Stichwortsuche

Porträt

"Was fehlt, ist eine Strategie!"

In unserer neuen Serie „Jetzt mal Klartext!“ kommen Unternehmerinnen und Unternehmer direkt zu Wort: Welche Qualitäten hat ihr Standort? Wo gibt es Mängel? Was muss sich ändern? „IHKplus“-Autor Werner Grosch hat mit MICHAEL VOLKMANN, IT-Unternehmer aus Brühl, gesprochen.

Wirtschaftsinformatiker Michael Volkmann gründete 2004 die simply communi­cate GmbH, die als Dienstleister vor allem für Organisationen, Vereine sowie kleinere und mittlere Unternehmen in den Bereichen IT und Telefon­anlagen aktiv ist. Seit 1. April 2016 sitzt die Firma mitten im Brühl direkt neben dem Rathaus.
Foto: Ulrich Kaifer


? Wenn Sie Ihrem Standort eine Schulnote geben müssten – welche hätte er verdient?
Michael Volkmann: Da muss ich differenzieren: Was die Lebensqualität angeht, die ja auch für die Attraktivität für Arbeitskräfte wichtig ist, eine klare Eins! Wir haben hier die Ville, haben Seen, tolle Spielmöglichkeiten für Kinder, haben Weltkulturerbestätten, die Stadt ist überschaubar und bietet doch alles. Und wenn es mal etwas nicht gibt, ist man sehr schnell in Bonn oder Köln.

? Und in anderen „Fächern“ sieht es schlechter aus?
! Was das Unternehmerische angeht: Ja. Die Stadt legt großen Wert auf Wohnkultur und hochwertigen Einzel­handel, und das hat ja auch Vorzüge und gute Gründe – aber anderes wird dagegen vernachlässigt. Der Verkehrsanbindung würde ich nur eine Drei bis Vier geben, Parkplätze gibt es in der Brühler Innenstadt fast gar nicht. Die Stadt hat jetzt einen Mobilitätsmanager, der vielleicht für Besserung sorgen kann.

Und was ist die größte Schwäche?
! Der Mangel an Gewerbeflächen. Es gibt nur noch ein einziges ausgewiesenes Gewerbegebiet, und Flächen in direkter Nachbarschaft, die auch für Gewerbe da sein sollten, sollen jetzt entgegen früherer Aussagen in Wohngebiet umgewandelt werden. Wir interessieren uns seit zwei Jahren für eine Fläche, von der es immer hieß, wir könnten da etwas kaufen. Aber lange gab es keinen Bebauungsplan. Als der dann endlich da war, hieß es bei der Stadt: Kaufen geht nicht mehr, nur noch über Erbpacht. Später gab es wieder die Kehrtwende, Kaufen geht nun doch. Was fehlt, sind Verlässlichkeit und eine erkennbare Strategie.

Sie sind ja erst Anfang des Jahres innerhalb von Brühl umgezogen. Wie haben Sie denn da die passenden Räume gefunden?
Indem ich eigens ein neues Unternehmen gegründet habe, die Brüneo GmbH! Über diese Firma haben wir ein Businesscenter mitten in der Stadt eröffnet, in dem jetzt neben der simply communicate GmbH bereits fünf andere Unternehmen Mieter sind. Für uns alleine wäre es sehr schwierig geworden, passende Räume zu finden.

? Wird die Wirtschaft in Brühl also zu wenig gefördert?
! Ich habe mal gesagt: Wer glaubt, dass die Wirtschaftsförderung die Wirtschaft fördert, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Das ist nicht so böse gemeint, wie es klingt, denn wir haben einen sehr guten Kontakt zur entsprechenden Stelle in Brühl. Aber die Wirtschaft fördern, das tun die Unternehmer! Andere können nur beraten, begleiten und die Weichen stellen.

Können wir, die IHK Köln, etwas tun?
! Ich bin keiner, der jammert und immer was von anderen erwartet. Die IHK berät und begleitet und schafft Netzwerke wie das Wirtschaftsgremium. Das ist gut – aber die Initiative muss von uns kommen, den Unternehmern!

WEITERE THEMEN