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Hat Lob für die Kommune übrig: Spediteur Willi Kellershohn aus Lindlar. Foto: Aliki Monika Panousi
Porträt

„Sehr bürgerfreundlich“

In unserer Serie „Jetzt mal Klartext!“ kommen Unternehmerinnen und Unternehmer direkt zu Wort: Welche Qualitäten hat ihr Standort? Wo gibt es Mängel? „IHKplus“-Autor Werner Grosch hat mit WILLI KELLERSHOHN, Spediteur aus Lindlar, gesprochen.

? Herr Kellershohn, wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Standort?
! Wir sind schon ganz zufrieden. Über die Jahre ist die Wohnbebauung an uns herangewachsen, und da wir als Spedition natürlich nicht ganz geräuschlos arbeiten können, ist das nicht ganz einfach. Aber wir pflegen ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft und haben auch Maßnahmen getroffen wie Schalldämpfer für unsere Gabelstapler, die die Lärmbelastung reduzieren. Außerdem laden wir einmal im Jahr Kunden, Partner und auch Nachbarn ein und verschenken Weihnachtsbäume. Das kommt gut an...

? Die Nähe zum Wohngebiet ist ja für viele Betriebe ein Problem. Wie ist es bei Ihnen dazu gekommen?
! Das sind halt gewachsene Strukturen. Als wir hierherzogen, war das ein reines Gewerbegebiet, aber heute sind wir der letzte Betrieb, der überhaupt noch da ist. Wenn Sie Fahrer fragen, wohin sie am liebsten liefern, sagen die alle: Holland. Dort liegen die Industriegebiete alle weitab von Wohngebieten und dafür direkt an den Autobahnen. Eine solche Entwicklung ist in Deutschland leider verschlafen worden.

? Hat die Gemeinde Lindlar in Sachen Flächen richtig geplant?
! Lindlar hat sich hier schon gut aufgestellt und Flächen für Industrie und Gewerbe ebenso ausgewiesen wie für Wohnbebauung. Das war keine schlechte Idee. Die Gemeinde arbeitet auch sehr bürgerfreundlich, das machen die schon gut.

? Für Sie als Spediteur müsste die Verkehrsanbindung eher ein Problem sein.
! Die Anbindung ist nicht die beste, aber wir sind damit groß geworden und kommen damit klar. Im benachbarten Wipperfürth ist diese Situation noch viel schlechter. Aber für uns bedeutet das ja auch, dass ein Mitbewerber etwa aus Gummersbach auch nicht so schnell hier sein kann – deshalb sind wir bei den Kunden im engeren Umkreis durchaus im Vorteil.

? Klingt alles gut. Gar keine Probleme?
! Unser größtes Problem sind die Datenleitungen. Die Verbindung ist zu langsam, fällt oft aus. Hier wären die Kommune und Anbieter wie Telekom schon gefragt. Leider haben sich die Bürger in einer Befragung vor Jahren gegen ein Glasfasernetz ausgesprochen. Aber damals war Internet noch nicht das große Thema.

? Wie sieht es mit Fachkräften aus?
! Natürlich spüren wir auch den Mangel. Aber man muss sich zu helfen wissen: Vor einiger Zeit haben wir eine Firma für die Schulung von Fahrern gegründet, die inzwischen auch für die Ausbildung von Berufskraftfahrern zertifiziert ist. Und da finden wir im Augenblick unser Personal.

Der Unternehmer
Willi Kellershohn ist Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition im oberbergischen Lindlar. Sein Urgroßvater hat den Betrieb vor mehr als 120 Jahren als Fuhrunternehmen gegründet. Heute bietet Kellershohn nicht nur die klassischen Transportleistungen, sondern auch Lagerkapazitäten etwa für die Zwischenlagerung von Saisonware, zudem einen Verpackungs- und einen Palettenservice.