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Foto: Sehenswert
Porträt

Köln als Gemeinschaftserlebnis

Sehenswert-Inhaberin Stephanie Biernat zu Köln, Tourismus, Stadtführungen und den Geschmack von Städten

Text: Susanne Hartmann

Der Blick aus dem Kontor von Stephanie Biernat fällt über den Rhein direkt auf das Deutzer Rheinufer, auf die bekannte Ansicht mit dem Aurora-Stern. „Natürlich liebe ich es, hier direkt in diesem neu geschaffenen, modernen Quartier im Rheinauhafen zu arbeiten. Hier habe ich zum einen direkt die industrielle Tradition unserer Stadt vor Augen, aber auch, dass innovative, moderne und ästhetisch anspruchsvolle Quartiere sich sehr gut im Stadtbild machen“, sagt sie. Die Veränderung der Stadt ist seit dem Jahr 2000 ihr ständiger Begleiter - seit dieser Zeit ist sie als Stadtführerin in Köln unterwegs. „Als Stadtführerin muss man alle aktuellen Entwicklungen in der Stadt parat haben“, erklärt Stephanie Biernat. Für sie daher auch eine Selbstverständlichkeit, dass sie sich mit den Plänen zur Umgestaltung des Deutzer Hafens befasst. So kann sie ihren Gruppen nicht nur erläutern, was es mit dem Aurora-Stern auf sich hat, sondern auch, wie sich die Stadt dort im nächsten Jahrzehnt verändern wird. „Das ist wichtig, weil die Menschen bei Führungen genau spüren wollen, wie eine Stadt tickt, welche Dynamik hier herrscht, wie sich das Leben hier anfühlt und welche Themen die Bürgerinnen und Bürger beschäftigen.“

Genießertouren

Angefangen hat Stephanie Biernat nach ihrem Studium als Guide für die damals noch relativ neuen Brauhaustouren durch Köln. Als selbstständiges Projekt hat sie dann gemeinsam mit ihrer damaligen Büro-Partnerin und Kunstexpertin Anke von Heyl das Format der Genießertouren entwickelt. „Wir haben die Genießertouren als Stadtführungen mit Erlebnissen konzipiert, mit festen Stopps in kleinen, feinen und vor allem authentischen Läden.“ Von Anfang an dabei sind zum Beispiel das Gliss Caffee Contor und das Käsehaus Wingenfeld. Das Angebot wurde schon früh vor allem von Unternehmen gebucht, die entweder eigenen Mitarbeitern oder Kundengruppen besondere Erlebnisse bieten möchten. Stephanie Biernat hat dieses Segment konsequent weiterentwickelt: Mittlerweile verfügt sie über einen Freelancer-Pool, der Gruppen von zehn bis 300 Personen bewältigen kann - und das in sechs verschiedenen Sprachen.

Infotainment und Kulinarik

Dreh- und Angelpunkt bei den Events ist die Persönlichkeit des Guides. „Die Daten und Fakten kann sich heute jeder schnell zusammengooglen, wir vermitteln Geschichte über Geschichten“, sagt sie. Die Anspruchshaltung der Kunden wäre dabei schon, dass ein Guide möglichst auch über alles am Wegesrand und eben auch die aktuellen Aspekte wissen müsse - gerade Gäste aus dem Ausland hinterfragten praktisch alles, was sie sehen würden. In Köln besonders auch die vielen Baustellen, aber auch Tipps für den Shopping-Ausflug nach der Führung. Neben dem Infotainment der Gruppen spielt der Austausch untereinander eine große Rolle: „Unternehmen buchen die Events mit dem Ziel, Kunden oder Teams ein gemeinsames Erlebnis zu verschaffen, gute Emotionen zu wecken oder das Zusammengehörigkeitsgefühl zu beleben.“ Die Überzeugung der 48-jährigen Event-Spezialistin: „Am allerbesten erschließt sich eine Stadt über die Kulinarik. Ich selbst buche in anderen Städten zuallererst immer eine kulinarische Führung.“

Kölner Altstadt punktet

Wie steht Köln im Vergleich mit anderen europäischen Metropolen als Besuchs- und Genussmetropole da? Stephanie Biernat sieht viel Gutes, aber auch noch viel Potenzial in der Domstadt: „Meine Reisen nach Kopenhagen haben mich immer besonders inspiriert - hier funktioniert schick und urban sehr gut nebeneinander. Gerade im Gastro-Bereich scheint mir in Kopenhagen alles etwas unkomplizierter und gleichzeitig sehr ambitioniert zu sein. Ich denke, hier könnten wir uns in Köln von dem ein oder anderen inspirieren lassen.“ Was ihr an Köln gut gefällt, ist zum Beispiel die Entwicklung der Altstadt. „Viele Kölnerinnen und Kölner haben noch gar nicht mitbekommen, was für tolle Orte es hier gibt, wie gut das kulinarische Angebot mittlerweile ist - gerade auch in den traditionellen Brauhäusern. Hier ist viel passiert und es lohnt sich, auch als Kölnerin oder Kölner mal die Stadt aus dem touristischen Blickwinkel zu betrachten.“ Besucherinnen und Besucher der Rheinmetropole lieben vor allem die „Buntheit“ der Stadt, die Lebendigkeit und Vielfalt mache die Gäste regelrecht froh, so Biernat.

Gut vernetzt: Stephanie Biernat
Foto: Astrid Piethan

Tourismus-Netzwerke für die Profis

Apropos Tourismus: Als Profi-Netzwerkerin ist Stephanie Biernat nicht nur für ihre Gruppen tätig, sondern auch innerhalb der Kölner Tourismus-Szene sehr aktiv. „Wir sind über das Cologne Convention Bureau alle sehr gut vernetzt, die Arbeit von Köln Tourismus ist wirklich sehr hervorzuheben“, sagt sie. Auf der anderen Seite wäre ein noch stärkerer Austausch mit anderen gut, bei dem auch mal Projekte vorgestellt werden. Einen ersten Anstoß dazu könnte das Tourismusnetzwerk der IHK Köln bieten, eine regionale, digitale B2B-Unternehmensplattform. Der Gastronomie/Touristik- und Freizeitausschuss der IHK Köln befasst sich mit relevanten aktuellen Branchenfragen, die „Landesweite touristische Innovationswerkstatt“ bietet zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten, ebenfalls mit Beteiligung der IHK Köln.

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