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Jennyfer Gringmuth (Mitte), Leiterin der IHK-Weiterbildung, Dozentin Judith Klups und Zertifikatsprüfer Alfredo Brizzolara begrüßen die virtuell zugeschaltete Elisa Messerschmidt. Alle Fotos: Aliki Monika Panousi
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IHK Köln führt erste virtuelle Zertifikatsprüfung durch

Die Dozenten in Köln, die Kandidatin in Holland: Zum ersten Mal hat die IHK Köln eine Zertifikats-Prüfung per Videokonferenz abgehalten.

Text: Patrick Schröder

Freitagmorgen, Bildungszentrum der IHK in Köln. Es droht ein heißer Tag zu werden, die Fenster von Raum 106 weit geöffnet. Auf dem Programm: Zertifikats-Prüfungen New Work Manager/-in. Doch von einer Kandidatin, Elisa Messerschmidt, keine Spur. Stau? Termin ver­gessen? Fehlanzeige. Elisa Messerschmidt ist Teilnehmerin der ersten virtuellen Zertifikats-Prüfung bei der IHK Köln. Sie muss nicht vor Ort sein. Stattdessen sitzt sie in Holland, vor ihrem Laptop, zugeschaltet über GoToWebinar, eine Konferenzsoftware.

Pünktlich um 9 Uhr öffnet Jennyfer Gringmuth ihren Laptop. Die Leiterin Weiterbildung der IHK Köln begrüßt Frau Messerschmidt in der virtuellen Welt. Dozentin, Zertifikatsprüfer und sieben andere Kandidaten, die an diesem Tag ihre Zertifikats-Prüfung klassisch mit Anwesenheit vor Ort absolvieren, sehen die Kandidatin als Videobild auf der Wand, projiziert von einem Beamer. Die Prüfung beginnt. Hürde eins: eine PowerpPoint-Präsentation. Die IHK-Dozentin, Judith Klups, und der neutrale Zertifikatsprüfer Alfredo Brizzolara, blicken auf die Wand, schreiben mit. Sie sehen einen geteilten Screen, Kandidatin und Präsentationsfolien gleichzeitig. Hürde zwei: das Fachgespräch. Die Dozentin und der Zertifikatsprüfer stehen auf, setzen sich vor den Laptop, sind jetzt erst für Elisa Messerschmidt sichtbar und stellen Fragen zu Präsentation und Inhalten. Anschließend verlassen sie den Raum, ziehen sich zurück zur Beratung. Aufregung macht sich breit bei der Kandidatin. Trotz aller Virtualität. Während der Wartezeit setzen sich die anderen Kursteilnehmer vor den Laptop, machen ein Selfie mit Frau Messerschmidt. Es ist schließlich eine Premiere.

 

Keine virtuelle Prüfungssituation, sondern Handy-Nutzung ganz profan: Per Würfelspiel wird festgelegt, wer als Nächster in die Prüfung geht.


„Die Situation war zunächst etwas verunsichernd, weil ich kein direktes Feedback hatte“

 Die Möglichkeit, sich virtuell prüfen zu lassen: Elisa Messerschmidt ist für diese Gelegenheit dankbar. „Es ist wirklich toll, dass mir die IHK die Möglichkeit gegeben hat, die Zertifikats-Prüfung virtuell abzulegen. Ansonsten hätte ich wegen meines Aufenthalts in Holland ein halbes Jahr auf den nächsten Kurs warten müssen“, freut sich Messerschmidt, die zuvor ein Vierteljahr lang die Weiterbildung zur New Work Managerin in Köln absolviert hatte. Doch ein wenig komisch war die virtuelle Zertifikats-Prüfung schon. Während der Präsentation sah sie keine Person auf ihrem Bildschirm. „Die Situation war etwas verunsichernd, weil ich kein Feedback hatte – als würde ich in einen luftleeren Raum sprechen.” Angenehmer das Fachgespräch. Dozentin und Zertifikatsprüfer setzten sich vor den Laptop. Blickkontakt war hergestellt. Kribbeln im Bauch inklusive. „Ab diesem Moment hat sich die virtuelle Zertifikats-Prüfung von einer klassischen kaum unterschieden.“ Und genau wie bei einer Präsenzprüfung hat sich Elisa Messerschmidt gefreut, als die Dozentin das Er­gebnis in die Kamera sprach: Bestanden, mit der Note sehr gut. Frau Messerschmidt, angestellt bei der Social-Profit-Organisation Education Y, ist nun eine sogenannte New Work Managerin. Sie wird in dieser Funktion Schulen dabei unterstützen, Schüler auf die Anforderungen der zukünftigen Arbeitswelt vorzubereiten, in der vor allem Digitalisierung eine immer größere Rolle spielt.

 Trotz Virtualisierung: Lernen ist emotional, Präsenz immer wichtig

Die erste virtuelle Zertifikats-Prüfung bei der IHK Köln ist geschafft. Aufatmen auch bei Jennyfer Gringmuth. Sie hat die Zertifikats-Prüfung organisiert, sich um die Technik gekümmert, Probeläufe durchgeführt. „Es hat alles wunderbar funktioniert, mit einer stabilen Internet­verbindung, ohne Wackler in Bild und Ton – das war besonders wichtig, damit sich die Kandidatin auf ihre Prüfung konzentrieren kann“, freut sich Gringmuth. „Die Prüfer konnten sogar Gestik und Mimik der Kandidatin beurteilen, wie es im Bewertungsbogen vorgeschrieben ist. Das Experiment ist also geglückt.“ Werden in der Arbeitswelt 4.0 zukünftig Zertifikats-Prüfungen also nur noch virtuell ablaufen? Nein, die Videokonferenz bleibt vorerst eine Option – etwa für verhinderte Kandidaten. Präsenz ist wichtig, bestätigt auch Elisa Messerschmidt. „Während der Weiterbildung zur New Work Managerin war rückblickend der Austausch mit Mitlernenden sehr wertvoll. Lernen ist emotional und braucht persönliche Bindung. Präsenz wird daher immer eine wichtige Rolle spielen.“

Lehrgang New Work Manager/-in

Wie werden in der Arbeitswelt 4.0 zukünftige Organisationsformen und -strukturen aussehen? Wie verändert sich Führung in Zeiten, in denen Teams nicht mehr nur physisch zusammensitzen, sondern auch virtuell? Antworten liefert der IHK-Zertifikatslehrgang New Work Manager/-in – entwickelt in Zusammenarbeit mit Judith Klups und Markus Klups von der Zukunftsagenten GmbH.

Der nächste Zertifikatslehrgang startet am 6.9.2019. Infos dazu hier.

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