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„Die differenziertere Betrachtung einzelner Branchen und Informations-Klarheit, was beispielsweise Einreise-Verordnungen angeht, fehlt.“ Iris Bellingrodt, Geschäftsführerin des Reiseland in Kerpen. Video-Interview auf youtube.com/ihkkoeln Foto: Michael Claushallmann
02.2021

"Es fehlt eine differenzierte Betrachtung einzelner Branchen und Informations-Klarheit."

Wie ist die Lage bzw. wie war die Lage während der Pandemie?
Zu Beginn des Shutdown im März 2020 war es hier ziemlich chaotisch. Die Fluggesellschaften und Reiseveranstalter mussten mit der Situation neu umgehen und kannten die Abwicklung nicht. Genauso wenig wie wir, denn Regeln und Möglichkeiten veränderten sich täglich. Das hat sich natürlich im Laufe des letzten Jahres verändert. Wir wussten mit der Situation viel besser umzugehen, und auch die Kunden waren dann irgendwann an all das gewöhnt, sodass es etwas einfacher wurde.
Die Rückabwicklung war natürlich ein wahnsinniger Aufwand für uns. Den Kunden die Gelder zurück zu holen und so weiter. Insgesamt gesehen ist es jetzt einfach ruhiger geworden.

Welche Hygienemaßnahmen haben Sie umgesetzt?
Um die Hygiene Regeln einhalten zu können, haben wir an den einzelnen Plätzen jeweils einen Spuckschutz installiert. Ansonsten ist das Büro glücklicherweise groß genug, sodass wir die Abstände einhalten können. Zu der Zeit, als wir die Tür noch offen hatten und die Kunden zu uns reinkommen konnten, haben wir die Plätze nach dem jeweiligen Kundenbesuch desinfiziert. Das ist, was wir hier tun konnten.

Was würden Sie tun, um wieder öffnen/arbeiten zu können?
Mit der Situation der verschlossenen Tür haben wir uns eigentlich recht gut arrangieren können. Wir haben natürlich über die digitalen Kanäle oder das Telefon auch die Chance, mit den Kunden zu kommunizieren, zu beraten und schlussendlich auch Buchungen zu platzieren. Nichtsdestotrotz ist natürlich eine offene Tür viel schöner. Das Gespräch mit dem Kunden am Tisch, um Emotionen zu transportieren und das Ganze ein bisschen emotionaler zu machen. Reisen ist nun einmal emotional.

Wie finanzieren Sie sich aktuell?
Wir haben ein Minus von circa 85 Prozent im Jahr 2020 zu verzeichnen. Glücklicherweise waren wir relativ liquide, sodass wir das bisher entsprechend auffangen konnten. Außerdem haben wir natürlich die Hilfen der Bundesregierung genutzt, Soforthilfe und Überbrückungshilfe eins und zwei. Die Soforthilfe war ja von uns selber zu beantragen. Ich würde sagen, das war einfacher als sich im Fitnessstudio anzumelden. Es ging ratzfatz und war auch nach Tagen da. Das ging also wirklich sehr, sehr schnell bei uns. Die Überbrückungshilfe müssen ja über den Steuerberater beantragt werden. Das haben wir auch getan. Das ist relativ umfangreich, aber meines Erachtens nach händelbar. Die Überbrückungshilfe 1 hat etwas auf sich warten lassen, die zweite ging relativ schnell. Allerdings bin ich der Meinung, dass dieses Antragsverfahren viel zu kompliziert ist.

Wie sehen Ihre Zukunftsplanungen aus?
Zukunftspläne bedeuten für uns natürlich, dass die Menschen wieder reisen können, so wie sie es vor der Pandemie tun konnten. Und das ist in diesem Fall natürlich wahrscheinlich möglich, wenn die Impfungen voranschreiten und somit das Reisen weltweit wieder möglich wird. Wir haben hier natürlich das Personal auch zurückfahren müssen in den letzten Monaten, haben aber absolut im Visier, dieses wieder entsprechend aufzustocken, sodass wir ab spätestens Sommer 2021 hier wieder ein Niveau erreichen, wie wir es vorher auch hatten.

Was erwarten Sie jetzt und künftig von der Regierung/Verwaltung?
Also allgemein betrachtet würde ich mir wünschen, dass die Maßnahmen des Lockdowns Branchen übergreifend deutlich differenzierter betrachtet werden. Was unsere Branche angeht, würde ich mir wünschen, dass hier viel mehr Klarheit seitens des RKI Institutes entsteht. Das zum Beispiel Risiko Gebiete deutlicher ausgeschrieben werden oder Einreise Verordnung klarer sind. Das müsste im Grunde tagesaktuell abrufbar sein. Dadurch, dass das so nicht ist, haben wir wahnsinnig viel Arbeit. Wir müssen jeden Kunden einzeln über jedes Detail immer wieder neu informieren. Und die Medienberichterstattung, was das Thema angeht, macht es uns auch nicht leichter. Denn es wird gerne glaubhaft gemacht, dass alles mögliche kostenfrei storniert werden kann oder dass man ein Risiko Gebiet nicht bereisen kann. Das sind Informationen, die nicht ganz korrekt sind und ich glaube, das erschwert es uns in der Touristik oder in der Reisebranche sehr.

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