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"Würde ich genauso planlos und unkoordiniert arbeiten wie unsere politischen Entscheidungsträger, hätte ich meine Firma längst schließen müssen." Foto: Michael Claushallmann
02.2021

"Würde ich so planlos und unkoordiniert arbeiten wie unsere politischen Entscheidungsträger, hätte ich meine Firma längst schließen müssen."

Interview mit Susanne Werner, Geschäftsführerin der MSH Veranstaltungstechnik.

Wie ist die Lage für Sie aktuell, wie war sie bisher während der Pandemie?
Ich arbeite jetzt schon seit 40 Jahren im Bereich der Veranstaltungstechnik. In meiner Branche stehen Veränderungen und ständig neue Herausforderungen auf der Tagesordnung und gehören zu meinem beruflichen Alltag. Ich bin das gewohnt und liebe meinen Beruf gerade deshalb besonders. Dennoch erschrecken mich die mit dem Infektionsgeschehen verbundene Perspektivlosigkeit und das politische Chaos sehr. In meinem Beruf habe ich immer einen Plan B in der Tasche und Plan C-Z als Option im Hinterkopf. Wenn sich etwas anders als geplant entwickelt, kann ich rechtzeitig eingreifen und meine Kunden noch immer auf angepasstem Weg zufriedenstellen. Das ist in der momentanen Situation unmöglich. Es lässt sich einfach keine Perspektive entwickeln.

Wie finanzieren Sie sich?
Im Moment hauptsächlich durch die staatlichen Hilfen: Kurzarbeitergeld, Soforthilfe, Überbrückungshilfe eins und zwei, Novemberhilfe - und so weiter -  sind beantragt und teilweise schon ausgezahlt worden. Aber das ist noch lange keine Planungsgrundlage für die Zukunft. Niemand kann vorhersagen, welche Finanzierungshilfen wann in welcher Höhe bewilligt und dann auch tatsächlich ausgezahlt werden. Die Abrechnungsmodalitäten inklusive gegenseitiger Aufrechnung sind auch völlig unklar. Daher wird es wahrscheinlich so kommen, dass ich zugeteiltes und ausgegebenes Geld wieder zurückzahlen muss. Zum Schluss müssen die Mittel dann noch als Einnahmen versteuert werden, wofür ich aber keine Reserven und Rückstellungen bilden darf. Aus kaufmännischer Sicht ist das Selbstmord. Noch schlimmer für mich persönlich ist aber, dass für meinen Lebensunterhalt als Unternehmerin nur Hartz 4 vorgesehen ist.

Was haben Sie an Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt?
Die Themen Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten und die Sicherheit von Veranstaltungen sind von Anfang an in unserer Firma präsent gewesen. Es war auch ein zentraler Punkt bei meiner Meisterausbildung und wurde später durch Schulungen und Seminare vertieft. Schon unsere Auszubildenden eignen sich diesbezüglich in der Berufsschule und in der betrieblichen Praxis Wissen an. Deshalb ist die Sicherheit von Mitarbeitern und Teilnehmern von Veranstaltungen für uns selbstverständlich. Außerdem gibt es ständig neue Gesetze, Verordnungen und DIN-Normen, die beachtet werden müssen. Ich sehe in den Hygiene- und Schutzmaßnahmen eine neue große und wichtige Anforderung, die wir pragmatisch und effektiv umsetzen. Vorausgesetzt, wir haben die Möglichkeit dazu.

Was sind Ihre Zukunftsplanungen?
Im Moment fehlt mir jegliche Planungsbasis. Aktuell besteht ein großer Bedarf bei Streaming-Events und Online-Kommunikation, wir arbeiten fast nur in diesen Bereichen. Doch weil das nicht zu unseren Kernkompetenzen gehört, müssen wir viel outsourcen und die Aufträge sind nicht sehr rentabel. Diese Jobs dienen hauptsächlich zur Kundenbindung und zur Mitarbeitermotivation.

Was erwarten Sie jetzt und künftig von der Regierung/Verwaltung? Was brauchen Sie?
Ich erwarte eine stringente und pragmatische Linie mit vorhersehbaren und nachvollziehbaren Entscheidungen, welche in absehbarer Zeit zu Ergebnissen führen. Würde ich genauso planlos und unkoordiniert arbeiten wie unsere politischen Entscheidungsträger, hätte ich meine Firma längst schließen müssen.

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