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Foto: Olaf-Wull Nickel
Service

Ein Gütesiegel für Hochzeitsplaner

Auch und gerade ihre Hochzeit möchten viele Heiratswillige gut organisiert sehen. Dafür bieten immer mehr Hochzeitsplaner ihre Dienste an. In Zertifikatslehrgängen der IHK Köln bereiten erfahrene Profis die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die anspruchsvolle Aufgabe vor.

Text: Werner Grosch

Wer mal seine eigene Hochzeit geplant hat, der kennt das: Vom Papier für die Einladung über das Essen und die Location bis zur Blumendeko auf den Tischen gibt es unzählige Dinge zu klären. Und in der Regel hat das Brautpaar keinerlei Erfahrung mit der Planung eines solchen Ereignisses. Zugleich werden Hochzeiten aber immer mehr zum Event – die Ansprüche steigen. Kein Wunder also, dass immer häufiger Hochzeitsplaner beauftragt werden.

Was vor wenigen Jahren in Deutschland noch fast unbekannt war, ist in anderen Ländern längst Normalität, wie Vincent Schwiedeps berichtet: „In den USA sagen die Leute: Bist Du verrückt, so ein Projekt ohne Experten zu machen?!“ Aber auch in vielen europäischen Ländern sei die Beteiligung von Experten Standard, so der Inhaber einer DJ-Agentur, der schon auf hunderten Hochzeiten für die passende Musik gesorgt hat. Schwiedeps ist einer von drei Dozenten des Zertifikatslehrgangs, den die IHK Köln seit rund drei Jahren anbietet. Zusammen mit der erfahrenen Kölner Hochzeitsplanerin Patricia Follesa und dem Verleger und Coach Michael Draksal gestaltet er den Lehrgang, der jeweils über drei Monate läuft und zehn komplette Seminartage umfasst.


Das Programm ist straff und vielfältig: Die Teilnehmer lernen erfolgreiche Akquise auf Hochzeitsmessen, zielgerichtetes Marketing, Werbung in den sozialen Medien und mehr. Sie üben Kundengespräche und büffeln Fachwissen über die möglichen Arten von Trauungen, über Buchhaltung, Suchmaschinenoptimierung und Mahnwesen, aber natürlich auch über Brautmode, Ringe, Torten und die besonderen Eigenschaften, die ein Brautstrauß haben muss.

Ganz wichtig ist den Dozenten das Thema Selbstständigkeit. Ein Punkt, auf den auch die IHK größten Wert legt: „Es geht um eine Existenzgründung, und es ist ein harter Job, bei dem man immer das Budget im Auge behalten muss“, sagt Henriette Niecknig, Leiterin des IHK-Weiterbildungszentrums. Anfangs habe es Fälle gegeben, da konnte Prüflinge nichts antworten auf die Frage: „Wie viele Hochzeiten müssen Sie denn planen, um wirtschaftlich arbeiten zu können?“

Inzwischen habe das Programm des Lehrgangs „einen wirklich guten Standard“ erreicht. Die Aufgabe der IHK Köln sei die Qualitätssicherung bei Dozenten, Unterlagen und Prüfungen. Dass letztere nicht ohne sind, zeigt sich bei den Ergebnissen, denn nicht jeder kommt durch. Dabei schauen sich die Dozenten die Bewerber für den Lehrgang schon vorher genau an. „Manchmal müssen wir dann auch sagen, wir glauben nicht, dass Sie geeignet sind für diesen Beruf“, berichtet Schwiedeps.

Was die künftigen Hochzeitsplanerinnen – Männer gab es in den bisher zehn Lehrgängen nur zwei – vorher gemacht haben, ist indes gar nicht so wichtig. Zwar kommen manche aus der Gastronomie/Hotellerie oder aus den Bereichen Dekoration/Floristik, aber das deckt eben auch nur einen kleinen Teil des Aufgabengebietes ab.

