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Der 11. Digital Talk in der IHK Köln Foto: Olaf-Wull Nickel
Aktuelles

Jahresrückblick 2018: Die Themen der IHK Köln

Der Brexit
Kommt er nun? Oder doch nicht? Oder später? Der Brexit war zweifellos eines der beherrschenden Themen des Jahres – und wird es auch im neuen Jahr bleiben. Denn immer noch ist nicht klar, wohin die Reise geht. Gut drei Monate vor dem geplanten Austrittstermin der Briten aus der EU ist das natürlich eine fatale Situation. Neun von zehn Firmen in unserer Region, die überhaupt im Ausland aktiv sind,  exportieren Waren oder Dienstleistungen ins Vereinigte Königreich. Sie alle müssen sich jetzt darauf vorbereiten, dass Großbritannien bald wie ein Drittland zu behandeln ist, und das kann zum Beispiel umfangreiche Zollformalitäten bedeuten. Als IHK Köln haben wir auf die Konsequenzen eines Brexit für viele Unternehmen in unserer Region hingewiesen und standen unseren Mitgliedern vor allem mit Informationen und Beratung zur Seite. Bei einer Info-Veranstaltung in unserem Haus konnten wir rund 250 Interessenten begrüßen.

Protektionismus und Handelskriege
Der Austritt aus einem gemeinsamen Wirtschaftsraum lässt sich in Anlehnung an Donald Trump auch unter dem Motto „United Kingdom first“ beschreiben. Die USA ihrerseits haben nicht nur Handelsabkommen aufgekündigt, sondern mit Strafzöllen gegenüber EU-Staaten oder auch gegenüber China Auseinandersetzungen auf die Spitze getrieben. Die im Frühjahr verhängten Zölle auf Stahl und Aluminium haben auch hiesige Unternehmen getroffen.
 
Konjunktur
Bei allen weltweiten Turbulenzen zeigt sich die deutsche Wirtschaft im Jahr 2018 ja immer noch erstaunlich robust. Das gilt gleichermaßen für unsere Region. Zwar zeigte unsere jüngste Konjunkturumfrage im Herbst, dass der Optimismus für die nähere Zukunft etwas nachlässt, aber die aktuelle Lage beschrieben neun von zehn Unternehmen zumindest als befriedigend. Bei den gedämpften Erwartungen machen sich die internationalen Krisen und die Gefahr durch Handelsbarrieren und Zölle bemerkbar. Als Hauptrisiko sehen die Unternehmen aber den Fachkräftemangel. Das war auch bei der Frühjahrsumfrage schon so, und das wird wohl auch so bleiben.

Fachkräftemangel verschärft sich
Aktuelle Daten bestätigen die Erfahrungen der Unternehmen. Nach dem Fachkräftereport, den wir Anfang Dezember gemeinsam mit IHK NRW vorgelegt haben, werden Industrie, Handel und Dienstleistungsbranche in der Region Köln im Jahr 2030 rund 88.000 Fachkräfte fehlen. Gegenüber dem Jahr 2018 bedeutet das eine Steigerung um 76 Prozent. Dementsprechend ist und bleibt dieser Mangel natürlich ein Topthema für uns. Und dabei setzen wir noch intensiver als bisher auf die Förderung des Nachwuchses. Mit der ständigen Ausbildungsstellenvermittlung, mit der Azubi-Hotline, dem Azubi Speed Dating, der Kampagne #ichwerdewas, den Recruiting Days oder auch dem Projekt Ausbildung 4.0 haben wir auch in diesem Jahr viel dafür getan, dass Unternehmen und Nachwuchs zusammenfinden. Die Arbeit unserer Willkommenslotsin und auch die Programme der IHK-Stiftung für Ausbildungsreife und Fachkräftesicherung leisten hierzu einen weiteren wichtigen Beitrag, gerade mit Blick auf geflüchtete Menschen, denen wir zum Einstieg in Ausbildung und Beruf verhelfen.

Hürden für die Wirtschaft
Die seit Mai geltende Datenschutzgrundverordnung, das neue Verpackungsgesetz oder das Gesetz zur Brückenteilzeit, die beide ab Januar gelten werden: Das sind einige Beispiele für neue Herausforderungen, die auf die Unternehmen zukamen und -kommen. Bei all diesen Themen haben wir unsere Mitglieder mit Beratungsangeboten, Veranstaltungen und Info-Material unterstützt. Glücklicherweise gab es in diesem Jahr ja auch Entlastungen, wie das Entfesselungspaket III der Landesregierung, das vor allem für einfachere Planungen und schnellere Genehmigungsverfahren im Sinne der Wirtschaft sorgen soll. Mein folgendes Thema zeigt allerdings, dass manche politischen Maßnahmen noch nicht ausreichen.


