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Porträt

Hilfe beim Markteinstieg in Schwellen- und Entwicklungsländern

Die Kölner Industrie- und Handelskammer bietet ihren Mitgliedsunternehmen noch intensivere Beratung über Kooperationsmöglichkeiten, Marktpotenziale und Rahmenbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Als Expertin steht Nicole Glorian zur Verfügung, die über das EZ-Scout-Programm des BMZ tätig ist.

Text: Ulrich Brüne

Seit dem 1. Juni berät Nicole Glorian als Expertin für Entwicklungszusammenarbeit – oder kurz: EZ-Scout – die IHK-Mitgliedsunternehmen. Ins Leben gerufen wurde das EZ-Scout-Programm vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Bei Wirtschaftsverbänden, Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern und Stiftungsorganisationen beraten EZ-Scouts als kompetente Ansprechpartner Unternehmen, vermitteln Kontakte zu Netzwerken und Ansprechpartnerinnen und -partnern in Deutschland sowie vor Ort und unterstützen bei der Entwicklung konkreter Projektideen. Ziel ist es, quasi als Scharnier, für eine reibungslose Kooperation zwischen der privaten Wirtschaft und den staatlichen Institutionen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit auf der einen Seite und den Unternehmen und Behörden in den Zielländern zu sorgen. Eine Initiative, die das außenwirtschaftliche Beratungsangebot der IHK Köln komplettiert.

Chancen und Wachstumspotenziale
Der Markteintritt in Entwicklungs- und Schwellenländern bietet deutschen Unternehmen große Chancen und enorme Wachstumspotenziale, „doch ein Engagement ist häufig auch mit politischen und wirtschaftlichen Risiken verbunden“, erläutert Nicole Glorian. „Die Projektfinanzierung und -absicherung, der Zugang zu qualifiziertem Personal oder Netzwerke vor Ort sind konkrete Beispiele dafür.“

Hier versucht Nicole Glorian, in ihrem Scout-Alltag erste Brücken zu bauen: Manche Firmen suchen nach finanziellen Möglichkeiten, andere nach fachlicher Begleitung. Es gibt Fragen nach speziellen Programmen und Förderinstrumenten, mit denen unterstützend geholfen werden kann. „Als EZ-Scout denke ich über Branchen und Institutionsgrenzen hinweg und kann Ideen sowohl aus der Perspektive der Wirtschaft als auch aus der Perspektive der Entwicklungszusammenarbeit betrachten“, beschreibt Glorian. Eine Beratung maßgeschneidert, kostenlos und oft vor Ort bei den Unternehmen selber.

Hat eine Firma sich erst einmal grundsätzlich für ein außenwirtschaftliches Engagement entschieden, dann steht die Frage „Wo will ich hin und mit welchen Mitteln?“ im Raum. Glorian hilft bei der Klärung, welches Angebot am besten zum Unternehmen und zum jeweiligen Vorhaben passt. Nach der Potenzialeinschätzung wird das weitere Vorgehen dann mit den jeweiligen Entwicklungsorganisationen besprochen. Zum Beispiel mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) oder der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), die „letztendlich auch über den Förderantrag qualifiziert entscheiden“, so Glorian. Entscheidend aber sei: „Alle Projekte, die von der Entwicklungszusammenarbeit gefördert werden, müssen eine entwicklungspolitische Wirkung entfalten.“ Das wird anhand von festgelegten Kriterien überprüft.

Hemmnisse und fehlendes Know-how abfedern
Starke Partner mit den besten Kontakten in den Zielländern und guten lokalen und regionalen Netzwerken sind die Auslandshandelskammern und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in den Entwicklungsländern. Mit Hilfe dieser Institutionen könne vieles an Hemmnissen und an fehlendem Know-how abgefedert werden, macht Nicole Glorian deutlich. „Und unseren deutschen Partnern signalisieren wir: Ihr seid nicht auf euch allein gestellt. So begleiten wir die Unternehmen von der Vorbereitung in Deutschland bis hin zum erfolgreichen Markteintritt.“

Eine „Win-win-Situation“, ist sich Nicole Glorian sicher. „In den Entwicklungs- und Schwellenländern schaffen die Unternehmen durch ihr Engagement Arbeitsplätze, bauen neue Wertschöpfungsketten auf oder machen bestehende krisenresilienter, bilden Fachkräfte aus oder führen ressourcenschonende Technologien ein.“ Die lokale Wirtschaft werde angekurbelt und trage zu einer nachhaltigen Ausrichtung bei. Auf der anderen Seite wird es für Unternehmen einfacher, neue Märkte zu erschließen. Glorian: „Hier bieten sich große Chancen, langfristige Strategien zu initiieren, die dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der Länder zu verbessern.“

Momentan geht es auch darum, Entwicklungsländer zu stabilisieren und sie so widerstandsfähiger gegenüber künftigen Krisen zu machen, denn von der Corona-Krise sind diese Länder besonders betroffen. Unterstützung der Gesundheitssysteme ist gut, reicht aber nicht. Wichtig ist die langfristig wirksame, strukturelle Unterstützung von Wirtschafts- und Sozialsystemen. In Abstimmung mit Auftraggebern und Partnern vor Ort hat die GIZ bislang rund 110 Millionen Euro für Corona-Sofortmaßnahmen identifiziert und sucht dabei Chancen, die weitere soziale und wirtschaftliche Entwicklung nach Corona klima- und ressourcenschonend zu gestalten und so einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten.

Möglichkeiten in Nordafrika
Eine Region, auf die sich die Beratungstätigkeit von Nicole Glorian in den nächsten Monaten besonders konzentrieren wird, ist Nordafrika. „Eine Region, die vor dem Hintergrund der Migrationspolitik der Bundesregierung eine ganz besondere Rolle spielt“, beschreibt Glorian ihre Priorität. Noch immer sei Nordafrika eine Region im Umbruch: Dort gebe es viele Chancen und Möglichkeiten. Sei es im Bereich der erneuerbaren Energien oder der Energieeffizienz generell, seien es fortschrittliche Abfallmanagementkonzepte oder nachhaltige Wasserwirtschaftspläne. Wichtige Bausteine für den Erfolg aber seien, so Nicole Glorian, die folgenden Punkte: „auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten und die Stärken beider Seiten zu bündeln“.


Weitere Infos und Kontakt zu Nicole Glorian:
ez-scout@koeln.ihk.de
Tel. 0221 1640-1556
www.ihk-koeln.de/231660

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