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Im Einsatz für Industrie-Akzeptanz (v.l.): Michael Kracht (IHK), Fred Arnulf Busen (Polytron), Sevda Sümer (IHK), Fabian Rensch (DEUTA Group), Eva Babatz (IHK), Sebastian Wurth (Wurth S+H), Petra Lübbe und Marcus Otto (Kreishandwerkerschaft). Foto Aliki Monika Panousi
Leben

Imagepolitur für die Industrie

Das Image der Industrie verbessern: Das ist das Ziel von 220 Industrieunternehmen, die sich einer Initiative der IHK Köln angeschlossen haben. Gemeinsam kämpfen die Unternehmen gegen verstaubte Vorurteile und unterstreichen ihre Rolle als Wohlstandsmotor.

Text: Patrick Schröder

Industrie: Laut, dreckig und einfach störend – dieses Bild hält sich hartnäckig. Ungerecht und
nicht mehr zeitgemäß – davon ist die IHK Köln überzeugt und bringt zum Abbau von Vorurteilen
mit der Kampagne „In|du|strie. Gemeinsam.Zukunft. Leben.“ Bürgerinnen und Bürger mit
der Industrie ins Gespräch.

„Mit der Kampagne machen wir deutlich: Die Branche ist und bleibt tragende Säule für Beschäftigung und Wohlstand der Region. Sie fördert die Bildung junger Menschen und engagiert sich für den Umweltschutz“, erläutert Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer
und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik der IHK Köln.

Bei den Unternehmen rennt die IHK-Initiative offene Türen ein. Bereits über 220 Firmen haben
sich angeschlossen. Die Teilnehmer laden zu Betriebsrundgängen, Vorträgen und Aktionstagen
ein, bauen Informationsstände aufWochenmärkten auf, eröffnen Bürgerbüros, engagieren sich in Kindergärten und Seniorenheimenfür das Allgemeinwohl. „Hochglanzwerbung wird niemals dazu führen, dass sich die Einstellung zur Industrie ändert“, betont Julia Wittig, Leiterin Industrie im Geschäftsbereich Standortpolitik der IHK und Betreuerin der Initiative. „Um vor allem junge Menschen zu begeistern und zu überzeugen, muss man sie miteinbeziehen. Genau diese Strategie verfolgen die Unternehmen. Mit Erfolg.“


In|du|strie-Veranstaltung
Am 5. November findet von 17:30 Uhr bis ca. 19:30 Uhr im Bauwerk Köln in der Dillenburger Str. 73 eine Netzwerkveranstaltung statt: Industrieunternehmen und Unterstützer der Initiative tauschen sich darüber aus, wie sich die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit weiter verbessern lässt.

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Seit 200 Jahren wachsender Wirtschaftszweig

Die Industrie ist in der Region Köln seit über 200 Jahren ein bedeutender und wachsender
Wirtschaftszweig. Heute sind über 5.000 Unternehmen dieser Branche in der Region angesiedelt
– besonders aus den Bereichen Fahrzeugbau, Chemie- und Pharmaindustrie. Die Industrieunternehmen sind somit ein riesiger Teil des Arbeitsmarkts. 135.000 Arbeitsplätze haben
sie geschaffen, sogar 250.000, zählt man angrenzende, industrienahe Dienstleistungen wie
die Logistik hinzu. Der Gesamtumsatz lag 2018 bei knapp 60 Milliarden Euro. Doch das Image
der Industrie? „Wertschätzung und Anerkennung stehen längst nicht mehr im Einklang mit dem Beitrag, den die Industrie für Wertschöpfung und Wohlstand leistet“, sagt Wittig. „Unternehmen fällt es schwerer, Nachwuchs zu rekrutieren, der im Zuge des demografischen Wandels ohnehin knapp ist. Besonders hart trifft dieses Schicksal kleine Unternehmen, die keine Ressourcen für Imagepflege haben. Zudem kommt es bei Erweiterungsprojekten und dem Ausbau der Infrastruktur immer häufiger zu Widerstand.“

Unterstützung von Kindergärten bis Pflegeheim

Zu den Mitgliedern der Initiative zählt die VOSS Automotive GmbH – ein Unternehmen mit
Sitz im oberbergischen Wipperfürth, das Leitungs- und Verbindungssysteme für die Automobilindustrie entwickelt und produziert. So erfolgreich, dass die Firma weltweit über 6.000 Mitarbeiter hat und in Wipperfürth größter Arbeitgeber ist. „Ich bin überzeugt, dass es unserer Region guttut, viel Industrie zu haben. Sie schafft Arbeitsplätze, stärkt den Wohlstand und bringt Deutschland mit Forschung und Entwicklung voran“, sagt Mechthild Ladner, Bereichsleiterin Marketing und Projektmanagement bei der VOSS Automotive GmbH.

Doch natürlich: Wie in jedem Industrieunternehmen, kann es auch bei VOSS gelegentlich etwas lauter zugehen. Etwa dann, wenn große Lkw anfahren und Bauteile für die Produkte anliefern. Entsprechend wichtig ist es dem Unternehmen, einen guten Kontakt zur Nachbarschaft zu pflegen. Dafür lädt das Unternehmen Bürgerinnen und Bürger regelmäßig zu Besichtigungen und Informationsveranstaltungen ein. Darüber hinaus unterstützt die Hans Hermann Voss Stiftung, der das Unternehmen angehört, unter anderem Kindergärten, Schulen und ein Seniorenpflegeheim. „Der kontinuierliche Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern und unser soziales Engagement
haben dazu beigetragen, dass unser Unternehmen in Wipperfürth einen guten Ruf genießt“, sagt Ladner.

„Thema verankert sich in den Köpfen“

VOSS Automotive ist es gelungen, mit dem verstaubten Image der Industrie aufzuräumen. Ein Meilenstein, der in Zukunft auch kleinen Unternehmen gelingen soll. „Hier sehe ich größere
Unternehmen wie uns in der Verantwortung, zu unterstützen“, erklärt Ladner. Im Rahmen der
IHK-Initiative unterstützt VOSS Automotive andere Unternehmen beim Aufbau eines „Werkzeugkastens“ für Imagepflege. Dieser soll kleinen Unternehmen zeigen, wie Imagepflege funktioniert, wie sie beispielsweise Pressearbeit aufbauen, mit Schulen kommunizieren und eine
informative Website gestalten. So kann es Schritt für Schritt gelingen, einen Schneeballeffekt auszulösen und das Image der Branche zu verbessern.

„Es ist zwar noch längst nicht bei allen angekommen, dass Industrie etwas Positives ist“, sagt Wittig. „Aber das Thema verankert sich langsam in den Köpfen.“

Industrie-Atlas
Auf der Internetseite der IHK Köln ist der Industrieatlas 2019 abrufbar, der die
wichtigsten Strukturdaten der Industrie und damit die Bedeutung dieser Branche für die Region herausarbeitet.

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