Engagement für den Handel
Noch Anfang Dezember hat ein Gericht drei Verkaufsoffene Sonntage in Kölner Stadtteilen, die vom Rat genehmigt worden waren, kurzfristig verboten. Dies geschieht in der gesamten Region in unschöner Regelmäßigkeit und zeigt, dass der Handel hier nach wie vor allein gelassen wird. Zwar hat die Landesregierung die Zahl der möglichen Verkaufsoffenen Sonntage pro Jahr erhöht, aber sie hat die Regeln dafür nicht klar genug gefasst. Letztlich trifft diese Unsicherheit die Händler, denen Umsätze entgehen und die auf Kosten für die Vorbereitung sitzen bleiben. Unsere Vollversammlung hat sich in dieser Frage klar positioniert, und die IHK Köln insgesamt hat in zahlreichen Statements auf die Misere aufmerksam gemacht.

Nach einem erfolgreichen Jahr 2018 wird der von uns initiierte  „Handelskümmerer" auch in 2019 gemeinsam mit der Stadt Köln unter Beteiligung des Handelsverbandes und weiterer Unterstützer weiterarbeiten.

Dauerbrenner Straßenverkehr
Jahrelang hat uns vor allem die Situation der A1-Brücke zwischen Köln und Leverkusen beschäftigt, nun geht der Neubau offenbar voran. Die Themen gingen uns deshalb auch dieses Jahr nicht aus, denn die Verkehrssituation in und um Köln ist nach wie vor sehr schwierig. Noch schwieriger wird es für viele Unternehmen, wenn tatsächlich Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge in Köln kommen. Wir haben in Veranstaltungen, Statements und Gesprächen mit Verantwortlichen vielfach auf die möglichen drastischen Folgen hingewiesen und Ausnahmen etwa für innerstädtische Lieferverkehre gefordert.

Debatte um die Ost-West-Achse
Die gewünschte Erweiterung der Kapazitäten für die Kölner Stadtbahn auf der Ost-West-Verbindung wird wohl eines der heißen Themen der nächsten Jahre werden. In einer Resolution hat sich die Vollversammlung klar für eine Tunnellösung ausgesprochen, die mindestens vom Heumarkt bis zum Aachener Weiher reicht. Im Augenblick scheint offen, ob diese unterirdische Variante wirklich geplant wird. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, weil ein echter Gewinn für den Verkehrsfluss durch die Kölner Innenstadt nur so zu erreichen sein wird.

Sanierung des IHK-Hauptgebäudes
Wir sind bei dem Umbau voll im Plan, und das betrifft den Zeitrahmen ebenso wie das Budget. Entgegen einer verzerrenden Berichterstattung im Kölner Stadt-Anzeiger gehen wir im Augenblick nicht von einer Kostensteigerung aus. Natürlich gibt es noch Risiken und Unwägbarkeiten, das kann im jetzigen Stadium auch gar nicht anders sein. Aber der Stand der Dinge macht mir Mut. Für die etwa zweijährige Umbauphase haben wir in Köln-Braunsfeld auch ein sehr gutes, modernes Interimsquartier für die Büro-Arbeitsplätze gefunden, und mit den MMC-Studios in Ossendorf auch einen tollen Ersatz für unsere Veranstaltungsräume.

Innovationen unterstützen und den Standort fördern
Die Unterstützung von Innovationen und die Förderung des Standortes sind zwei unserer zentralen Anliegen. In diesen Bereichen sind öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen besonders wichtig - aus einer langen Reihe im Jahr 2018 hier einige Beispiele:

Die Veranstaltung „Neue Mobilität bewegt unsere Region 3.0“ präsentierte im Juni in Hürth funktionierende und innovative Ansätze mit dem Ziel, den Wirtschaftsstandort bei der Umsetzung von Null-Emissionsmaßnahmen in der Mobilität zu fördern und anhand ausgewählter Projekte einen Blick in die Zukunft zu wagen. Geboten wurden diverse Foren für Unternehmen (Lieferverkehre/Last Mile mit E-Lastenrädern, Infrastruktur) und Kommunen (ÖPNV, E-Mobilität im ländlichen Raum, Kommunaler Fuhrpark) sowie ein Innovations-Forum.
 
„Energieinnovationen: Zukunft von KWK- und Speichertechnologien - Innovativer Energieeinsatz in industriellen Produktionsprozessen“ hieß eine Veranstaltung im November in Köln. Gasturbinen oder Brennstoffzellen als Bestandteil neuartiger Technologien für die Kraft-Wärme-Kopplung bieten in Verbindung mit innovativen Speicherkonzepten Möglichkeiten für eine Flexibilisierung von industriellen Prozessen mit wirtschaftlichem Nutzen.

Bei einer Veranstaltung im September stand die Frage im Mittelpunkt, wie Gemeinden künftig mit der Ausweisung von Gewerbe- und Industrieflächen umgehen sollten.

Parteichefs im Boxring
Ein Highlight des Jahres war natürlich „The Match II“, als Andrea Nahles und Christian Lindner bei uns im Börsensaal gemeinsam in den Ring stiegen und vor vollbesetzten Reihen ihre politischen Ideen diskutierten. Die Veranstaltung kam auf Initiative des Netzwerks Mittelstands zustande. Überhaupt gab es wieder großes Engagement aus dem IHK-Ehrenamt. Zum Erfahrungsaustausch und zugleich als Dank für das Engagement trafen sich unser Präsident Dr. Görg und und ich uns wieder mit den Vorsitzenden der regionalen Wirtschaftsgremien, diesmal im Landhaus Spatzenhof in Wermelskirchen. Beim Talk über die Wirtschaftsentwicklung betonte Präsident Görg die Bedeutung der Versorgungssicherheit für die häufig energieintensive Industrie in der Region.
 
