Stichwortsuche

Erreicht fast 600.000 Youtube-Abonnenten: Diana zur Löwen Foto: YouTube
Service

Im Reich der Klicks

Die Stars der heute Elf- bis 25-Jährigen sind bei Youtube groß geworden: Dort schaffen sie eine Illusion von Nähe und Authentizität und verdienen damit eine Menge Geld. Warum es sich für Unternehmen lohnt, in diese Welt einzutauchen.

Text: Josephine Pabst

Diana zur Löwen ist ein Star. Die 21-Jährige kommt aus einem kleinen Ort bei Gießen, lebt inzwischen in Köln, und sie erzählt seit sechs Jahren der Welt, was sie gerne trägt, wie sie sich schminkt, was sie am liebsten in der Drogerie einkauft. Genauer: Sie erzählt es auf Youtube, in fünf- bis zehnminütigen Clips. Ihre Videos haben Titel wie „1-3 € Drogerieprodukte, die den Alltag erleichtern + verbessern“ oder „DM Shopping | Meine Tricks & Lieblingsprodukte | Drogerie Follow me around“.

Manche Youtuber erreichen ein Millionenpublikum

Fast 600.000 Menschen interessieren sich dafür und haben Diana zur Löwen abonniert, größtenteils Mädchen zwischen 13 und 24 Jahren. Für sie ist die Youtuberin ein Vorbild, der Prototyp einer besten Freundin, ein Idol, das sich ganz nah anfühlt, weil es nur einen Klick entfernt ist.

Zur Löwen ist inzwischen so erfolgreich, dass sie problemlos von der Online-Welt leben kann, in der sie zu einer Marke geworden ist. Wie viele andere Youtuber schließt sie regelmäßig Kooperationen mit Unternehmen ab: Manche bezahlen sie dafür, dass sie Lippenstifte in ihre Kamera hält, andere dafür, dass sie aufwändig produzierte Umstyling-Shows moderiert.

Andere Youtuber haben ihre eigenen Nischen gefunden: Manche erreichen ein Millionenpublikum, indem sie sich bei Online-Spielen filmen, andere machen Videos von ihrem Leben, ihren Wohnungen, ihren Haustieren. Sie alle sind Teil einer Marktmacht, die sich Unternehmen schon lange zunutze machen. Und: Die meisten Youtuber leben wie zur Löwen in Köln; für viele die Youtube-Hauptstadt Deutschlands.

Professionelles Management

In der analogen Welt ist Diana zur Löwen klein, grazil, mädchenhaft. Im Café Hallmackenreuther am Brüsseler Platz nimmt sie elegant am Tisch Platz, bestellt eine Cola Zero und zeigt, dass sie eben doch keine typische 21-Jährige ist, sondern vielmehr ein Profi, der schon oft Fragen zu seinem Geschäftsmodell beantwortet hat. „Ich gehe Kooperationen nur ein, wenn ich wirklich hinter einem Produkt stehe“, betont sie. Und: „Der Preis ist mir dabei total wichtig. Ich will kein schlechtes Gewissen haben, weil ich meinen Zuschauern Make-up für 50 Euro empfehle.“

Die 21-Jährige benutzt Vokabeln wie „Random-Foto“ (lieblos geschossenes Bild), statt Videos und Fotos spricht sie von „Content“, die Unternehmen, mit denen sie Kooperationen eingeht, sind „Kunden“. Um Marketing und das Kleingedruckte in ihren Verträgen kümmert sich ein professionelles Management. Die Nähe, die Authentizität, die ihre Zuschauer schätzen, sind eben doch nur eine Illusion und Teil einer Marketingstrategie.

Diana zur Löwen ist Prototyp der besten Freundin für viele ihrer Fans

Einen Euro je 1.000 Klicks – weitere Verdienstmöglichkeiten durch Kooperationen

„Youtuber sind so erfolgreich, gerade weil sie so echt und nah wirken“, sagt Fabian Siegismund. „Natürlich ist das nicht immer authentisch. Viele haben in Workshops gelernt, wie man sich gibt, wie sie Interviews führen und wie sie mit Fans umgehen, die ihnen zufällig auf der Straße begegnen.“ Siegismund ist selbst ein Youtuber der ersten Stunde, der verschiedene Formate entwickelt und ausgebaut hat.

Für die ProSiebenSat1-Tochter Studio71 hat er jahrelang als Kreativdirektor gearbeitet, inzwischen ist er selbstständig. Sein eigener Kanal zählt rund 222.000 Abonnenten. „Youtuber verdienen zunächst einmal allein dadurch, dass ihre Videos geklickt werden, im Schnitt etwa einen Euro je 1.000 Klicks“, sagt Siegismund. Bei zwei bis drei Videos pro Woche summiert sich das schnell. „Diese Beträge zahlt Youtube direkt. Dazu kommen dann noch die Kooperationen, die schnell einige tausend Euro einbringen.“

Youtuber: Artists, Bewegtbild-Künstler, Influencer

Der wichtigste Kunde von Diana zur Löwen heißt Bebe Young Care: Die Kosmetikmarke dreht alle paar Wochen mit ihrem Schützling ein sechs- bis achtminütiges Video, in dem zur Löwen gemeinsam mit anderen Youtubern und wechselnden Gästen über Mode, Kosmetik und Jungs plaudert. Die Folgen sind aufwändig gedreht und erscheinen auf dem Unternehmenskanal.