Katharina Heuser, die den Lehrgang 2014 absolvierte, kommt als gelernte TV-Journalistin sogar aus einer ganz anderen Ecke. Für die Planung von Hochzeiten hatte sie immer ein Faible, aber dass daraus ein Beruf werden könnte, hat sie selbst bei Beginn der Ausbildung noch nicht erwartet. Sie begann den Lehrgang nach dem Motto „Ich mach das jetzt mal“. Doch dann, nach einer Babypause, startete sie 2015 in Köln ihr Unternehmen „Herzmoment“. Und das läuft: 16 Hochzeiten begleitet sie dieses Jahr, teils mit einer Rundum-Planung, teils nur mit einzelnen Dienstleistungen.


16 Hochzeiten, und das läuft alles parallel. „Man muss schon sehr strukturiert vorgehen. Ich mache nach jeder Besprechung, jedem Telefonat detaillierte Dokumentationen dessen, was die Paare an Wünschen und Vorstellungen haben“, sagt sie. Der IHK-Lehrgang habe sie auf die Herausforderungen der Branche aber sehr gut vorbereitet: „Die Ausbilder sind hoch qualifizierte Leute, die alle Bereiche der Selbstständigkeit ansprechen, auch wichtige Aspekte wie Marketing und Büro-Organisation. Das Thema Hochzeit selbst ist ja nur ein kleiner Teil.“

Katharina Heuser schätzt heute auch die Werbe-Wirkung des Zertifikats. Auf dieses Gütesiegel hätten sie schon viele Brautpaare angesprochen. „Es gibt den Paaren ein Gefühl von Sicherheit“, sagt die Hochzeitsplanerin, und das zu Recht, denn der Lehrgang sei anspruchsvoll und die Prüfung „sehr ernsthaft“.

Jede einzelne Hochzeitsplanerin soll möglichst ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln, mit dem sie sich von anderen Anbietern unterscheidet. Beispiele dafür sind die ehemalige Standesbeamtin, die neben der Hochzeitsplanung auch freie Trauungen anbietet, oder die Mutter einer Patchwork-Familie mit sechs Kindern, die ihre Erfahrung in genau solchen Konstellationen einbringt.

Aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz reisen die Teilnehmerinnen für die Seminare an. Ein vergleichbares Angebot gibt es nur bei wenigen IHKs, in NRW ist Köln die einzige. Angesichts des anhaltenden Aufschwungs der Branche wird es dabei aber wohl nicht bleiben. Denn inzwischen spreche sich auch in Deutschland herum, was Hochzeitsplaner leisten, meint Patricia Follesa. Ganz wichtig sei dabei die Erkenntnis, dass eine Hochzeit ohne Profi meist nicht billiger sei: „Wir vermeiden Planungsfehler, die ziemlich teuer werden können.“

Sehen Sie hier unseren Videobeitrag:

Der Lehrgang

Der nächste Zertifikatslehrgang, zu dem sich noch Teilnehmer anmelden können, beginnt im Oktober. Interessenten können die Unterlagen mit allen Kursinhalten und Teilnahmebedingungen unter www.hochzeitsprofis-ausbildung.de anfordern. Wer sich dann anmelden möchte, muss zuvor ein telefonisches Bewerbungsgespräch mit Coach Michael Draksal führen.

Der Kurs findet in zwei Blöcken von je fünf Tagen in Köln und Leipzig statt, dazwischen gibt es ein „Webinar“, an dem man von zuhause aus teilnehmen kann. Die Prüfung vor einem drei- bis vierköpfigen Ausschuss findet abschließend im IHK-Bildungszentrum statt. Absolventen mit dem Zertifikat werden zudem kostenlos in den Verbund der „Hochzeitsprofis“ aufgenommen, der beispielsweise gemeinsame Messeauftritte anbietet.

Checkliste
Was Hochzeitsplaner/-innen unbedingt mitbringen müssen

Patricia Follesa nennt die fünf wichtigsten Voraussetzungen:

1. Einfühlungsvermögen

2. Gerne mit Menschen arbeiten wollen

3. Organisiert, strukturiert und engagiert sein

4. Bereitschaft zur Wochenendarbeit und in den Abendstunden

5. Freude an der Selbstständigkeit und dem Unternehmersein haben

 

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