Schutzkleidung Rückenwind. Zur positiven Entwicklung trägt auch bei, dass Unternehmen verstärkt darauf achten, ihre Mitarbeiter mit hochwertiger Berufskleidung auszustatten. Denn diese ist heute wichtiger denn je, wenn es um Mitarbeiterzufriedenheit geht."

Spüren Sie einen Fachkräftemangel? Und wenn ja: Welche Folgen hat er und wie versuchen das Problem zu lösen?
 "Wir stellen fest, dass die Suche nach hochqualifizierten Fachkräften in einigen Bereichen länger dauert als noch vor einigen Jahren. Offene Stellen im IT-Bereich etwa sind sehr schwer zu besetzen. Hier versuchen wir, auch interne Lösungen zu finden. Zum Beispiel, indem wir IT-affine Mitarbeiter, die sich fortbilden möchten, zu einem Studium der Wirtschaftsinformatik motivieren. Zudem planen wir, künftig selbst IT-Ausbildungsberufe anzubieten. In anderen Bereichen, beispielsweise bei den Industriekaufleuten, haben wir unsere Ausbildungsquote erhöht. Jedes Jahr bilden wir hier nun vier statt drei junge Menschen mit und ohne duales Studium aus. Überdies kommen unsere Mitarbeiter in den Genuss von Zusatzleistungen. Die helfen beim Recruiting, binden zugleich aber auch das bestehende Personal enger an das Unternehmen und senken die Fluktuation. So bieten wir etwa Gleitzeitmodelle an, eine Bezuschussung beim Jobticket, kostenlose Mitgliedschaft in einem Fitnesscenter, Langzeitkonten oder auch eine externe Mitarbeiterberatung (EAP)."

"Intensiver Austausch mit den Hochschulen"

Prof. Andreas Blum, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft dhpg, über das Schließen von Wissenslücken

 
Wie schätzen Sie die Geschäftslage für Ihr Unternehmen für 2018 ein und warum?
"Wir können die positive Stimmung der Unternehmen in unserer Region unterstreichen und planen, im kommenden Jahr sowohl umsatz- als auch mitarbeiterseitig weiter zu wachsen. Dabei legen wir unser besonderes Augenmerk auf die Wachstumsfelder in unseren Beratungssegmenten – dazu gehören IT-Sicherheit, Datenschutz und IT-Recht, aber auch Themen wie Compliance- und Risk Management. Die gute Konjunktur spüren wir zudem an der verstärkten Nachfrage nach Beratungsleistungen aus unserem internationalen Netzwerk Nexia. Hier geht es vor allem um Fragen rund um Markteintrittsstrategien ausländischer Unternehmen in den deutschen Markt."

Spüren Sie einen Facharbeitermangel? Und wenn ja: Welche Folgen hat er und wie versuchen Sie das Problem zu lösen?
"Bisher haben wir offene Stellen noch immer mit qualifizierten Bewerbern besetzen können. Somit sind wir in einer komfortablen Lage. Doch das Berufsbild der bei uns vertretenen klassischen Qualifikationen, wie das des Wirtschaftsprüfers oder des Steuerberaters, hat sich gewandelt. Neben einem weiterhin wichtigen kaufmännischen Verständnis rücken IT-Kenntnisse mehr und mehr in den Fokus. Wissen, das in den Hochschulen noch nicht ausreichend vermittelt und in Folge dessen im Unternehmen zum Engpass wird. Wie versuchen wir das Problem zu lösen? Wir qualifizieren unsere Einsteiger sehr umfassend, sind aber auch mit den Hochschulen in unseren Regionen im intensiven Austausch dazu."

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