Auch kleinere Firmen können vom Ruhm der Youtuber profitieren – wenn die Kooperationen passen, wenn sie geschickt verpackt werden, wenn sie professionell aufgezogen sind. „Dafür müssen es nicht einmal die ganz großen Youtuber sein“, sagt Siegismund. „Die Kleinen und Mittelgroßen sind oftmals sogar viel interessanter, haben noch keine Star-Allüren und erreichen trotzdem eine Zielgruppe, die für Unternehmen sehr interessant ist.“

Ein bisschen funktioniert das Geschäft so, wie es schon immer funktioniert hat: Früher haben Berühmtheiten im Fernsehen ihr Gesicht verkauft, heute passiert das bei Youtube, Instagram, Snapchat. Experten sprechen nicht von Youtubern, sondern lieber von Artists oder Bewegtbild-Künstlern, Influencern. Aus kommerzieller Sicht mag das wohl der Begriff sein, der das Phänomen am besten erklärt: Die Youtuber haben einen mächtigen Einfluss auf ihre Zuschauer, auf Millionen potenzieller Käufer.

Youtuber als Stars

Für die Zuschauer sind ihre Youtuber vor allem Stars, und Diana zur Löwen ist da keine Ausnahme. Auch sie wird auf der Straße erkannt, auch sie achtet darauf, nicht vor ihrem Hauseingang zu filmen und zu viel über sich als Privatperson preis zugeben. „Wobei ich da eigentlich noch Glück habe“, sagt sie. „Ich bin ja eher die beste Freundin und tausche mich gerne mit meinen Zuschauern aus. Viele der männlichen Youtuber haben ein ernsthaftes Problem mit aufdringlichen Fans.“ Zum Abschied gibt es kein Händeschütteln, sondern eine Umarmung. Die Illusion der besten Freundin hat sie eben gut drauf.

Erfolgreiche Youtuber wie Diana zur Löwen sind gleichzeitig junge Unternehmerinnen und Unternehmer. Das Projekt „Start-up Teens“ will schon Jugendliche fürs Unternehmertum begeistern – und fürs Gründen. Für „Start-up Teens“ sprach IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt in einem Interview mit Diana zur Löwen darüber, was bedacht werden muss, wenn man als Jugendlicher unter 18 ein Unternehmen gründen will.

www.startupteens.de/site/online

Der Gründer des Youtube-Netzwerks Mediakraft: Christoph Krachten

„Wir inszenieren die Youtuber als Stars“

Christoph Krachten hat das Kölner Youtube-Netzwerk Mediakraft gegründet und viele Youtuber auf ihrem Weg nach oben begleitet. Seitdem hat er sich vor allem mit der Organisation der Youtuber-Treffen „Videodays“ einen Namen gemacht. Anfang April wurde bekannt, dass Krachten und seine Videodays zukünftig Teil der RTL-Tochter Divimove sein werden.

Im Interview erklärt er, warum die Videodays im August in der Lanxess Arena so bedeutend sind.

? Was bedeuten Ihnen die Videodays?

! Ursprünglich war die Idee, ein Event für die Fans des Youtubers MrTrashpack zu veranstalten, ich habe die Organisation damals übernommen. Auf einmal kamen mehr als 400 Besucher. Im darauffolgenden Jahr waren es schon 2.000 Menschen. Da wussten wir, dass wir in größere Hallen umziehen und das Event ausweiten müssen. Das hat eine heftige Eigendynamik entwickelt.

? Was macht die Veranstaltung inzwischen aus?

! Die Videodays sind zu einem weltweit einmaligen Unterhaltungsevent geworden, an dem nicht nur viele Youtuber, sondern auch große Unternehmen beteiligt sind. Wir bieten eine Live-Show auf der Bühne mit Künstlern, die sich aus einer Nische hin zu
Stars einer neuen Generation entwickelt haben.

? Haben die Youtuber keine Schwierigkeiten dabei, den Sprung von ihren Wohnzimmern auf die Bühne zu bewältigen?

! Wir helfen ihnen dabei, wir inszenieren sie als riesige Stars, und ihre Fans feiern sie. Einige standen vor einigen Jahren noch im Publikum und stehen heute auf der Bühne. Die Lochis sind dafür ein gutes Beispiel. Als die angefangen haben, waren sie elf, inzwischen sind sie 18.

? Wie werden sich die Videodays durch die Übernahme von Divimove entwickeln?

! Wir wollen das Hauptevent in Köln auch zukünftig beibehalten, es aber noch größer und erfolgreicher machen. Dafür soll es auch eine ganze Reihe von Veranstaltungen in anderen europäischen Märkten geben. Mit dem kleinen Team, mit dem ich die Videodays in den vergangenen Jahren gestemmt habe, wäre das nicht zu bewältigen gewesen.

WEITERE THEMEN