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Immer mehr Akteure auf dem Markt agieren nach Nachhaltigkeitskriterien. Foto: Astrid Piethan
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Immer mehr Unternehmen agieren nachhaltig

Viele Unternehmen rücken nicht nur ökonomische, sondern auch soziale und ökologische Aspekte in den Mittelpunkt ihrer Strategie. Das zeigt eine Trendstudie der IHK Köln. Welche Vorteile sie sich davon versprechen und welche Hindernisse sie überwinden müssen.

Text: Patrick Schröder

Das Thema Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr. Vielmehr erzeugt es zunehmenden Druck auf die rund 3,5 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland. So wählen immer mehr Großunternehmen Zulieferer und Dienstleister nach Nachhaltigkeitskriterien aus. Und Bewegungen wie „Fridays for Future“ bringen eine neue Generation von Konsumenten hervor, die kritischer denn je beäugt, ob Unternehmen Umwelt und Mitarbeiter gut behandeln oder nicht. Ihr Tenor: Heutige Wirtschaftsinteressen dürfen nicht auf Kosten zukünftiger Generationen gehen.

„Thema Nachhaltigkeit wird gelebte Realität“

Doch wie gehen Unternehmen mit dem Nachhaltigkeitsdruck um? Und mit welchen Problemen kämpfen sie? Um ein Meinungsbild zu zeichnen, hat die IHK Köln gemeinsam mit der CBS International Business School eine Trendstudie durchgeführt. Rede und Antwort standen 229 Unternehmen aus dem Wirtschaftsraum Köln – vertreten sind unter anderem die Branchen Industrie, Energieversorgung, Baugewerbe, Handel, Verkehr, Logistik und Gastgewerbe.

Das Resultat der Online-Umfrage: Rund die Hälfte der Unternehmen setzt bereits Nachhaltigkeitsmaßnahmen um. Die Befragten stellen unter anderem auf erneuerbare Energien um, vermeiden Reisen und reduzieren Verpackungsmaterial. „Die Studie zeigt, dass Nachhaltigkeit zur gelebten Realität wird“, sagt Dr. Ulrich S. Soénius, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Köln. „Allerdings sehen wir auch Luft nach oben. Und so hoffen wir, dass sich 2021 viele Unternehmen diesem Trend anschließen.“

Die Studie legt offen, welchen Motivationen die Unternehmen folgen. Demnach spüren die meisten Befragten eine Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt. Hier kommt der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) ins Spiel – die freiwillige Ausrichtung des Wirtschaftens am ökologischen und sozialen Gemeinwohl, die über gesetzliche Pflichten hinausgeht. 75 Prozent der Befragten erkennen Nachhaltigkeit zudem als Impulsgeber für neue Entwicklungsmöglichkeiten. „CSR bietet Unternehmen die Gelegenheit, Marktpotenziale auszuschöpfen, Innovationen zu entwickeln und neue Geschäftsfelder zu erobern“, unterstreicht Soénius. Laut Studie sind viele Unternehmen zudem davon überzeugt, dass dank der Nachhaltigkeitsmaßnahmen ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt steigt. 43 Prozent gehen davon aus, dass dadurch auch das unternehmerische Risiko sinkt.

Kollaborationen werden immer wichtiger

Doch nicht allen Unternehmen gelingt der Sprung Richtung Nachhaltigkeit und CSR. Viele sehen sich mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Der laut Studie größte Hemmschuh: fehlende personelle, zeitliche und finanzielle Kapazitäten. „Da Kapazitäten scheinbar das größte Hindernis auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit sind, bietet es sich an, regionale Netzwerke zu nutzen und regelmäßigen Austausch zu pflegen“, erklärt Soénius.

Für 78 Prozent der Befragten spielen Kollaborationen eine große Rolle. Empfehlenswert sind laut Soénius auch Angebote der Industrie- und Handelskammer (siehe Infokasten) oder des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Dieser hat ein bundesweites Netzwerk namens Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RNN) geschaffen. „Denn die Ergebnisse der Trendstudie zeigen, dass der Bedarf an Informationen und Austausch zum Thema Nachhaltigkeit und CSR hoch ist.“ Unterstützungsbedarf haben besonders kleine Unternehmen mit geringen finanziellen und personellen Kapazitäten. Hier geht es darum, ihnen zu zeigen, welche ersten Schritte sie unternehmen können, um nachhaltiger zu werden.

Pandemie als Chance zum Wandel nutzen

Die Studie analysiert zudem, ob sich die Corona-Pandemie auf die Entwicklung nachhaltigen Wirtschaftens auswirkt. Hier zeigt sich, dass lediglich 23 Prozent der Befragten ihre Einstellung zum Thema verändern. Sie geben unter anderem an, Lieferketten zu überdenken und mehr auf Qualität zu achten. „Die Pandemie bietet die große Chance, Vorurteile gegenüber Nachhaltigkeit abzubauen und Geschäftsmodelle zu reflektieren“, so Soénius abschließend. „Besonders KMU sind aufgrund ihrer Größe flexibel genug, um Nachhaltigkeitsmaßnahmen schnell zu implementieren und von den Vorteilen zu profitieren.“

Sie wollen sich zu den Themen Nachhaltigkeit und CSR informieren?

Die Website www.ihk-koeln.de bietet:
• Informationen und Tipps zum Themengebiet (Dok.-Nr.: 101701 + 1213).
• Einen Infoservice für aktuelle Veranstaltungen und Materialien (Dok.-Nr.: 211180).
• Einen Arbeitskreis zum Austausch, Vernetzen und Mitarbeiten (Dok.-Nr.: 202040).

Die CSR-Trendstudie finden Sie auf der Website www.ihk-koeln.de unter: Dok.-Nr.: 241302.

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