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„Die Zeit ließe sich nutzen, um Attraktivität und Sicherheit Kölns zu verbessern und so den Standort für die Zukunft zu stärken.“ Leon Heymann, Geschäftsführer der Zeitlos GmbH, Hotel am Augustinerplatz. Foto: Michael Claushallmann
02.2021

"Wir brauchen bundesweit einheitliche Lösungen - mit Anträgen, die zu verstehen sind, und zeitnah ausgezahlte Hilfen, damit die Wirtschaft nicht in die Knie geht."

Wie ist die Lage bzw. Wie war die Lage während der Pandemie?
Der Unterschied zwischen dem ersten Lockdown und jetzt dem Zweiten ist schon erheblich. Letztes Jahr im März hat es sich so angefühlt, als hätten die Menschen noch einen Glauben. Viele haben die Reservierung verschoben oder storniert, waren aber in der Regel auf der Suche nach Ausweichterminen, um dann natürlich wieder anzureisen und den Geschäftstätigkeiten nachzukommen. Das war maximaler Aufwand, da wir es mit einer Flut von Stornierungen zu tun hatten, die ihresgleichen sucht.
Der Lockdown jetzt ist wie ein Dornröschenschlaf. Es wird nichts mehr bewegt, es wird kaum gesprochen, kaum telefoniert, kaum nach Ausweichterminen gesucht oder Tagungen geplant. Außerdem fehlt uns als Ausbildungsbetrieb natürlich jegliche Grundlage, auszubilden. Wir machen das mit Rollenspielen und versuchen eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich auch wohlfühlt als Mitarbeiter. Das sind also Welten zwischen erstem und zweitem Lockdown.

Welche Hygienemaßnahmen haben Sie umgesetzt?
Wir haben das komplette Portfolio an Hygienemaßnahmen umgesetzt, um bestmöglich aufgestellt zu sein. Wir haben Desinfektionsstellen aufgebaut, bestimmte Laufwege geschaffen und Spuckschütze aufgestellt, damit Gäste und Mitarbeiter geschützt sind. Wir verfügen über etliche FFP-2 und FFP-3 Masken sowie Hygienehandschuhe für unsere Mitarbeiter*Innen. Die größte Investition sind allerdings die Lüftungsanlagen gewesen, die wir komplett verfeinert haben. Die Klimaanlagen wurden mit neuen Filtern upgedatet und in den Öffentlichkeitsbereichen haben wir Aerosollüfter aufgestellt, um die Luft umzuwälzen und saubere Luft auszustoßen. In total würde ich das alles mit etwa 15 bis 20 Tausend Euro beziffern, die wir bis jetzt investiert haben, um die Hygienemaßnahmen umzusetzen.

Was würden Sie tun, um wieder öffnen/arbeiten zu können?
Wir müssen es schaffen, dass zum einen die Attraktivität und das Sicherheitsgefühl bei den anreisenden Gästen, ob touristisch oder beruflich bedingt, wiederhergestellt wird. Das funktioniert nur mit den richtigen Gremien und der Unterstützung der Kommune, Land und Bund. Parallel kann jeder Betrieb natürlich die kontaktlosen Möglichkeiten, gerade in der Hotellerie, weiter verfeinern. Was wir auch tun. Wenn es hoffentlich mal wieder losgeht und wir Umsätze erzielen, haben wir vor, die Schließanlage der Türen mit einem Transmitter zu versehen. So können wir dem Gast einen Code schicken, und er oder sie kann mit seinem Handy die Türe öffnen, sodass wir auch das letzte Tool, was wir rausgeben, nämlich die Zimmer Karte, nicht mehr benötigen. Und da kann man noch sehr viel machen, um das zu verbessern.

Wie finanzieren Sie sich aktuell?
Die letzten Monate konnten wir uns nur so finanzieren, indem wir alle Rücklagen, die wir in 20 Jahren Selbstständigkeit angeschafft haben, für Investitionen, für Umbauten, für irgendwelche Probleme, komplett aufgelöst und genutzt haben, um unseren Betrieb aufrecht zu erhalten und halbwegs einsatzfähig zu sein. Die Umsätze sind weit über 82 Prozent eingebrochen und davon kann man die Kosten leider nicht decken. Man ist natürlich schwer dankbar für die Hilfen, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, diese zu beanspruchen. Aber wenn man ganz ehrlich ist und sich ansieht, wie schwierig es ist, diese Anträge in Zusammenspiel mit den Steuerberatern auszufüllen, und wie lange es dann dauert, bis wirklich die Transaktion und die Zahlung umgesetzt wird, dann ist das eine Sache, die so gar nicht funktionieren kann. Wir haben jetzt Ende Januar. Die Novemberhilfe ist immer noch nicht ausgezahlt worden, sie wird jetzt erst anteilig per Abschlagszahlungen an die Unternehmen ausgezahlt. Ich frage mich, wie das so weitergehen soll, weil so viel Luft kann kein Unternehmen haben. Kein Hotel, kein Restaurant oder keine Hotelkette. Das wird irgendwann zu einem absoluten Kollateralschaden führen.

Wie sehen ihre Zukunftsplanungen aus?
Die Planung in einer heutigen Zeit irgendwie anzugehen ist sehr schwer, das haben wir ja in den letzten neun Monaten gesehen. Ich glaube, das Wichtigste ist die Hoffnung nicht aufzugeben. Dafür zu brennen, was man tut und sein Haus, ob es nun ein Restaurant oder wie in meinem Fall ein Hotel ist, so aufzustellen, dass wenn es wieder losgeht, die Gäste sich doppelt freuen, da zu sein.

Was erwarten Sie jetzt und künftig von der Regierung?
Bundesweit sollte man nach einer einheitlichen Lösung suchen. Damit, gerade was die Hilfestellungen für die Wirtschaft angeht, die Anträge verständlich sind. Damit sie mit den Steuerberatern gut diskutiert werden können und die Hilfen auch zeitnah ausgezahlt werden, damit die Wirtschaft nicht in die Knie geht. Und in den einzelnen Standorten und Kommunen, finde ich, sollte man die Zeit nutzen, um an einem Projekt zu arbeiten, um den Standort maximal auszubauen, um die Attraktivität und Sicherheit wieder herzustellen. Für die anreisenden touristischen Gäste und Business Reisenden und natürlich auch für die Kölner.

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