Hilfe für Start-ups
Unsere Unterstützung für Gründer und Start-ups haben wir in diesem Jahr weiter intensiviert. Dazu gehört der Gründertag, die Orientierungs-Veranstaltung Gründungskompass, aber auch vielfache individuelle Beratung und Coaching. So konnten Gesundheits-Start-ups aus unserer Region auf der Fachmesse Medica möglichen Investoren präsentieren.


Wichtige Veröffentlichungen
Wie jedes haben wir auch 2018 dafür gesorgt, dass öffentliche und politische Debatten auf einer soliden Basis stattfinden können. Neben den regelmäßigen Konjunktur- und KMU-Umfragen gab es dieses Jahr eine neue
Standortanalyse zur Kultur- und Kreativwirtschaft, eine Studie zur Pendlermobilität und auch eine zur Bedeutung der Energie als regionaler Wertschöpfungsfaktor.


Strukturwandel im Rhein-Erft-Kreis     
Sie haben es alle mitbekommen: Die Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst haben ja wochenlang die Schlagzeilen beherrscht. Inzwischen scheint klar, dass der Strukturwandel der Region – und damit auch ganz wesentlich des Rhein-Erft-Kreises, der zu unserem Kammerbezirk gehört – an Tempo zulegt. Deshalb müssen jetzt die Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit der heute prosperierende Wirtschaftsstandort mit dieser Entwicklung Schritt halten kann. Unsere Geschäftsstelle in Bergheim kümmert sich intensiv um die Unternehmen vor Ort, die sich um eine sichere und bezahlbare Energieversorgung, Planungssicherheit und den Wegfall von Wertschöpfungsketten sorgen. In diesem Zusammenhang ist
das Gewerbeflächenentwicklungskonzept, das die Geschäftsstelle gemeinsam mit Partner im Mai 2018 an die Bezirksregierung übergab, von besonderer Bedeutung. Denn bis 2035 besteht demnach ein Bedarf von rund 400 Hektar neuer Gewerbe- und Industrieflächen – gerade mit Blick auf den Strukturwandel dürfen wir hier keine Zeit verlieren!

Neue Heimat für die Geschäftsstelle in Rhein-Erft
Im Januar hat die Geschäftsstelle in ihren neuen Räumen in Bergheim offizielle Eröffnung gefeiert. Der große Andrang hochrangiger Gäste bei der Feier zeigte die Bedeutung der IHK-Arbeit für den Kreis. Die neuen Räume bieten mehr Platz für das in den vergangenen Jahren gewachsene Team und schaffen zudem bessere Möglichkeiten für Beratungsgespräche und auch für Weiterbildungsveranstaltungen.
 
Engagement für die Industrie in Oberberg
Zum dritten Mal fand in diesem Jahr die Lange Nacht der Industrie im Oberbergischen Kreist statt. Mehr als 700 Teilnehmer haben 15 Unternehmen in ganz Oberberg besucht. Diese Veranstaltung, zu deren Trägern wir gehören,  ermöglicht Interessierten, Schülerinnen und Schülern, aber auch Fachkräften und Hochschulabsolventen, an einem Abend  Einblick in spannende Berufe und Tätigkeiten zu bekommen. Die vierte Lange Nacht der Industrie findet am 27. Juni 2019 statt und zeigt live, wie moderne Industrie heute funktioniert.

Azubi Social Day
Auch der „Azubi Social Day“ ist eine Aktion, mit der wir dazu beitragen wollen, das Image der Industrie zu verbessern und ihre Bedeutung für die Menschen an ihren Standorten aufzuzeigen. Im September fand dazu erstmals ein „Azubi Social Day“ im Oberbergischen Kreis statt. Einen Tag lang haben sich mehr als 100 Auszubildende von sechs Unternehmen der Region in den Dienst einer sozialen Einrichtung gestellt und dabei Räume renoviert, Spielgeräte repariert oder mit Kindern gespielt. Die Auszubildenden lernen, dass Gutes tun auch Spaß macht, und stärken ihre sozialen Kompetenzen. Parallel dazu fand der Azubi Social Day schon zum dritten Mal im Rheinisch-Bergischen Kreis statt.

Für bessere Mobilität in Leverkusen
Unsere Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg hat 2018 im Wirtschaftsgremium Leverkusen einen Arbeitskreis Mobilität ins Leben gerufen. Hervorgegangen aus der Initiative „Zukunft Leverkusen“ begleitet der AK intensiv die Erarbeitung eines Mobilitätskonzeptes für Leverkusen und sorgt dafür, dass die Belange der Wirtschaft in diesem Konzept nicht zu kurz kommen.

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