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Foto: Gira/H.G. Esch, Hennef
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Moderner Industriebau in und um Köln

Text: Julia Leendertse

Köln ist die viertgrößte Industrieregion Deutschlands. Rund 5.000 Industriebetriebe in Köln und der Region sichern direkt oder indirekt 240.000 Jobs, so die neuesten Zahlen des Industrieatlasses der IHK Köln. Gerade in dicht besiedelten Gebieten stellt das Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten Bürger wie Industrie vor Herausforderungen. „Gelungene Architektur kann einen Beitrag leisten, dass Industriebetriebe in Städten mehr Akzeptanz finden“, so Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik.

Industriebau ist offen und transparent.

Offener und transparenter Industriebau: Kaffeefabrik in Bergisch Gladbach. Ressourcenschonend, emissionsarm und lärmschutz­optimiert.
Foto: Marcus Bollen

Beispiel: Die neue Kaffeefabrik des Herstellers von Kaffeespezialitäten K-fee in Bergisch Gladbach ist ressourcenschonend, emissionsarm und lärmschutz­optimiert.
Im Sommer 2013 startete das Familienunternehmen Krüger auf dem Industrie­gelände Hüttenstraße in Bergisch Gladbach den Bau seiner neuen Hightech-Fabrik zur Produktion von Kaffeespezialitäten. Ende 2014 ging die Anlage samt Hochregallager und gläserner Kaffeerösterei (siehe Bild) in Betrieb.
Eine intensiv gedämmte Gebäudehülle, große 3-fach-Isolierglasflächen und vielfältige weitere Maßnahmen zur Energieeffizienz – wie etwa Bewegungsmelder für die Beleuchtung – sorgen dafür, dass der Bau 30 Prozent weniger Energie verbraucht als vergleichbare Gebäude. Dank einer 10 Meter hohen und 30 Meter breiten Glasfront kann heute jeder an der Senefelderstraße sehen, was im Inneren der Rösterei vor sich geht. Der Großteil der heißen Röstgase wird in den Röstprozess zurückgeführt. Das spart Energie.
Der moderne Industriebau mit seinen etwa 47 Meter hohen Edelstahl-Schornsteinen steht für Offenheit und Transparenz. Aber auch für neue Jobs: Der Lebensmittelhersteller hat für sein K-fee-System Starbucks und Aldi als Exklusivpartner gewinnen können. 160 Mitarbeiter sind bei K-fee tätig.

Industriebau achtet auf Umwelt- und Klimaschutz

Der Kunststoffverarbeiter Gira aus dem oberbergischen Radevormwald setzt auf nachhaltige Architektur.
Foto: Gira/H.G. Esch, Hennef

Beispiel: Klimawandel, Umweltschutz und immer knapper werdende Ressourcen – diesen Herausforderungen stellt sich der Kunststoffverarbeiter Gira aus dem oberbergischen Radevormwald und setzt deshalb ganz auf nachhaltige Architektur. 
Schon beim Bau seines Kunststoffzentrums im Jahr 2003 legte der Spezialist für Elektroinstallations- und Gebäudesystemtechnik größten Wert darauf, so wenig Energie und Ressourcen wie möglich zu verbrauchen. Die Stahlglasfassaden des bekannten Architekten Christoph Ingenhoven sorgen für natürliche Beleuchtung und Belüftung auch der Innenräume.
2003 beschäftigte Gira 847 Mitarbeiter, 2015 waren es 1.248. Gira wächst dynamisch und baut deshalb unweit der Firmenzentrale jetzt ein neues Produktions-, Logistik- und Verwaltungsgebäude. Diesmal engagierte Gira das Architektenbüro Sauerbruch Hutton. Ab 2018 sollen rund 500 Mitarbeiter in den Neubau einziehen.
Zentraler Wärmeerzeuger ist ein effizientes Blockheizkraftwerk, das auch den Strom für den Eigenbedarf liefert. Zugleich wird die erzeugte Wärme per Absorber in Kälte umgewandelt. Beides – Wärme und Kälte – speichert Gira in zwei riesigen Sprinklertanks zwischen.

Industriebau macht optisch was her.

