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Digitale Welt auf der Gamescom Foto: Koelnmesse
Porträt

Digitale Infrastruktur der KölnMesse: Der Kunde steht im Mittelpunkt

Text: Susanne Hartmann

Die KölnMesse ist internationales Aushängeschild der gesamten Region Köln und gleichzeitig ein wachsendes und florierendes Unternehmen. Neben den umfangreichen baulichen Erweiterungen spielt auch die Zukunftsfähigkeit der digitalen Infrastruktur eine zentrale Rolle.

Eine Mammutaufgabe: Denn nicht nur die Messebesucher wollen sicher und zuverlässig Datenströme nutzen, selbstverständlich schnelles WLAN und Hightech-Ausstattungen bei den Messeständen genießen - auch die Messe selbst muss intern die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der digitale Workflow ungehindert strömt.

Mit einer umfassenden digitalen Strategie kommen daher alle Aspekte auf den Prüfstand, die für das Unternehmen oder das Messegeschäft relevant werden können. Den wichtigsten beschreibt dabei Messe-Sprecher Guido Gudat: „Wir entwickeln unsere Produkte konsequent vom Markt her. Genauso ist es mit der Digitalisierung: Nur was für die individuellen Kundenbedürfnisse und deren Geschäftsmodelle relevant ist, wird von uns weiterentwickelt.“

Michael Müller-Berg, Leiter Geschäftskunden Partnermanagement der Telekom in Köln und Betreuer des Digitalisierungs-Projekt der Koelnmesse, beschreibt, wie sich die Herausforderungen gewandelt haben: „Bis vor rund drei oder vier Jahren hatten wir als Telekom mit der Koelnmesse ein klassisches Kunden-Lieferantenverhältnis, geprägt von IT- und Outsourcing-Projekten. In den letzten Jahren sind wir mehr und mehr Partner geworden. Wir lernen von der Koelnmesse Industrie 4.0-Szenarien im Messewesen und wir bringen auf Grund unserer Erfahrung im Digital- und Cloud-Business viel Marktwissen mit ein, welches die Koelnmesse zukunftsorientiert einsetzen kann.“ Besonders wichtig ist ihm dabei die Verbundenheit zum Standort: „Die handelnden Personen kommen aus Köln und NRW und kennen ihr Umfeld. Das darf man nie unterschätzen!“

Neue digitale Services

Der Kundennutzen steht also bei allen Innovationen ganz oben. Mit Hilfe von bewährten Verfahren wie „Customer Journey Mapping“ oder „Design Thinking“ werden Kundentypen analysiert und geeignete Services entwickelt. Beim „Customer Journey Mapping“ stehen zum Beispiel alle Berührungspunkte, die ein Kunde mit der Koelnmesse hat, im Fokus. Anhand dieser virtuellen Landkarte können dann für alle Punkte passende Angebote entwickelt werden. „Dies betrifft Zutrittssysteme genauso wie WLAN-Services auf dem Messegelände selbst, die Verbindung von Werbeformaten mit der künftig digitalen Beschilderung des Messegeländes und vieles mehr“, so Gudat. Natürlich müssen dazu auch die internen Voraussetzungen stimmen. Ein leistungsfähiges Customer-Relationship-Management, die Ausrüstung aller Mitarbeiter mit neuesten Surface-Tablets, die mobil und am Arbeitsplatz eingesetzt werden können, gehören dazu. Die digitale Vernetzung funktioniert auch innerhalb der Belegschaft: Mit Hilfe der Social Network-Plattform Yammer ist der interne Austausch, die Vernetzung und der Wissensaustausch intensiviert worden. Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse, erörtert die Entscheidung für diese Investitionen: „Wir haben im Hinblick auf unsere Digitale Strategie und die sich immer mehr verändernde Arbeitswelt alle Mitarbeiter mit Hard- und Software ausgestattet, die ein zukunftsfähiges digitales, mobiles und vernetztes Arbeiten ermöglichen.“

Mit der Anschaffung von neuer Soft- und Hardware alleine ist es nicht getan. Um eine große Organisation wie die Koelnmesse von innen heraus zu digitalisieren, ist auch ein Umdenken in den internen Strukturen notwendig. Hat beispielsweise die interne IT klassischerweise für eine sichere und komfortable IT-Landschaft im Unternehmen gesorgt, kommt nun die Außensicht der Kundenbedürfnisse hinzu und aus internen Dienstleistern werden so wichtige Vertriebsschnittstellen. 

