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Foto: Astrid Piethan
Leben

Hier bekommt man gern eine geschmiert

Seit zwei Jahren in der Kölner Südstadt und sehr beliebt: das Café „Geschnitten Brot“

Text: Lothar Schmitz

Wer bekommt schon gerne eine geschmiert? Die vielen Schüler und Studenten, Elternzeitler und Freiberufler, Büroarbeiter und Rentner, die täglich an der Alteburger Straße 28 Stopp machen, haben damit kein Problem. Die meisten von ihnen kommen eigens, um sich von Birgit Winterberg eine schmieren zu lassen – eine Stulle.

„Geschnitten Brot“ heißt ihr Café in der Kölner Südstadt, das sie vor knapp zwei Jahren eröffnete. Man sitzt an schönen Tischen, die ein befreundeter Künstler gestaltet hat – die Tischplatten sind alle aus demselben Birkenstamm gefertigt, die Gestelle hat der Freund geschweißt, die Theke ebenso.

Und man isst – Brot. Zum Frühstück beispielsweise ein „Strammes Schnittchen“ oder das „Schnittchen ‚Dreierlei‘ und Ei“, zu Mittag „Geschnitten Brot mit Suppe oder Salat“.


Das Brot – 100 Prozent Roggen und aus Natursauerteig – lässt sie bei der Bäckerei Hütten in der Südstadt backen, der Kaffee kommt aus einer kleinen Rösterei, ebenfalls in der Südstadt. Käse, Eier und Fleisch bezieht Winterberg von persönlich bekannten Bauernhöfen in der Eifel, Kräuter und Salat stammen aus dem großen Garten der Schwiegereltern am Rhein. Die Chutneys, die sie zu vielen Brotvariationen reicht, stellt sie selbst her.

Nach anderthalb Jahrzehnten als Projektleiterin in einer Kölner Filmproduktionsfirma wollte Birgit Winterberg etwas ganz anderes machen. Sie wagte einen Neuanfang.

An diesem Punkt des Lebens denken nicht wenige an „irgendwas mit Gastronomie“. Doch die bekennende Südstädterin wollte gerade nicht irgendwas – sie hatte eine sehr konkrete Vorstellung. „Ich komme vom Land“, erzählt die 52-Jährige, „und mir fielen wieder die wundervollen Schulbrote ein, die meine Mutter jeden Tag für mich machte.“ Sie waren so gut, dass Winterberg sie in der Schule bisweilen sogar als Tauschware gegen Süßigkeiten verwenden konnte. „Meine Mutter war die absolute Schnittchenkönigin“, erinnert sich Winterberg. Diese Tradition gab den Ausschlag.

Bei Birgit Winterberg ist Brot die Hauptsache

Mit ihrem Konzept ist sie vermutlich die einzige in Köln, zumindest ließ sich kein weiteres Café finden, das sich voll und ganz der guten alten „Stulle“ verschrieben hat. „Croissants, Panini und Bagels gibt’s inzwischen fast an jeder Ecke“, weiß Winterberg, „davon wollen wir uns abheben.“


Die Recherche ergibt: Belegtes Brot bietet auch das Café Waidmeister an, ebenso „Manufactum brot & butter“ und manche Bäckerei, aber stets nur als eine kulinarische Option unter vielen. Auch die Saint Louis GmbH an der Deutzer Freiheit hat eine Zeitlang „die gute alte Stulle wiederbelebt“, wie es auf der Homepage heißt. Doch damit ist jetzt Schluss. „Deutschland ist eine Brötchennation“, findet Gründer Sascha Manz, der für sein Bistro-Konzept mit Suppen, Salaten und veganen Speisen Franchisenehmer sucht.

Birgit Winterberg setzt ganz aufs gute Brot. Und sie wird der Stulle auch dann die Treue halten, wenn sie in Kürze ihr Konzept erweitert und das Café freitags und samstags bis 23 Uhr öffnet. Es soll Wein und Tapas geben. „Aber es bleibt eine Abendbrotkarte“, betont die Tochter der „Schnittchenkönigin“.

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