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Thomas Kaiser, Geschäftsführer der Denso Gruppe in Leverkusen Foto: Ulrich Kaifer
Porträt

„Vorteil wird zum Nachteil“

In unserer Serie „Jetzt mal Klartext!“ kommen Unternehmerinnen und Unternehmer direkt zu Wort: Welche Qualitäten hat ihr Standort? Wo gibt es Mängel? „IHKplus“-Autor Georg Watzlawek hat mit Thomas Kaiser gesprochen, Geschäftsführer der Denso Gruppe in Leverkusen.

Sind Sie mit dem Standort zufrieden?

Die Stadt hatte sich immer durch ihre gute Verkehrsanbindung ausgezeichnet: die Nähe zu zwei Flughäfen, zu den Autobahnen. Das war nach dem Zweiten Weltkrieg ein entscheidender Punkt für den Umzug von Berlin hierher. Leider kehrt sich das jetzt ins Negative um: Der Verkehr belastet Mitarbeiter, Partner und das Unternehmen.

Wie wirkt sich das konkret aus?

Teilzeit ist bei einem hohen Zeitanteil für den Weg zur Arbeitsstätte nicht mehr attraktiv. Wir haben schon eine Fachkraft verloren, die eine Fahrzeit von über zwei Stunden nicht mehr erdulden wollte. Unsere Geschäftspartner können ihre Termine nicht mehr effizient planen. Eilige Lieferungen werden schwieriger.

Finden Sie ausreichend Nachwuchs und Fachkräfte?

Das Hochschulangebot ist sehr gut. Aber den vielen Absolventen stehen große Arbeitgeber, wie zum Beispiel die Ausgliederungen der damaligen Bayer AG, gegenüber. Das macht es uns Mittelständlern schwer.

Können Sie das durch eigene Ausbildung abfangen?

Nur bedingt. Die Ausbildung verliert in der Gesellschaft an Anerkennung. Selbst Nachwuchskräfte, die eine Ausbildung absolviert haben, streben häufig noch einen akademischen Abschluss an. Dies ist weder für die Betriebe gut noch für die Menschen.

Mehr Bildung ist nicht gut? Warum?

Weil die Gesellschaft eine Minderwertigkeit vermittelt und damit Menschen zu einer akademischen Weiterbildung treibt, die sie aus eigener Überzeugung gar nicht anstreben. Hinzu kommt, dass so viele Bachelor-Absolventen nicht benötigt werden. Wir brauchen eben nicht nur Abiturienten und Akademiker.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, mit Denso Leverkusen zu verlassen?

Wir haben derzeit keine konkreten Verlagerungspläne. Die mittelständische Industrie hat im Vergleich zu Konzernen in der Regel weniger oder schlechtere Möglichkeiten zur Standortverlagerung. Auf der anderen Seite findet sich im Mittelstand ein verlässlicher, sich mit dem Standort identifizierender, solidarischer Partner der Region. Wenn die Balance aber aus den Fugen gerät, Zukunfts- und Wachstumsaussichten sich am Standort nachhaltig eintrüben, kann auch diese Verbundenheit nicht mehr die Standorttreue garantieren.

DER UNTERNEHMER

Thomas Kaiser ist Geschäftsführer der Denso Group Germany, die 1922 in Berlin gegründet und mit der sogenannten Denso-Binde rasch zum Marktführer beim Korrosionsschutz von Röhren wurde.

Kaiser ist Diplom-Ingenieur und 2012 gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer Max Wedekind mit dem Leverkusener Unternehmerpreis ausgezeichnet worden. Er ist Mitglied im Wirtschaftsgremium Leverkusen. Denso hat seinen Sitz in Leverkusen-Rheindorf und beschäftigt insgesamt 200 Mitarbeiter.

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