Ein digitalisiertes Messegelände

Innerhalb des gesamten Projekts „Koelnmesse 3.0“ werden in den kommenden Jahren 600 Millionen Euro investiert, um die Infrastruktur des Messegeländes für zukünftige Herausforderungen herzurichten. Eines der Projekte ist der Bau eines neuen Parkhauses. „Selbstverständlich ist dieses Parkhaus dann auch digitalisiert – mit einem digitalen Parkticket-System, mit digitalen Werbeflächen, WLAN und weiteren Funktionen“, sagt Guido Gudat. Die Qualität eines Messestandorts der Zukunft hänge nämlich auch davon ab, dass der einfache Zugang zu Online-Netzen und die schnelle und reibungslose Nutzung von digitalen Services möglich sei. Darüber hinaus steigen die Ansprüche der Messeteilnehmer an das Spektrum der digitalen Vermarktungsmöglichkeiten auf dem Gelände. Ein neues Ticket- und Zutrittssystem inklusive eines neuen Online-Shops ist der erste Schritt in das digitalisierte Messegelände.

Dass dieses Projekt gelingt, ist nicht nur für die Zukunft der Koelnmesse von Bedeutung. Michael Müller-Berg: „Die Koelnmesse ist der ‚digitale Außenminister‘ der Stadt Köln und damit ein zentrales Aushängeschild der Region!“ Die Digitalisierung der Koelnmesse ist also für das Image des Wirtschaftsstandorts Köln von zentraler Bedeutung und kann für die Unternehmen der Region ein wichtiger Antrieb werden, die eigenen Prozesse entsprechend anzupassen und Digitalisierung nicht nur als Worthülse zu begreifen, sondern als Managementaufgabe mit höchster Priorität. Die Unternehmenskultur wandelt sich dabei zwangsläufig mit: Von der internen, prozessorientierten Sicht auf eine Außensicht, bei der die Kundenbedürfnisse im Vordergrund stehen. Hieran misst sich später der Erfolg.

 

Interview mit Messechef Gerald Böse

Gerald Böse, KölnMesse
Foto: KölnMesse

?  Warum sind Messen auch im digitalen Zeitalter ein Erfolgsrezept?

! Weil Sie ein Grundbedürfnis der Menschen bedienen, das so alt ist wie Marktplätze und Messen selbst: den direkten persönlichen Austausch. Gerade weil die digitale Kommunikation inzwischen der Normalfall ist, verkörpert am Ende der Handschlag beim Geschäftsabschluss die Verbindung zur realen Welt. Messethemen mit hoher Affinität zu digitalen Medien zeichnen sich durch besonders hohe und wachsende persönliche Beteiligung aus: die gamescom mit fast 350.000 Besuchern, die dmexco, die Jahr für Jahr zweistellig wächst, die photokina, die von Internet-Gruppen bewusst als Treffpunkt genutzt wird.

Wenn es uns darüber hinaus gelingt, die Aussteller und Besucher mit digitalen Features und Services bei ihrer Messeteilnahme zu unterstützen, dann können wir auch für die Zukunft von einem Erfolgsrezept sprechen.

? Wo holen Sie sich Inspiration für die Koelnmesse?

! Aus der alten und der neuen Welt. Unser Geschäftsmodell als Messemacher wird sich rapide verändern. Wir werden zur analogen Messewelt digitalen Zusatznutzen schaffen. Und da finde ich viele Beispiele eines erfolgreichen Paradigmenwechsels. Nehmen Sie Quelle und Otto, viele Jahre als Versandhandelsunternehmen auf Augenhöhe. Bis das Internet kam: Otto hat sich vom Katalog getrennt und ist heute zweitgrößter Online-Händler in Deutschland. Quelle ging in die Insolvenz.

Es geht nicht um Disruption. Das Messegeschäft hat das Grundbedürfnis, sich auszutauschen. Der Ruf nach Effizienz, Zeitersparnis und schneller Kommunikation erfordert neue – digitale - Wege. Es geht um die Verbindung von Kreativität und Vernetzung.Wir müssen von der digitalen Welt lernen, wie wir unsere Stärken ausbauen können, um weiterhin erfolgreich sein zu können.

? Wie digital sind Sie selbst?

! Ich bin eher ein „Smart Follower“ als ein „First Mover“. Ich nutze, was mir nützlich ist, was mich und meine Arbeit effizienter macht. Dazu muss ich nicht Pionier sein und auch nicht permanent online. So sehen wir auch die Position der Koelnmesse im Digitalisierungsprozess. Wir sind nicht Google, Facebook oder die Telekom. Wir wollen das bieten, was den Kunden Nutzen bringt.

? Womit positioniert sich die Koelnmesse im internationalen Wettbewerb besonders positiv?