Die Brühler Radius GmbH zeigt mit ihrer solarbestückten Tonnendachhalle, dass Montagehallen nicht wie hässliche Wellblechhütten aussehen müssen.
Foto: Radius GmbH

Beispiel: Der Brühler Hersteller von Wohnaccessoires, „Radius Design“, zeigt mit seiner solarbestückten Tonnendachhalle im Stil eines Flugzeughangars: Montagehallen müssen nicht wie hässliche Wellblechhütten aussehen. Das bewies im Jahr 2000 Michael Rösing. Der studierte Architekt plante und baute für sein damals noch junges Unternehmen in der Hamburger Straße nahe des Eisenwerks Brühl eine Tonnendachhalle im Stile eines Flugzeughangars.
Dazu nutzte er einfache, aber haltbare Materialien wie Aluminiumblech und Holz. Anders als bei einem Flachdachbau läuft das Regenwasser ohne Regenrinne einfach an der Hallenwand ab und versickert im Boden. Flächen, die regelmäßig zu streichen sind, gibt es nicht. Bis heute hat das Gebäude nichts an Glanz verloren. Dabei war der Bau mit einem Quadratmeterpreis von 500 Euro nach den Worten von Michael Rösing in der Erstellung nicht sehr viel teurer als ein vergleichbares, herkömmliches Gebäude.
Heute kümmern sich bei Radius 28 Beschäftigte um Vertrieb, Endmontage und Logistik von Designerbriefkästen, Gartenmöbeln und anderen Wohnaccessoires. Seit 2010 nutzt Rösing seine Gewerbehalle auch für die Solarstromproduktion. Pro Jahr produziert er im Schnitt 108.000 Kilowattstunden Sonnenstrom – lediglich ein Drittel davon verbraucht seine eigene Firma, den Rest speist der Unternehmer ins Netz ein.

Industriebau verbraucht immer weniger Fläche.

Das neue Logistikzentrum der Oerlikon Leybold Vacuum in Köln minimiert den Flächenverbrauch.
Foto: Leybold, Werksphoto, Dr. Schönheit + Partner, Köln

Beispiel: Das neue Logistikzentrum des Herstellers von Vakuumpumpen- und Vakuumsystemen Oerlikon Leybold Vacuum in Köln-Marienburg beweist: Unternehmen, die ihre Prozesse nach Lean-Management-Methoden schlank und effizient gestalten, sind nicht nur produktiver. Sie kommen auch mit weniger Fläche aus. Gut so. Denn vor allem in der Stadt ist Raum für Industrie knapp.
Der Hightech-Anbieter stand 2012 vor der Frage, ob er seine Firmenzentrale von der Bonner Straße auf die grüne Wiese verlagern muss. Leybold wächst kontinuierlich, aber für Expansion ist in der Stadt wenig Platz. 2014 entschieden sich die Kölner, ihre Prozesse weltweit neu zu organisieren. Bei der Entscheidung für oder gegen den bisherigen Firmensitz brachte der Bau eines neuen Logistikzentrums die Lösung.
Der Kölner Fabrikplaner Dr. Martin Schönheit riet Leybold, das Logistik­zentrum mitten in das Werksgelände zu verlagern. Das sorgte für kurze Wege im Betrieb und eine Steigerung der Produktivität. Das neue Gebäude wurde von innen nach außen geplant. Der Bau sollte maximal dazu beitragen, dass das jeweils benötigte Material zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort verfügbar ist. Heute kommt Leybold mit rund einem Drittel weniger Logistikfläche aus und kann die Warenströme für das Europageschäft von Köln aus effizient und kostengünstig steuern – auch zum Wohle des Standorts Köln.

Welchen Beitrag leistet die Industrie eigentlich für unsere Gesellschaft? Welche Produkte werden hegestellt und wie sieht der Produktionsprozess aus? Welche Perspektiven bietet die Branche als Arbeitgeber? Welche Rahmenbedingungen benötigen die Unternehmen am Standort? Mehr als 180 Industrieunternehmen und industrienahe Dienstleister der Wirtschaftsregion Köln haben sich in der Standortinitiative „In|du|strie. Gemeinsam. Zukunft. Leben.“ zusammengeschlossen, um im Dialog mit der Öffentlichkeit genau diese Fragen zu diskutieren und für mehr Industrie-Akzeptanz in der Region zu werben. www.industrie-koeln.de

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