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Prof. Dr. Barbara Schock-Werner in der IHK Köln Foto: Astrid Piethan
Porträt

Interview im Paternoster

Bei den „Rheinischen Dialogen“ von IHK Köln und Kölner Presseclub suchten Bauunternehmer Paul Bauwens-Adenauer, Schauspiel-Intendant Stefan Bachmann und die Kunsthistorikerin Barbara Schock-Werner Anfang Juli nach Lösungen für bekannte Kölner Probleme – vom drohenden Verkehrskollaps über sanierungsbedürftige Infrastruktur bis hin zur zunehmenden Verwahrlosung des öffentlichen Raums. Themen, die Schock-Werner als Architektin, Denkmalberaterin und ehemalige Dombaumeisterin des Kölner Wahrzeichens besonders bewegen. Seit 2012 im Unruhe-Stand, nimmt sie weiterhin deutlich und vehement Stellung zu Köln. Vor allem da, wo es um architektonische und gestalterische Sünden geht.

Was fällt Ihnen als Erstes ein und auf, wenn Sie nach einer Bestandsaufnahme für Köln gefragt werden?

Die Beweglichkeit und Neugierde der Kölnerinnen und Kölner, verbunden mit einem Hauch von Chaos, das in der Stadt herrscht. Diese Mischung gibt der Stadt einen sehr eigenen Charakter, macht sie kommunikativ und vital, sorgt auch in Zeiten des Online-Handels für gut besuchte Einkaufsstraßen, eröffnet Möglichkeiten, Köln neu zu denken. Zugleich aber fehlt es an Professionalität und Sorgfalt im Umgang mit der Stadt, es fehlt Führung und Gestaltung, es herrscht ein verkehrstechnisches, optisches und planerisches Durcheinander, es gibt keine wirklichen Konzepte für die Entwicklung des sich immer weiter verdichtenden Kölns. Aber es gibt einen Masterplan. Der zehn Jahre alt und in vielen Teilen überholt ist. Er wurde mit viel Tamtam aufgelegt, dann aber nicht konsequent umgesetzt und nicht angepasst. Der Blick von außen ist gut und richtig, aber geplante Dinge müssen eben auch gegen Widerstände und Partikularinteressen, egal von welcher Seite, realisiert werden.

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft Kölns?

Besser planen, schneller umsetzen. Alles wird sehr emotional breit diskutiert und damit oft zerredet. Verkehrsplanung ist nichts für Dilettanten, das braucht Profis. Wenn mir ein Zahn gezogen werden muss, lass ich das ja auch nicht von einem „Runden Tisch“ erledigen, sondern gehe zu jemandem, der das gelernt hat und beherrscht. Dabei sollten wir auch den Mut haben, neu zu denken. Beispiel Roncalliplatz: Warum nicht was Neues bauen, warum nicht einen großen Wurf wagen?

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