! Kurz gesagt: durch globale Kompetenz in einigen Branchen, die im Weltmarkt Gewicht haben. Allen voran ist das die Ernährungswirtschaft mit derzeit 20 Veranstaltungen weltweit, die wir unter der Headline „Global Competence in Food“ aus einer Hand vermarkten, natürlich auch online. Gleiches gilt für unsere „Global Competence in Furniture, Interiors and Design“ und zunehmend für das Digital Entertainment. Es ist wichtig, unseren Kunden möglichst überall auf der Welt Veranstaltungen mit Kölner Standard als Plattformen in den relevanten Märkten vor Ort zu bieten.

? Inwieweit hat der Standort positive oder negative Auswirkungen auf Ihr Geschäft - was müsste aus Ihrer Sicht dringend verbessert werden und wovon profitiert die Messe?

! Bevor ich vor acht Jahren nach Köln kam, habe ich die Koelnmesse um die positive Ausstrahlung ihrer Stadt beneidet. Diese Attraktivität ist ungebrochen. Köln ist und bleibt eine Reise wert, und das fördert auch die Messeteilnahme.

Es gibt aber eine andere Seite der Medaille. Gerade in diesem positiv besetzten Umfeld fallen Geschehnisse wie in der Silvesternacht, um das das Stadtarchiv oder die jüngsten Großdemonstrationen besonders ins Gewicht. Und auch die einzigartige innerstädtische Lage der Koelnmesse stellt uns durchaus vor Herausforderungen. Das ist die Verkehrsinfrastruktur mit maroden Brücken, die unsere Kunden an der reibungslosen An- und Abreise hindern. Das ist der Bahnhof Köln Messe/Deutz als erster Eindruck, den hochkarätige Geschäftsreisende in Köln erhalten. Das sind fehlende hochklassige Hotels großer internationaler Marken, die für Spitzenkongresse und auch viele Messethemen unverzichtbar sind. Unsere Aussteller aus der ganzen Welt sprechen diese Dinge an. Sie müssen im Interesse des gesamten Standorts mittelfristig gelöst werden.

Vielen Dank für das Interview!

Die Top 8 Trends in der Digitalen Welt 2016 - erläutert von Michael Müller Berg, Telekom

Michael Müller Berg, Telekom
Foto: Telekom

1. Standardapplikationen wandern in die Cloud

  • Standardisierbare Lösungen wie E-Mail, Collaboration oder Customer-Relationship-Management in die Cloud verlagern.
  • Erfolgskritischer Faktor für Europa ist die Datenhaltung in Deutschland bzw. der EU

2. Customer Experience wird ganzheitlich umgesetzt

  • Bewusstsein für die große Bedeutung der Customer Experience steigt rapide
  • Technologische Umsetzung folgt der Erkenntnis auf Managementebene 

3. Aufbau von Kundenloyalität liegt im Fokus

  • Das Treffen der exakten Präferenz in Echtzeit erhöht die Loyalität
  • Analyse-Technologien sind vorhanden. Es geht um das „Machen“

4. Endgeräte werden stärker vernetzt

  • Smarte Endgeräten wie Tablets oder Smartphones. Neue Systeme die Daten erfassen und senden (z.B. Smart TVs über Spielekonsolen bis hin zu Connected Cars)
  • Interoperabilität zwischen den unterschiedlichen Endpunkten ist wichtig, um den Mehrwert für den Nutzer abzuleiten.

5. Inhalte werden für digitale Assistenten optimiert

  • Optimierung von Inhalten ist für Suchmaschinen bzw.  Unternehmen im digitalen Business schon lange ein wichtiger Erfolgsfaktor.
  • Digitale Assistenten verbreiten sich (z.B. Apple Siri, Microsoft Cortana oder Google Now).

6. Virtual Reality setzt sich weiter durch

  • Virtual-Reality-Brille Oculus Rift kommt auf den Markt. Primäreinsatzgebiet: Gaming.
  • Impact für B2B: z.B. virtuelle Rundgänge durch Immobilien bzw. Geschäfte.  auf den Markt kommen.

7. Innovationsfähigkeit wird zum Stabilitätsfaktor

  • Früher: Firmen mit beständigen Angeboten waren die größten Konzerne der Welt.
  • Heute: Die globalen Top10 werden mit Apple und Google mittlerweile von Unternehmen angeführt, die für ständige Innovationen bekannt sind. (wichtig: ständiges Sich-selbst-hinterfragen und Neuorientieren sind die besten Garanten für Stabilität) sind.

8. IT und Business wachsen weiter zusammen

  • Der zentrale Treiber hinter dieser Entwicklung ist die IT. Sie ermöglicht es Unternehmen, permanent neue Geschäftsmodelle hervorzubringen und macht viele von ihnen überhaupt erst möglich.
  • IT wird spätestens jetzt zentraler Bestandteil der allgemeinen Geschäftsstrategie.

 

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